Politik

Merkel über Macron "Selbstverständlich darf er weiter anrufen"

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Sie werde Macron vermissen, sagte Merkel im DW-Interview auf die entsprechende Frage.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Vor wenigen Tagen zollt Frankreichs Präsident Macron der scheidenden Kanzlerin mit einer Einladung auf nicht alltägliche Weise Anerkennung. Ein schönes Erlebnis, sagt Merkel. In einem Interview blickt sie auf einige Etappen ihrer Außenpolitik zurück.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bewegt vom Abschiedsbesuch in Frankreich und dem Zuspruch der dortigen Bevölkerung gezeigt. "Das war ein schönes Erlebnis, das muss ich sagen", sagte sie in einem Interview der Deutschen Welle. "Wenn man in Frankreich ist, wo wir in der Geschichte oft nicht so freundschaftliche Gefühle füreinander hatten, hat es mich schon gefreut, dass so viele Menschen gekommen sind, um den französischen Präsidenten und mich zu begrüßen." Macron hatte Merkel vergangene Woche nach Beaune in Burgund eingeladen. Dort war sie von vielen Bürgern bejubelt worden.

Weiter sagte sie, dass es sie freuen würde, gäbe es hin und wieder Kontakt zu Macron. "Na, selbstverständlich", sagte sie auf die Frage, ob sie der französische Staatschef auch nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft anrufen dürfe. "Wir sind als Regierungschefs schon alle sehr beschäftigt. Jeden Tag ist viel zu tun und deswegen wird sich Emmanuel Macron in Zukunft mit dem deutschen Regierungschef, also wahrscheinlich Olaf Scholz, unterhalten. Und vielleicht haben wir auch ab und zu Kontakt", sagte sie weiter. "Es würde mich freuen. Aber das Arbeiten und das Vorantreiben der Dinge, das erfolgt dann mit einem neuen Bundeskanzler." Sie werde neben Macron auch "viele meiner Kollegen und Kolleginnen vermissen, weil ich mit sehr, sehr vielen sehr gerne zusammengearbeitet habe".

In dem gut 20-minütigen Gespräch blickt die Kanzlerin zudem auf zahlreiche Krisen ihrer Regierungszeit zurück. Dabei räumt sie auch ein, trotz aller Erfolge nicht alles geschafft zu haben - etwa im Kampf gegen Fluchtursachen oder "dass Europa ein einheitliches Asyl- und Migrationssystem hat".

Beim Thema Klima verwies sie darauf, dass man für jeden Schritt auch Mehrheiten brauche. Zudem erinnerte sie an bestehende Ängste vor den sozialen Folgen. Trotz aller Bemühungen "kann ich heute nicht sagen, das Ergebnis ist schon befriedigend", sagte sie. So habe sie zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Einschätzungen der Wissenschaftler mit jedem Bericht "immer noch schlechter waren und schrecklicher".

Ganz am Ende bemühte sie sich um eine Relativierung der vielfach als außergewöhnlich bewerteten Einladung ihres wahrscheinlichen Amtsnachfolgers zum G20-Gipfel. Es sei nun einmal so, dass dort Regierungschefs und Finanzminister teilnehmen würden. Gleichwohl sei es für die anderen Länder "ein beruhigendes Signal in einer ziemlich turbulenten Welt", dieses Gefühl zu haben, "hier gibt es einen guten Kontakt zwischen der jetzigen Regierungschefin und dem wahrscheinlich zukünftigen", sagte sie. "Und das fand ich richtig."

Quelle: ntv.de, jwu

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