Politik

Nusra-Front kündigt Rache gegen Isis-Gruppe an Dschihadisten drohen Dschihadisten

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Kämpfer der Nusra-Front partoullieren durch die Stadt Deir ez-Zor.

(Foto: REUTERS)

Die Konkurrenz zwischen den islamistischen Kämpfern im Syrienkrieg nimmt immer bizarrere Formen an. Im Streit darum, welcher Al-Kaida-Ableger in Syrien kämpfen soll und welcher nicht, schaltet sich die oberste Terrorkommandozentrale ein.

Die Dschihadisten in Syrien bekämpfen sich offenbar immer mehr gegenseitig. Jüngstes Indiz für die Eskalation zwischen den rivalisierenden Terrorgruppen ist eine via Al-Dschasira ausgestrahlte Rachedrohung an die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis). Der Anführer der Al-Nusra-Front, Abu Mohammed al-Dschaulani, reagierte damit auf den Anschlag auf einen Stützpunkt in der Provinz Aleppo am vergangenen Sonntag. Bei dem Anschlag war der Al-Kaida-Gesandte Abu Chalid al-Suri getötet worden. Er war angeblich in die syrische Provinz geschickt worden, um in dem Konflikt zwischen Isis und den anderen islamistischen Gruppen zu vermitteln.

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In der nordsyrischen Provinz Idlib haben andere Islamistengruppen den Isis inzwischen wieder vertrieben.

(Foto: REUTERS)

Isis und wie auch die Nusra-Front sind ursprünglich Ableger von Al-Kaida. Isis war jedoch lange hauptsächlich im Irak aktiv, bis immer mehr Dschihadisten über die Grenze nach Syrien wanderten, um im dortigen Bürgerkrieg mitzumischen. Dort haben sie mittlerwe ile eine dritte Front neben den Truppen des Assad-Regimes und dessen Gegnern gebildet. Seither sehen sich die beiden Terrorgruppen in Konkurrenz zueinander. Die Isis-Kämpfer ignorierten auch mehrfach Aufrufe von oberster Al-Kaida-Ebene, sich auf ihr Kampfgebiet im westlichen Irak zu beschränken und Syrien zu verlassen. Der ägyptischstämmige Chef von Al-Kaida, Aiman al-Zawahiri, hatte Isis deshalb kürzlich sogar aus dem Terrornetzwerk ausgeschlossen, indem er erklärte, Isis sei "nicht Al-Kaida".

Wohl mit Rückendeckung von ganz oben sagte Nusra-Chef Al-Dschaulani nun in einer Audiobotschaft, die Al-Dschasira ausstrahlte, seine Kämpfer würden Isis in Syrien und im Irak vernichten. Isis ist in Syrien in den vergangenen Wochen stark zurückgedrängt worden. Gleichwohl haben die Kämpfer im Osten des Landes einige Ölquellen in ihren Besitz gebracht. Aus den Einnahmen sind sie laut "Spiegel Online" inzwischen politisch relativ unabhängig geworden. Dieses Pfund könnte ihnen nicht nur jetzt nützen, wo sie das Öl angesichts des grassierenden Treibstoffmangels in Syrien teuer verkaufen können. Auch beim Aushandeln einer Nachkriegsordnung könnten die Ölfelder noch einmal für sie bedeutsam sein.

Isis versucht sich "Markennamen" zu sichern

Im Irak hat sich der Isis trotz seiner Aktivitäten in Syrien noch weit erfolgreicher breitgemacht. Große Teile der westlichen, an Syrien grenzenden Provinz Anbar sind unter der Kontrolle der Formation - ob nun offiziell zu Al-Kaida gehörig oder nicht. Anführer Abu Bakr al-Baghdadi verfolgt hier gemäß dem Namen seiner Terrorabteilung (Islamischer Staat im Irak und Groß-Syrien) große Pläne in Richtung einer Art Kalifatsstaat.

Berichten zufolge gibt es bereits Entwürfe für eigene Banknoten, die in Anbar gefunden wurden. Darauf sollen das Konterfei von Osama bin Laden und die brennenden Türme des World Trade Centers zu sehen sein. Es ist allerdings bisher unklar, ob der Entwurf und ein solches Vorhaben wirklich auf Isis zurückgehen. Sollte das so sein, würde es jedenfalls den Machtanspruch von Isis unterstreichen, der sich damit auch eine Art Patent auf den Markenkern der Al-Kaida sichern würde - den "Märtyrer" Osama bin Laden, 2011 von den Amerikanern in Pakistan getötet, sowie dessen Terror-Meisterwerk der Anschläge von 2001 in New York.

Quelle: ntv.de, mit dpa