Politik

Tödliche Schüsse im Kosovo Serbischer Politiker stirbt bei Attentat

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Tödliche Schüsse in Mitrovica: Der Tatort (im Bild) liegt in einer mehrheitlich von Serben bewohnten Region des Kosovo.

(Foto: AP)

Brisanter Vorfall im Kosovo: Oliver Ivanović, ein prominenter Politiker der serbischen Minderheit, fällt einem Mordanschlag zum Opfer. Berichten zufolge wird er vor seinem Büro in Mitrovica von mehreren Schüssen getroffen und tödlich verletzt.

Dieser Vorfall dürfte die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo überschatten: Einer der wichtigsten serbischen Politiker im Kosovo, Oliver Ivanović, ist einem Attentat zum Opfer gefallen. Ein Vertreter seiner Partei bestätigte den Vorfall.

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Oliver Ivanovic (M., Archivbild).

(Foto: AP)

Ivanović erlag demnach im Krankenhaus seinen schweren Schussverletzungen. Unbekannte Attentäter hatten kurz zuvor aus einem fahrenden Auto heraus das Feuer auf den prominenten Politiker eröffnet, als er vor seinem Büro in Mitrovica auf die Straße trat.

Serben-Politiker im Kosovo

Die Regierung des Kosovo in Pristina verurteilte den Mord als einen Anschlag auf den Rechtsstaat und die Bemühungen, Recht und Gesetz im gesamten Kosovo durchzusetzen. Die serbische Regierung sprach von einem Terrorakt. Ihr Vertreter verließ aus Protest gegen die Ermordung Ivanovics in Brüssel die von der EU vermittelten Gespräche über eine Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic berief in Belgrad eine Dringlichkeitssitzung des nationalen Sicherheitsrates ein.

Ivanović galt als Anführer der serbischen Minderheit im Kosovo. Im Norden des Kosovo leben rund 40.000 bis 50.000 Serben. Sie widersetzen sich der Integration in dem vorwiegend von Albanern bewohnten Staat seit dessen Unabhängigkeit von Serbien im Jahr 2008. Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten sind angespannt. 2013 stimmten beide Seiten aber einem von der EU vermittelten Dialog zur Verbesserung der Beziehungen zu. Die EU verurteilte den Mord am Ivanović und rief beide Seiten auf, Ruhe zu bewahren.

Unabhängig seit 2008

Ivanović war ein früherer serbischer Staatssekretär und bekanntester Vertreter der serbischen Minderheit im Norden der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärt hatte. Anfang vergangenen Jahres hatte ein EU-Gericht Ivanović im Zusammenhang mit der Tötung von vier Albanern im Kosovo-Krieg von 1998-99 wegen Kriegsverbrechen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, die kurz darauf von einem Berufungsgericht im Kosovo aufgehoben wurde.

Ivanovic galt als Gemäßigter unter den serbischen Politikern im Kosovo. Er war einer der wichtigsten Ansprechpartner für die Vertreter der EU, der Nato und der Vereinten Nationen im Kosovo. Wer hinter dem Attentat auf Ivanović steckt, blieb zunächst unklar. Beobachter befürchten, dass politische Kräfte den Tod des Serben-Vertreters nutzen könnten, um Stimmung gegen eine dauerhafte Abspaltung des Kosovo zu machen. Reaktionen aus der serbischen Hauptstadt Belgrad stehen noch aus.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/rts