Politik

Programm gegen sexuelle Gewalt So will die Regierung Missbrauch verhindern

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesregierung will die Strukturen verbessern, die Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen. Dazu sollen alle 30.000 Schulen in Deutschland zu Anlaufstellen werden.

Alle Lehrer in Deutschland brauchen Grundwissen zum Thema sexueller Missbrauch, fordert der Missbrauchsbeauftrage der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Lehrer seien oft die ersten Ansprechpersonen für betroffene Kinder, sagte er bei der Vorstellung seines Arbeitsprogramms für die nächsten fünf Jahre. "Wir müssen das Thema in die Schulprogramme hineinbekommen", so Rörig. Schulen sollen künftig das "Aktionsfeld Nummer eins" sein, wenn es darum geht, Missbrauch zu verhindern." Schulen können leider Tatort werden. Sie sind aber auch Ort der Prävention."

Bei dem Thema sei in den vergangenen Jahren einiges erreicht worden, dennoch sei man noch am Anfang. Um die erforderlichen Schritte zu gehen, reicht der Etat des Präventionsbeauftragten nicht aus, machte Rörig deutlich.

Er setzt darauf, dass die Institutionen, in denen Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, selbst aktiv werden und in den Schutz vor sexualisierter Gewalt investieren. Dazu wolle er nun zum Beispiel auch auf muslimische und jüdische Religionsgemeinschaften zugehen. Mit den christlichen Kirchen gibt es bereits Vereinbarungen. Alle Maßnahmen müssten mit einer modernen Sexualpädagogik verknüpft sein.

Zu wenig Beratung verfügbar

Rörig war Ende März für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden. Bis Ende des Jahres will er ein Gremium schaffen, über das Betroffene die Arbeit des Missbrauchsbeauftragen und der Bundesregierung begleiten können. Die Betroffenen seien früher nicht an der Arbeit beteiligt worden und hätten es sich hart erkämpft, in Zukunft besser gehört zu werden.

Ein Problemfeld scheinen die Beratungsangebote für Menschen zu sein, die Opfer von sexueller Gewalt werden. Zum Beispiel gebe es noch zu wenige Anlaufstellen im ländlichen Raum und zu wenige spezielle Angebote für männliche Opfer, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderung. Viele Bundesländer hätten auch noch nicht ausreichend in den gemeinsamen Hilfsfonds mit der Bundesregierung eingezahlt.

"Keine Anzeichen für einen Rückgang"

Rörig zog eine positive Bilanz in Bezug auf das "Hilfetelefon Sexueller Missbrauch" mit der Telefonnummer 0800 22 555 30. Dort arbeiten 20 Fachkräfte, die Nummer ist an fünf Tagen pro Woche für jeweils sechs Stunden erreichbar. Damit könne der gesamte Bedarf abgedeckt werden, so Rörig. Seit dem Start der Hotline vor vier Jahren seien 19.000 Beratungsgespräche geführt worden.

Wie sich die Zahl sexueller Gewaltdelikte in den vergangenen Jahren verändert hat, lässt sich kaum sagen. Die Zahl der Ermittlungs- und Strafverfahren ist mit rund 12.500 sehr konstant. Die Dunkelziffer wird aber als sehr hoch eingeschätzt. "Es gibt keine Anzeichen für einen Rückgang", sagte Rörig. Durch eine bessere Forschung in diesem Bereich soll es zukünftig eher möglich sein, die Erfolge der Präventionsarbeit bewerten zu können.

Quelle: ntv.de

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