Politik
Kristina Schröder bei der Vorstellung ihres Buches.
Kristina Schröder bei der Vorstellung ihres Buches.(Foto: dpa)
Donnerstag, 19. April 2012

Co-Autorin arbeitet im Ministerium: Schröder-Buch wirft Fragen auf

Derzeit arbeiten sich viele am Inhalt des neuen Buchs von Familienministerin Schröder ab. Doch es gibt auch noch andere Bedenken. Mitautorin Waldeck ist nämlich auch Angestellte im Ministerium. Die Opposition will nun genau wissen, ob Waldeck am privaten Buch von Schröder auch während ihrer Dienstzeit geschrieben hat.

Hat laut Ministerium nur am Abend, am Wochenende, im Urlaub und an Zeitausgleichstagen an dem Buch geschrieben.
Hat laut Ministerium nur am Abend, am Wochenende, im Urlaub und an Zeitausgleichstagen an dem Buch geschrieben.(Foto: dpa)

Nach der Vorstellung des umstrittenen Emanzipationsbuchs von Familienministerin Kristina Schröder wollen SPD und Grüne Klarheit über dessen Zustandekommen. Das Problem liegt an der Mitarbeit von Caroline Waldeck. Co-Autorin Waldeck ist nämlich in Schröders Ministerium als Referatsleiterin beschäftigt. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte dazu: "Das hat ein Geschmäckle." Die SPD kündigte eine mündliche Anfrage im Bundestag dazu an.

"Frau Schröder muss aufklären, wie dieses Buch entstanden ist", sagte Künast der "Passauer Neuen Presse". Es gehöre nicht zu den Aufgaben von Ministeriumsmitarbeitern, ein privates Buch für die Ministerin zu schreiben. SPD-Fraktionsvize Elke Ferner kündigte gegenüber der Zeitung eine mündliche Anfrage im Bundestag an das Familienministerium an, um zu klären, ob Privat- und Dienstangelegenheiten vermischt worden seien.

Schröder hatte ihr Buch mit dem Titel "Danke, emanzipiert sind wir selber!" in dieser Woche vorgestellt. Künast sagte, die Ministerin müsse erklären, ob Geld geflossen sei, ob das Buch während der Arbeitszeit geschrieben wurde und ob Waldeck eine Nebentätigkeitserlaubnis gehabt habe. "Wenn das Buch im Urlaub geschrieben wurde, muss offen gelegt werden, von wann bis wann Urlaub dafür genommen wurde", forderte die Grünen-Politikerin. Als Ministerin sei Schröder gehalten, "dafür Sorge zu tragen, dass Mitarbeiter im Urlaub auch wirklich Urlaub machen, damit sie danach ausgeruht zur Verfügung stehen".

Grüne weiden sich an Reaktion

Das Bundesfamilienministerium reagierte prompt. In einem offenen Brief fordert das Haus Künast dazu auf, ihre Vorwürfe zurückzunehmen. Waldeck habe "ausschließlich in ihrer dienstfreien Zeit geschrieben (Abende, Wochenenden, Urlaubstage und Zeitausgleichstage)", hieß es in dem von Ministeriumssprecher Christoph Steegmans versandten Schreiben. Das Projekt sei dem Ministerium "selbstverständlich" als Nebentätigkeit angezeigt worden. Ministerium und Autorinnen hätten "stets sorgfältig darauf geachtet, dass das Trennungsgebot zwischen der Arbeit am Buch und der Arbeit im Ministerium konsequent gewahrt blieb".

Mit Blick auf den Verkaufserlös des Buches hieß es in dem Schreiben, der auf Schröder anteilig entfallende Erlös gehe als Spende an die Menschenrechtsorganisation für Frauen und Mädchen "terre des femmes". Eine entsprechende Überweisung habe die Ministerin bereits im Januar vorgenommen.

Ein Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion bemerkte, das Familienministerium reagiere "sichtlich nervös". Künast habe "mit Fug und Recht" von einem "Geschmäckle" gesprochen und Schröder aufgefordert, die Art und Weise der Mitarbeit der Ko-Autorin aufzuklären. Der Sprecher begrüßte, dass das Ministerium nun erste Angaben gemacht habe. Aus einer Aufstellung des Ministeriums ging hervor, dass Waldeck 2011 insgesamt 40 Urlaubstage und 26 Tage Freizeitausgleich in Anspruch genommen hatte.

Quelle: n-tv.de