Politik

Türkei behält sich "entschlossene Reaktion" vor Syrer schossen Kampfjet ab

Im Nahen Osten brauen sich im Syrien-Konflikt weitere dunkle Wolken zusammen. Die syrische Luftabwehr schießt ein türkisches Kampfflugzeug vor der Küste ab. Was hat die Maschine dort gesucht, wie wird Ankara reagieren? Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind gespannt.

Die gespannten Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei drohen sich weiter zu verschlechtern: Das syrische Militär bestätigte, dass ein türkisches Kampfflugzeug vor der Küste über dem Meer abgeschossen wurde. Die Maschine sei in syrischen Luftraum eingedrungen, hieß es. Türkische und syrische Marineeinheiten suchten inzwischen gemeinsam nach den beiden vermissten Besatzungsmitgliedern des Jets vom veralteten Typ F4-Phantom. Ankara behielt sich eine "entschlossene Reaktion" auf den Zwischenfall vor.

Nach Darstellung eines Militärsprechers in Damaskus war ein "unbekanntes Flugziel" mit hoher Geschwindigkeit und in niedriger Flughöhe in den syrischen Luftraum eingedrungen, wie die Staatsagentur Sana berichtete. "Daher hat die syrische Luftabwehr mit Flugabwehrgeschützen das Feuer eröffnet und das Ziel in einem Kilometer Entfernung von der Küste getroffen." Die Maschine sei schließlich westlich der Ortschaft Om al-Tuyur in der Provinz Latakia in das Meer gestürzt.

Erst später habe sich herausgestellt, so der Militärsprecher, dass es sich bei der abgeschossenen Maschine um ein türkisches Militärflugzeug handelt. Mit dem Eindringling sei so verfahren worden, "wie es die Gesetze für solche Situationen vorsehen", sagte der Militärsprecher zum Abschuss. Marineeinheiten beider Länder hätten inzwischen Kontakt aufgenommen und suchten gemeinsam nach den beiden Besatzungsmitgliedern des Jets.

Krisensitzung in Ankara

Schon kurz zuvor hatte die Türkei offiziell bestätigt, dass ein türkisches F4-Kampfflugzeug über dem Mittelmeer von Syrien abgeschossen wurde. Das wurde nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Leitung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Anlara mitgeteilt. Das in Malatya gestartete Flugzeug war am Freitagmittag vom Radarschirm verschwunden. Sobald die Umstände des Vorfalls geklärt seien, würden die notwendigen Schritte unternommen und eine "endgültige Position bezogen", hieß es.

Zuvor hatte Erdogan Berichte der türkischen Zeitung "Hürriyet" zurückgewiesen, wonach sich Damaskus wegen des Flugzeugs bei ihm entschuldigt habe. "Ich habe keine solche Information erhalten", sagte er. Fragen, warum der türkische Jet so nahe an der syrischen Küste unterwegs war, beantwortete er nicht.

Seit Beginn der brutalen Niederschlagung der Proteste in Syrien hat sich die Türkei von ihrem früheren politischen und wirtschaftlichen Verbündeten in der Region losgesagt. Die Türkei ließ tausende syrische Flüchtlinge über die Grenze und brachte sie in Lagern unter.

Nach dem Beschuss türkischen Bodens durch die syrische Armee im April, durch den mehrere Syrer und zwei Türken getötet wurden, hatte Ankara gewarnt, die Türkei könnte sich in einem solchen Fall auf Artikel 5 des NATO-Vertrags berufen. Artikel 5 bezieht sich auf den sogenannten Bündnisfall, bei dem ein Angriff auf einen NATO-Staat als Angriff auf das gesamte Bündnis angesehen wird und daher von allen Mitgliedern vergolten werden kann.

Seit Beginn der Proteste gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad im März 2011 wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bereits mehr als 15.000 Menschen getötet. . Am Freitag wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle weitere 96 Menschen getötet. Tausende Menschen gingen in zahlreichen Städten des Landes trotz eines massiven Einsatzes der Sicherheitskräfte gegen Assad auf die Straße.

Quelle: ntv.de, wne/dpa/AFP