Politik

Politische Krise in Nordirland Sinn-Fein-Chef Adams kündigt Rückzug an

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Gerry Adams wird die Partei in der kommenden Jahr nicht mehr führen, verkündete er.

(Foto: REUTERS)

Länger als drei Jahrzehnte führt Gerry Adams die katholische Sinn Fein Partei in Irland. Nun kündigt er seinen Rückzug an. Nordirland steckt in einer politischen Krise, London hat bereits einen Teil der Verwaltung übernommen.

Der Chef der katholischen Sinn Fein Partei in Irland, Gerry Adams, zieht sich 2018 nach mehr als 30 Jahren Amtszeit vom Parteivorsitz zurück. Er werde nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren, erklärte der 69-jährige Politiker auf einem Parteitag in Dublin. "Führung bedeutet, den Zeitpunkt für einen Wechsel zu erkennen. Und dieser Zeitpunkt ist jetzt." Auf einem Parteikongress im kommenden Jahr soll nach seinem Willen ein Nachfolger gewählt werden.

Adams soll laut Zeugenaussagen früher zur Spitze der militanten Untergrundorganisation IRA gehört haben, was er selbst aber bestreitet. Später war er treibende Kraft bei ihrer Entwaffnung. Er wurde mehrfach ins britische Unterhaus gewählt, nahm den Sitz aber aus Protest nie ein. Zuletzt saß er im irischen Parlament. Adams war einer der maßgeblichen Architekten des Karfreitagsabkommens, das 1998 eine Machtteilung zwischen Katholiken und Protestanten festlegte und den Nordirland-Konflikt damit weitgehend beendete. Hauptziel von Sinn Fein ist es, die Teilung Irlands zu beenden. 

Ende Oktober waren die Verhandlungen über die Bildung einer neuen Einheitsregierung in Nordirland gescheitert. Die probritische DUP gab Adams' Bündnis Sinn Fein die Schuld. Die irische Sprache dürfe keine Vorrangstellung erhalten, sagte der Abgeordnete Gregory Campbell. Zudem dürfe das Thema nicht höher gewichtet werden als etwa Bildung oder Gesundheit. Sinn Fein zog sich bereits im Januar aus der Einheitsregierung mit der DUP zurück und hatte beklagt, nicht gleichberechtigt behandelt zu werden.

Vor einigen Tagen zog die britische Regierung nun die Haushaltspolitik an sich. "Das kann nicht ewig und drei Tage so weitergehen", hatte Großbritanniens Nordirland-Minister James Brokenshire gesagt. Aufgeschobene Entscheidungen müssten nun getroffen werden. Die Region mit ihren knapp zwei Millionen Einwohnern steht damit unter direkter finanzieller Verwaltung von London. Viele fürchten, dass die Machtbalance zwischen probritischen Kräften und irischen Nationalisten in Gefahr gerät. Der Streit ist brisant, weil die britische Regierung von Premierministerin Theresa May im Parlament auf die Mitarbeit der DUP angewiesen ist.

Quelle: n-tv.de, rpe/dpa/rts

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