Politik

Zwei Anschläge in zwölf Stunden Scharon will Arafat ausweisen

Nur wenige Stunden nach dem Selbstmord-Anschlag in der Nähe von Tel Aviv hat sich in Megiddo südlich der israelischen Hafenstadt Haifa ein weiterer Attentäter in die Luft gesprengt. Eine Gruppe israelischer Soldaten, die sich in der Nähe aufhielt, blieb unverletzt. Das berichtete der israelische Rundfunk. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Als Reaktion auf den Selbstmordanschlag in der Nähe von Tel Aviv will Israels Ministerpräsident Ariel Scharon Palästinenser-Präsident Jassir Arafat des Landes verweisen. Eine entsprechende Enscheidung soll das israelische Kabinett in einer Krisensitzung treffen.

Nach dem Anschlag hatte Scharon seinen USA-Besuch vorzeitig beendet. Er kündigte Vergeltungsschläge an und machte PLO-Chef Arafat für den Terror verantwortlich. Die Militäraktionen in den Autonomie-Gebieten würden so lange fortgesetzt, bis die Ursachen der Gewalt ausgerottet seien. Israel lasse sich nicht erpressen, so Scharon. Unmittelbar vor der Bluttat war Scharon mit US-Präsident George W. Bush zusammengekommen.

Zu dem Anschlag bekannte sich die radikal-islamische Hamas-Bewegung, deren Hochburg der Gaza-Streifen ist. Von dort kam nach Informationen aus israelischen Sicherheitskreisen auch der Attentäter. Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte den Anschlag, der gegen die Interessen des palästinensischen Volkes gerichtet sei.

17 Tote, 56 Verletzte

Bei dem Attentat in einer Spielhalle der Stadt Rischon Lezion waren am Dienstagabend 17 Menschen getötet und etwa 56 weitere verletzt worden. Wegen der Wucht der Detonation stürzte ein Teil des dreistöckigen Gebäudes ein. Mehrere Besucher sollen von den Trümmern verschüttet worden sein.

Die Polizei hatte zuvor berichtet, ein Mann mit einem Koffer sei in die Mitte der Halle im dritten Stock gelaufen und habe die Bombe gezündet. An den Türen habe es offensichtlich keinen Wächter gegeben, wie sonst bei fast allen öffentlichen Gebäuden üblich.

Neue Tenet-Mission

Bush sagte nach dem mit Spannung erwarteten Treffen mit Scharon, er werde den Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA, George Tenet, wieder zu sicherheitspolitischen Gesprächen in den Nahen Osten schicken. Tenet solle dabei helfen, einheitliche palästinensische Sicherheitskräfte unter einem Kommando zu schaffen. Diese müssten den Terrorismus bekämpfen und für Stabilität sorgen, unterstrich der Präsident.

Nach Angaben von US-Regierungssprecher Ari Fleischer hat Bush hat Israel seine Unterstützung versichert, Ministerpräsident Scharon aber gleichzeitig zur Lockerung der Wirtschaftsblockaden gegen die Palästinenser aufgefordert. Außerdem habe sich Bush für die Gründung eines palästinensischen Staates und für den palästinensischen Präsidenten Arafat als Verhandlungspartner ausgesprochen.

Quelle: n-tv.de