Politik

Was bringen Waffenkontrollen? Schützen murren, Kommunen zweifeln

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Johannes Blazicek ist Inhaber einer Schießanlage. Er bewahrt die Waffen vieler seiner Kunden in einem Tresor auf.

(Foto: dpa)

Wenn wie in Lörrach mehrere Menschen an Schüssen sterben, wird fast reflexartig der Ruf nach besseren Waffenkontrollen laut. Aber die stoßen auf praktische Probleme.

Nach der Gewalttat im baden-württembergischen Lörrach wird sie wieder laut: die Forderung nach schärferen Waffenkontrollen. Schützen und Verwaltung fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Wir leisten das, was wir nach dem Gesetz müssen. Mehr geht einfach nicht", sagt die Sprecherin von Bietigheim-Bissingen, Anette Hochmuth. Die Stadt bei Ludwigsburg habe gerade mal eine Stelle für "Tätigkeiten im Waffenrecht", wie sie es nennt. Der Mitarbeiter müsse neben Verwaltungsaufgaben rund 1000 Waffenbesitzer im Blick behalten. Das das nicht aufgehen könne, liege nahe.

Zweimal im Jahr gebe es Schwerpunktkontrollen bei insgesamt rund 30 Personen. Hinweise von Vereinen oder aus der Bevölkerung seien wichtig, sagt Hochmuth. "Wenn jemand aus einem Schützenverein ausscheidet, müssen wir das gemeldet bekommen. Von selbst können wir das nicht ahnen", macht sie deutlich. Die Amokläuferin von Lörrach etwa war seit Jahren nicht mehr im Schützenverein. Die Kontrollen liefen bei den meisten Waffenbesitzern "geräuschlos" und einvernehmlich ab, berichtet Hochmuth.

Sicherheit hat Vorrang

Zum Aufsichtsbereich von Bietigheim-Bissingen gehört der kleine Ort Tamm, rund 20 Kilometer nordwestlich vom Amok-Ort Winnenden. Johannes Blazicek bekommt hier häufiger Besuch vom Kontrolleur. Der 55-jährige Inhaber einer Schießanlage mit Waffengeschäft beschreitet nämlich einen seltenen Weg: Er bietet seinen Kunden an, die Waffen für sie zu lagern, wenn sie sie nicht daheim haben möchten. Für Hochmuth fast ein Königsweg: "Hier können wir besonders effektiv kontrollieren." Wären alle Waffen so professionell und zentral gelagert, würde das in ihren Augen die Überprüfung erleichtern und die Sicherheit erhöhen. Aber das sei eine politische Entscheidung.

Blazicek schätzt, dass rund die Hälfte seiner 500 Kunden das Angebot nutzt. Es habe für sie durchaus auch Nachteile, räumt er ein. So würden Sportschützen etwa 80 Prozent ihrer Trainings "trocken" zu Hause machen - sprich ohne Munition. Das werde natürlich erschwert, wenn die Waffe nicht daheim gelagert werde. Sicherheit habe aber im Zweifel Vorrang. Er selbst gehe schon seit Jahrzehnten mit Waffen um. Nichts habe ihn "mehr diszipliniert", als das. "Schusswaffen waren noch nie schlecht, schlecht sind höchsten die Menschen dahinter", betont der Mann, der nach eigenen Angaben mehrfacher Deutscher Meister und Europameister im Practical Shooting ist.

Verbitterte Schützen

Fast schon verbittert zeigt sich ein Mitglied des örtlichen Schützenvereins: "Was müssen wir denn tun, damit wir endlich mal aus den Schlagzeilen kommen?" Er schieße aus Freude am sportlichen Wettbewerb. Wichtig sei ihm auch die Ruhe und Konzentration beim Zielen. Es habe sich sogar gezeigt, dass einige Jugendliche durchs Training insgesamt konzentrationsfähiger geworden seien, betont er. Er glaubt nicht, dass zusätzliche Kontrollen einen Mord verhindern können. "Was nutzt die richtige Lagerung der Waffe, wenn jemand sie aus dem Schrank nimmt, um damit ein Verbrechen zu begehen?" Trotzdem wünsche er sich mehr Kontrollen - "damit wir zeigen können, dass wir verantwortungsvoll mit den Waffen umgehen".

Von Juli bis Ende 2009 zählte das Innenministerium im Land rund 1500 Kontrollen bei Menschen, die die sichere Unterbringung der Waffen nicht nachweisen können oder sich auf Anfrage nicht gemeldet haben. In 700 Fällen habe es Beanstandungen gegeben, sagt ein Sprecher. Neuere Zahlen werde es erst nächstes Jahr geben.

Quelle: ntv.de, Wenke Böhm, dpa

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