Politik

Neue Gerüchte zum Barschel-Tod Spur führt zum Mossad

Der Tod von Uwe Barschel im Oktober 1987 im Genfer Hotel "Beau Rivage" ist wohl jedem Geheimdienst schon einmal angelastet worden. Ein neues Gutachten soll nun Beweise liefern, dass es ein Killerkommando des israelischen Mossad war. Das Mordmotiv: Barschel habe alles über einen geheimen Waffenhandel zwischen Israel und dem Iran gewusst, der über schleswig-holsteinischen Boden ging.

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Uwe Barschel starb unter rätselhaften Umständen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod von Uwe Barschel nährt ein neues Gutachten Spekulationen über eine Ermordung des früheren Kieler Regierungschefs durch den israelischen Geheimdienst Mossad. Die chemischen Analysedaten stimmten bis in Details mit einem Mordablauf überein, den der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky in einem Buch schildere, schrieb der Schweizer Toxikologe Prof. Hans Brandenberger in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag" über sein neues Gutachten. Es ist das erste Mal, dass sich der Wissenschaftler, einer der wichtigsten Gutachter in dem Fall, zur Täterfrage äußert.

Der frühere Chefermittler im Fall Barschel, Heinrich Wille, sieht nun den Verdacht erhärtet, dass Barschel von einem professionellen Killerkommando getötet wurde. Brandenbergers Aufsatz enthalte neue Erkenntnisse, die geprüft werden sollten, wurde der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt von Lübeck zitiert. Einen konkreten Verdächtigen gebe es aber bis heute nicht.

Neue Untersuchung gefordert

Der Kieler Landtagsabgeordnete Werner Kalinka (CDU) forderte den schleswig-holsteinischen Justizminister Emil Schmalfuß auf, neue Untersuchungen zu veranlassen. An den Asservaten wie Kleidung und Organen Barschels sollten mit neuesten technischen Möglichkeiten Spuren gesichert werden, die auch für einen DNA-Abgleich genutzt werden könnten, sagte der CDU-Politiker der "Welt". Kalinka will auch die Bundesregierung auffordern, alle Akten über den Fall Barschel zur Verfügung zu stellen. Er könne sich nicht vorstellen, dass beim Bundesnachrichtendienst und beim Bundesamt für Verfassungsschutz nicht noch mehr Unterlagen vorhanden seien.

Der Anwalt der Familie, Justus Warburg, erneuerte unterdessen in der Zeitung seine Forderung, die oberste Anklagebehörde Deutschlands müsse ein Verfahren wegen des Verdachts des Mordes an Barschel führen.

Der CDU-Politiker war am 11. Oktober 1987 tot in einer Badewanne des Genfer Luxushotels Beau Rivage gefunden worden. Viele Fachleute gehen von einem Selbstmord aus, die Todesumstände wurden aber nie zweifelsfrei geklärt.

Im Unterschied zu anderen Theorien beschreibe Ostrovsky ein Szenario, das mit den Analysedaten erstaunlich gut übereinstimmt, heißt es laut "Welt am Sonntag" in dem Papier Brandenbergers. Auffällige Details in Ostrovskys Bericht, zum Beispiel die rektale Zufuhr von Beruhigungsmitteln und das zeitlich versetzte Verabreichen von Medikamenten, spiegelten sich im chemischen Befund wider, so der Toxikologe.

Profiteam am Werk?

Nach seiner Einschätzung belegen toxikologische Untersuchungen des Barschel-Leichnams, dass der CDU-Spitzenpolitiker weder durch Selbstmord noch durch Sterbehilfe ums Leben gekommen sein könne. Die chemischen Befunde indizierten einen Mord. Es sei davon auszugehen, dass ein Profiteam am Werk gewesen sei.

Als mögliches Motiv für eine Ermordung Barschels war in der Vergangenheit über angebliche Verstrickungen Barschels in Waffengeschäfte spekuliert worden. Laut Ostrovsky soll Barschel Kenntnis von angeblichen Rüstungsgeschäften Israels mit dem Iran gehabt haben, die über Schleswig-Holstein abgewickelt worden seien.

Der Ex-Agent erklärte, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Tod Barschels überraschten ihn nicht. "Ich weiß ja, dass es so war", wurde Ostrovsky zitiert. Der Autor, der bis heute nie offiziell von deutschen Ermittlern zum Geschehen von Genf befragt wurde, zeigte sich bereit zu einer Aussage: "Ich stehe den deutschen Strafverfolgungsbehörden jederzeit als Zeuge zur Verfügung, solange ich dabei in den USA bleiben kann."

Quelle: n-tv.de, dpa

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