Politik

Neue Spur führt nach Norden Stammt Lübcke-Mordwaffe von "Combat 18"?

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Am 2. Juni war der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke an seinem Haus bei Kassel erschossen worden

(Foto: picture alliance/dpa)

Trotz des Geständnisses des mutmaßlichen Täters ist der Mord am Kasseler Regierungschef Walter Lübcke noch nicht vollends aufgeklärt. Die Ermittlungen führen nach Schleswig-Holstein, wo sich Hinweise zur Tatwaffe zuletzt verdichten.

Im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke führt eine neue Spur nach Norddeutschland. Die Bundesanwaltschaft hat aus Schleswig-Holstein Akten zum mutmaßlichen Mörder Stephan E. angefordert, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Die oberste deutsche Anklagebehörde will nun untersuchen, ob die Tatwaffe, ein Revolver des brasilianischen Herstellers "Rossi", Kaliber.38 Spezial, ursprünglich von der rechtsextremen Terrorgruppe "Combat 18 Pinneberg" stammte.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf zwei aktenkundige Vorgänge. Am 5. April 2003 nahm E. an einer Demonstration gegen eine Wehrmachtsausstellung in Neumünster teil. Dort kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Stephan E. wurde wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Organisiert wurde die Demonstration vom damaligen NPD-Landeschef, Waffenhändler und "Combat 18 Pinneberg"-Mitglied Peter Borchert.

Wohnungen der rechten Szene schon 2003 durchsucht

Am 28. Oktober 2003 durchsuchte die Polizei Wohnungen und Treffpunkte der rechten Gruppe in Schleswig-Holstein und Hamburg. Im Zuge der Razzien stellten die Fahnder neben einer Pumpgun und einer Schrotflinte vier "Rossi"-Revolver sicher - baugleich mit der Mordwaffe aus Kassel. Unklar ist, ob sämtliche "Rossi"-Revolver der militanten Gruppe damals aufgespürt werden konnten. Zu den fünf Hauptverdächtigen zählte Borchert. Er bestätigte, die Demonstration in Neumünster 2003 angemeldet und geleitet zu haben. Zudem könne er nicht ausschließen, Stephan E. einmal begegnet zu sein.

Als sicher gilt, dass beide einen gemeinsamen Bekannten haben, den Bad Segeberger Neonazi Bernd T., mit dem Peter Borchert nach eigenen Angaben zwischen 1994 und 1996 in Neumünster eine Jugendstrafe verbüßte. T. lebte bis vor wenigen Wochen wie der mutmaßliche Lübcke-Mörder Stephan E. in Nordhessen. Beide werden der dortigen rechten Szene im Umfeld von "Combat 18" zugerechnet. T. zog erst kürzlich wieder nach Bad Segeberg zurück.

Vermutung: Waffen wurden vergraben

Borchert sagte, es gebe zahlreiche Waffen von damals, von denen er nicht beurteilen könne, wohin diese später verkauft worden seien. "Wie viele Revolver ich damals besessen habe, müsste ich schätzen." Er glaube jedoch, "mit einiger Sicherheit" sagen zu können, "dass alle Revolver aus meinem Konvolut durch die Landespolizei sichergestellt werden konnten". Um welche Marken es sich bei den Revolvern gehandelt habe, wisse er nicht mehr. Sein Anwalt Philipp Marquort hält es für möglich, dass Waffen vergraben wurden: "Das ist nicht nur in der rechten Szene, sondern auch im Bereich Organisierte Kriminalität gängige und beliebte Praxis", sagte Marquort.

Stephan E. hatte in einem überraschenden, mittlerweile widerrufenen Geständnis offengelegt, dass er über zahlreiche Waffen verfügt - neben der Tatwaffe auch über eine Pumpgun und eine Maschinenpistole vom Typ Uzi samt Munition. Er nannte Details, wie er sich diese angeblich über zwei Verkäufer beschafft habe und offenbarte Verstecke. Das Gros der insgesamt 46 beschlagnahmten Waffen fanden Ermittler in einem Erdloch auf dem Gelände seines Arbeitgebers. Die Tatwaffe will E. 2016 gekauft haben.

Quelle: ntv.de, joh/RND