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Die Beschwerden von Soldaten über Missstände bei der Bundeswehr hatten 2013 einen neuen Höchststand erreicht.
Die Beschwerden von Soldaten über Missstände bei der Bundeswehr hatten 2013 einen neuen Höchststand erreicht.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 12. Januar 2014

Immer mehr Soldaten wollen in den Vorruhestand : Stellen reichen bei Weitem nicht aus

Immer mehr Altgediente haben die Nase voll und wollen die Bundeswehr vorzeitig verlassen. So bewerben sich auf rund 2000 Vorruhestandsstellen fast 6000 Soldaten. Ein Grund dafür könnte die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der Truppe sein.

Immer mehr Soldaten wollen früher in den Ruhestand treten. Das geht aus einer internen Statistik des Verteidigungsministeriums hervor, aus der die "Bild"-Zeitung zitiert. Danach haben sich fast 6000 Unteroffiziere und Offiziere auf 2170 Vorruhestandsstellen beworben, die in der Bundeswehrreform eingeplant sind. 2000 Anträge mussten demnach bislang abgelehnt werden, 1700 wurden gebilligt, 1900 seien noch nicht entschieden.

Im Jahr 2013 hatten die Beschwerden von Soldaten über Missstände bei der Bundeswehr einen Höchststand erreicht. Bis zum 23. Dezember waren Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus 5061 Beschwerden eingegangen und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Gemessen an der Zahl der Soldaten war das der höchste Stand seit Beginn der Erfassung 1959. Königshaus führt die Unzufriedenheit unter anderem auf die Bundeswehrreform zurück. Die sehr ehrgeizige Planung und das hohe Tempo bei Grundsatzentscheidungen hätten dazu geführt, dass die individuellen Bedürfnisse der Soldaten zu wenig berücksichtigt worden seien. "Es geht auch nicht nur um Kommunikationsmängel. Es sind die Inhalte selbst, die zumeist Anlass der Verärgerung sind."

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, registriert den Trend mit "Besorgnis". Es sei gut, dass die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die enorme Herausforderung annehmen und die Bundeswehr jetzt zu einem modernen, familienfreundlichen Arbeitgeber machen wolle. "Nur so kann sie die Bundeswehr ins Zeitalter der Freiwilligenarmee führen", sagte Wüstner der Zeitung.

Von der Leyen hatte am Wochenende angekündigt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei der Bundeswehr stärken zu wollen. Nach dem Willen der Ministerin sollen Soldaten künftig etwa ganz selbstverständlich Teilzeit und Elternzeit nutzen können. Als erste Maßnahme plant sie den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen. Auch die häufigen Versetzungen der Soldaten will von der Leyen auf das Notwendige begrenzen: "Karriere bei der Bundeswehr darf im Regelfall nicht bedeuten: Immer im Dienst und alle paar Jahre ein Umzug", sagte die Ministerin.

Quelle: n-tv.de