RTL/ntv TrendbarometerSchwarz-Rot verharrt im Tal der Tränen, AfD im Bund weiter obenauf
Von Sebastian Huld
Das Entsetzen über den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt treibt die Bundespolitik um. Im ersten RTL/ntv-Trendbarometer nach der Wahl steht die Merz-Koalition weiter denkbar schlecht da - und der Bundeskanzler erst recht.
Nach dem AfD-Schock bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt richtet sich der Blick auch auf die Bundespolitik. Dem RTL/ntv-Trendbarometer zufolge bewegt sich bei den Zustimmungswerten erst mal wenig. Allerdings sind die Werte auch so schon desaströs für die schwarz-rote Koalition und die Eindrücke vom Wahlsonntag sind nur zum Teil in die zwischen Dienstag und Montag erhobene Umfrage eingeflossen. Leichte Bewegung gibt es nur bei der Linkspartei, die einen Prozentpunkt verliert, während das BSW mit nun 3 Prozent wieder einzeln vom Institut Forsa ausgewiesen wird.
Würde am kommenden Sonntag gewählt, gingen die Parteien mit folgenden Stimmungswerten in die Abstimmung: Die AfD liegt die fünfte Woche in Folge bei ihrem bisherigen Trendbarometer-Höchstwert von 28 Prozent. CDU und CSU rangieren auf dem zweiten Platz, allerdings recht abgeschlagen mit weiterhin 21 Prozent. Es folgen Bündnis90/Die Grünen mit 16 Prozent und die SPD mit 12 Prozent.
Die Linke fällt im Vergleich zur Vorwoche leicht auf 11 Prozent. Die FDP, die am Sonntag den Einzug in den Magdeburger Landtag deutlich verpasst hatte, bleibt im RTL/ntv-Trendbarometer bei 4 Prozent. Der Wert für sonstige Parteien fällt von 7 auf 5 Prozent, weil das BSW mit 3 Prozent nicht mehr zu den Sonstigen zählt. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt mit aktuell 29 Prozent weiter deutlich über dem Anteil der Nichtwähler bei der vergangenen Bundestagswahl (17,9 Prozent).
Am Tag nach der Landtagswahl kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz an, auch an der eigenen Kommunikation arbeiten zu wollen. Ausweislich des RTL/ntv-Trendbarometers ist der deutsche Regierungschef ein echtes Problem für die Unionsparteien: Weiterhin sind nur 13 Prozent der Befragten zufrieden mit Merz, 85 Prozent sind unzufrieden. Keine guten Voraussetzungen für die CDU vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September.
Im Osten sind sogar nur 7 Prozent der Befragten mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden, während 91 Prozent unzufrieden sind. Das dürfte eine Erklärung dafür sein, warum die CDU mit knapp über 17 Prozent derart abgeschmiert ist in Sachsen-Anhalt. Im Westen ist der Merz-Zustimmungswert mit 15 Prozent zwar doppelt so hoch, aber noch immer sehr schlecht. Auch die Anhänger von CDU und CSU geben an, dass nur eine Minderheit von 45 Prozent mit der Arbeit des CDU-Vorsitzenden als Regierungschef zufrieden ist und eine Mehrheit von 53 Prozent unzufrieden. Bei den Anhängern der übrigen Parteien liegt der Anteil der Unzufriedenen zwischen 83 und 98 Prozent.
Passend dazu nennen auch nur 12 Prozent der Befragten die Union als jene Partei, die mit Deutschlands Problemen am besten fertig wird. 13 Prozent nennen die AfD. Die Grünen legen mit einem Anteil von 8 Prozent um einen Punkt zu, die Linke gibt um zwei Punkte nach und fällt auf 4 Prozent. Fünf Prozent nennen weiter die SPD als kompetenteste Partei, während unveränderte 55 Prozent keiner Partei politische Kompetenz zubilligen.
Die wirtschaftliche Stimmung ist ebenfalls unverändert schlecht im RTL/ntv-Trendbarometer: Nur 15 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland in den kommenden Jahren verbessern. 65 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Dennoch ist die wirtschaftliche Lage nur eines von mehreren Topthemen im Themenradar. 30 Prozent der Befragten nennen die Landtagswahlen, gefolgt von der Lage der Bundesregierung mit 28 Prozent. Die Wirtschaft folgt mit 24 Prozent und der Krieg in der Ukraine mit 18 Prozent.
Weitere Themen werden von jeweils 6 bis 9 Prozent der Befragten genannt: Umwelt und Klima, innere Sicherheit, Naturkatastrophen, Rechtsradikalismus, Gesundheitsreform, Drohnen, die USA und Kriege allgemein.
Repräsentative Umfrage | Die Daten zum RTL/ntv-Trendbarometer wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 1. und 7. September erhoben. Datenbasis: 2502 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 2,5 Prozentpunkte. Zur politischen Kompetenz wurden 1006 Menschen befragt.
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