Politik

IS-Hochburg im Nordirak Schiiten und Kurden kesseln Mossul ein

6ea463829c444b84c7ec252dd21780e3.jpg

Schlacht um Mossul: Mit schwerem Gerät und unterstützt durch Spezialeinheiten aus dem Westen rücken irakische Regierungssoldaten, schiitischen Milizen und kurdischen Peschmerga-Kämpfern von allen Seiten auf Mossul vor.

(Foto: AP)

Der Belagerungsring um Mossul ist geschlossen: Im Westen der umkämpften Metropole im Nordirak treffen Schiiten-Milizen auf kurdische Kämpfer. Für die in der Stadt ausharrenden IS-Anhänger gibt es damit keinen Ausweg mehr.

Im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verkündet die irakische Armee einen wichtigen operativen Erfolg. Nach einem Vorstoß im Westen Mossuls seien die in der Millionenstadt verbliebenen IS-Kämpfer ab sofort von allen Nachschubwegen abgeschnitten, teilten die Regierungstruppen mit.

stepmap-karte-schlacht-um-mossul-belagerungsring-geschlossen-1672791.jpg

Der Belagerungsring ist geschlossen: Bei Ain Sind treffen schiitische Milizen auf kurdische Kämpfer. Die IS-Anhänger in Mossul sind eingeschlossen.

(Foto: Satellitenbilder © 2016 Landsat, Kartendaten © 2016 Google)

Die letzte Straßenverbindung von Mossul in die syrische IS-Hochburg Rakka sei blockiert, hieß es. Kämpfer der "Hasched al-Schaabi", einem Verbund regierungstreuer paramilitärischer Kräfte, hätten die Route von Tal Afar nach Sindschar unter ihre Kontrolle gebracht.

Bei der Ortschaft Ain Sind trafen die "Hasched al-Schaabi"-Kämpfer demnach mit kurdischen Truppen zusammen. Damit seien nun alle Verbindungen der IS-Kämpfer in Mossul zu anderen Gebieten unter der Kontrolle der Dschihadisten gekappt. Dadurch könnten die Extremisten nicht mehr mit Nachschub versorgt werden. Ain Sind liegt rund 85 Kilometer westlich von Mossul. Erst vor zwei Tagen hatten schiitische Milizen die nahegelegene Luftwaffenbasis bei Tal Afar unter ihre Kontrolle gebracht.

Die "Hasched al-Schaabi" (deutsch etwa: "Volksmobilisierungseinheiten") werden von schiitischen Milizen dominiert, die aus dem Iran unterstützt werden. In und um Mossul leben - neben verschiedenen religiösen und ethnischen Minderheiten - vorwiegend Sunniten. Flughäfen haben für die IS-Kämpfer ohnehin keinerlei strategischen Wert. Die von den USA geführte Militärallianz kontrolliert den Luftraum und könnte Fluchtversuche per Hubschrauber oder Flugzeug gewaltsam unterbinden.

In Mossul halten sich nach Einschätzung von US-Experten noch rund 3000 bis 5000 IS-Kämpfer auf. Im Osten der Stadt sind irakische Regierungstruppen und mit ihr verbündete Milizen bereits weit in dicht bebautes Gebiet vorgedrungen. Mitte Oktober hatte die irakische Regierung mit der Luftunterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition eine lange geplante Offensive auf die Großstadt begonnen. Der Vorstoß ins Stadtinnere verlaufe langsam, heißt es, weil die Befreier der Stadt Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen müssten.

Die IS-Miliz leistet trotz der Überlegenheit der Gegenseite erbitterten Widerstand - unter anderem mit Sprengfallen, Scharfschützen und Angriffen von Selbstmordattentätern aus dem Hinterhalt. Die IS-Kämpfer setzen bei ihrem Widerstand gegen die Angreifer auch auf ein Netzwerk von Tunneln, verdeckten Rückzugswegen, Straßensperren und verstreut angelegten Munitionsdepots. Die irakische Regierung hat seit dem Beginn der Offensive am 17. Oktober keine Angaben zu eigenen Verlusten gemacht.

Die Zahl der Menschen, die aus Mossul flüchteten, wird inzwischen auf rund 70.000 geschätzt. Vor zwei Wochen war die Zahl noch mit gut 40.000 angegeben worden. Derzeit seien die Aufnahmekapazitäten ausreichend, sagte die Sprecherin des Norwegischen Flüchtlingsrats, Becky Bakr Abdulla. "Aber wir fürchten, dass in den kommenden Wochen Zehntausende weitere eintreffen werden."

Am Dienstag wurde bei einem Luftangriff der von den USA geführten Militärkoalition in Mossul eine wichtige Brückenverbindungen über den Tigris zerstört. Im Stadtgebiet gab es bislang fünf Tigris-Brücken. Durch weitere Angriffe ließe sich die Stadt in zwei Hälften teilen. Allerdings wären dann auch die im Kampfgebiet verbliebene Zivilbevölkerung von Versorgungs- und Fluchtwegen abgeschnitten.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

Mehr zum Thema