Politik
Video
Samstag, 22. April 2017

Doppelte Schlappe bei Parteitag: Schicksalstage für Frauke Petry

Von Benjamin Konietzny, Köln

Wie lange hält sich Frauke Petry noch an der Spitze der AfD? Die Stimmung auf dem Parteitag lässt darauf schließen, dass ihre Zeit in der Partei abgelaufen ist.

Als Frauke Petry hinter das Rednerpult tritt, schwingt sich Applaus unter den 600 Delegierten auf. "Frauke, Frauke!" schallt es durch den Saal im Kölner Maritim-Hotel. Das Plenum signalisiert Unterstützung für Petry. In ihrer Begrüßungsrede macht sie dann noch einmal kräftig Werbung für ihren Zukunftsantrag, der die künftige Ausrichtung der Partei festlegen soll. "Lassen Sie uns der politischen Öffentlichkeit zeigen, dass die AfD jetzt den politischen Horizont einer erwachsenen und dennoch demokratisch kontroversen Partei ohne Verlust ihrer Gründungsinhalte und Gründungsideale hat", sagt sie.

Sie versuchte es mit Selbstkritik und Entschuldigungen: Es tue ihr leid, dass sie Alexander Gauland in dem Antrag namentlich angegriffen habe und bot an, mit ihm gemeinsam den Antrag zu überarbeiten. Sie ist bemüht, trotz ihrer bedrängten politischen Situation, zuversichtlich und kämpferisch zu wirken. Ähnlich wie bei ihrer Erklärung auf die Spitzenämter gibt sie die Bescheidene. Doch die Situation ist verzweifelt.

Für Petry wird es immer schlimmer

Eine angenommene Idee ist gut. Eine abgelehnte Idee ist weniger gut. Besonders schlimm ist es aber, wenn eine Idee diskussionslos von der Agenda genommen wird. Und so kommt es für Petry. Die Abstimmung über ihren Zukunftsantrag, die letztlich auch eine Abstimmung über die Akzeptanz des rechten Flügels der AfD innerhalb der Partei gewesen wäre, wird von der Tagesordnung gestrichen. Petry war sich sicher: Eigentlich steht die Mehrheit der Partei noch hinter ihr. Doch ihre Gegner haben die Überhand. Mit deutlicher Mehrheit stimmen die Delegierten für "Nicht-Befassung".

Und für Petry, die auf der Bühne sichtlich immer kleiner wurde, wird dieser Tag noch schlechter. Ihr Unterstützer, AfD-Politiker Albrecht Glaser, stellt den Antrag, die Entscheidung über ein Spitzenteam oder eine Spitzenkandidatur von der Tagesordnung zu nehmen und so mehr Raum für inhaltliche Debatte zu geben. Würden die Delegierten nun dafür stimmen, würde es für die Bundestagswahl keine Spitzenkandidatur geben und Petry könnte als Parteichefin der AfD weiterhin ein Gesicht geben, die Partei etwa in Fernsehdebatten vertreten, Interviews geben, der Kopf der Partei bleiben.

Doch auch dazu kommt es nicht. Die Abstimmung geht knapp zugunsten der Beibehaltung der Tagesordnung aus. Das heißt, auf diesem Parteitag soll ein Spitzenteam festgelegt werden. Petrys Kontrahent Alexander Gauland gilt als gesetzt. Sollte Gaulands Mitstreiter ebenfalls aus dem Lager der Petry-Gegner kommen, wird ihre Bedeutung in der Bundestagswahl auf ein Minimum sinken. Es wäre dann auch der Anfang vom Ende der Frauke Petry als Gesicht der AfD.

Nach dem Abstimmungsdebakel stellte sich Petry der Presse. In ihrer Erklärung wertete sie den Verzicht auf eine Richtungsentscheidung als gefährlichen Irrweg ihrer Partei. "Ich glaube, dass die Partei hier einen Fehler macht." 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen