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Waffenexperten zu Ukraine-Krieg Studie: Artilleriebeschuss kam aus Russland

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Prorussische Separatisten Anfang Juli 2014 in Luhansk.

(Foto: dpa)

Wie sehr ist Moskau in den Ukraine-Krieg verstrickt? Immer wieder gibt es Vorwürfe, Russland selbst weist diese stets zurück. Britische Waffenexperten sehen nun klare Beweise dafür, dass die Ukraine im Sommer massiv von russischem Territorium aus beschossen wurde.

Ein Bericht der Waffenrecherche-Website Bellingcat legt den Verdacht nahe, dass Russland im Ukraine-Krieg aktiv mitmischt. Laut der Studie von britischen Waffenexperten und Journalisten sollen im vergangenen Sommer zahlreiche Artillerie-Angriffe von russischer Seite aus geführt worden sein.

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Dieses Bild zeigt den Waffenexperten zufolge die untersuchten Einschusskrater im Osten der Ukraine.

(Foto: Bellingcat)

Das Bellingcat-Team um den britischen Waffenblogger Eliot Higgins stützt sich bei seiner Recherche auf Google-Earth-Satellitenaufnahmen, Videos und Bilder in sozialen Netzwerken sowie Berichte örtlicher Journalisten. Dabei untersuchten die Rechercheure Hunderte Einschlaglöcher in der Ukraine und versuchten, die Abschusspositionen der Artillerie auszumachen. Ihr Ergebnis: Bis auf eine Ausnahme befanden sich die Abschusspositionen auf russischem Staatsgebiet.

An den Abschussorten waren auf Satellitenbildern auch Brandflecken und Reifenspuren zu sehen. Dem Bericht zufolge gab es aber keine Spuren, die über die Grenze in die Ukraine führten - dies könnte ein Beleg dafür sein, dass das Feuer nicht von Separatisten ausging, die von der Ukraine über die Grenze nach Russland kamen. Aus verschiedenen Videos sei ersichtlich, dass zahlreiche Artillerie nahe der russischen Stadt Gukowo abgeschossen wurde.

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Zu dem Zeitpunkt, den Higgins und sein Team untersuchte, befanden sich die ukrainischen Soldaten auf dem Vormarsch. Für die prorussischen Separatisten sah es schlecht aus, eine Kapitulation schien kurz bevorzustehen. Doch durch den massiven Artilleriebeschuss Ende Juli und Anfang August änderte sich schlagartig die Lage, innerhalb kürzester Zeit rückten die Separatisten vor und nahmen weite Teile der Region um Donezk und Luhansk ein.

Laut der britischen Zeitung "Guardian" bezweifelt ein unabhängiger Militärforensiker, dass die Satellitenbilder wissenschaftliche Aussagen ermöglichen. Allerdings seien die Aufnahmen der Abschusspositionen durchaus überzeugend und führten zu vielen Fragen.

Moskau weist jede Beteiligung zurück

Die russische Seite hat bislang jede Beteiligung am Krieg in der Ukraine bestritten. Dieser werde nur von lokalen Aufständischen geführt, hieß es stets. Allerdings gibt es immer wieder Berichte, dass die Separatisten von russischer Seite unterstützt werden und dass auch russische Soldaten in der Ukraine kämpfen.

Der Blogger Higgins gründete vor einem Jahr die Website Bellingcat, die sich per Crowdfunding finanziert. Higgins wurde bereits durch Berichte zum Syrien-Krieg bekannt, als er geheime Waffenlieferungen aufdeckte und den Chemiewaffenangriff von Thuta rekonstruierte.

In einem vorherigen Bericht zur Ukraine untersuchte Bellingcat auch den Abschuss des Passagierflugzeugs. Der Webseite zufolge gibt es auch Beweise, dass MH-17 von einem aus Russland in die Ostukraine verlegten Raketentransporter abgeschossen wurde.

Quelle: n-tv.de, ghö

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