Politik

Rebellen in Syrien streiten um "befreite" Gebiete Isis muss weitere Stellungen räumen

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Die Stadt Deir ez-Zor liegt im Nordosten Syriens am Euphrat. Schon seit ungefähr einem Jahr haben hier islamistische Gruppen das Sagen.

(Foto: REUTERS)

Die Isis-Gruppe verliert in Syrien vorerst an Boden. Ex-Gefangene der Dschihadisten erzählen Horror-Geschichten aus ihrer Geiselhaft. Trotz der dramatischen Lage ist die Exil-Opposition uneinig über die Teilnahme an der Genf-II-Konferenz.

Die Kämpfer der totalitär-islamischen Gruppe "Isis" (Islamischer Staat im Irak und in Syrien) werden in Syrien von gegnerischen Rebellengruppen offenbar erfolgreich zurückgedrängt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur, die sich auf eine als unabhängig geltende syrische Nachrichtenwebseite beruft, haben die Dschihadisten ihre Stützpunkte in der nordostsyrischen Stadt Deir ez-Zor kampflos geräumt.

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Das gestürmte Isis-Hauptquartier bot am Mittwoch ein Bild des Schreckens. Geiseln waren zuvor umgebracht worden.

(Foto: REUTERS)

A m Mittwoch war bekannt geworden, dass ein Zusammenschluss oppositioneller Kampfgruppen im nordsyrischen Aleppo das Hauptquartier der Isis-Kämpfer gestürmt hatte. Dort hatten die Dschihadisten Hunderte Geiseln festgehalten. Rund 50 von ihnen hatten sie am Vortag exekutiert, als sich abzeichnete, dass sie überrannt werden würden. Zwei seit November vermisste schwedische Journalisten sollen unter den Geretteten sein.

Die befreiten Geiseln haben inzwischen in verschiedenen Medien und über Youtube-Videos von ihrer Haftzeit berichtet. Die libanesische Zeitung "The Daily Star" zitierte einen Mann mit den Worten, die Misshandlungen durch die Isis-Leute seien "schlimmer als die Luftangriffe des Regimes". Die Assad'sche Luftwaffe hatte Tage zuvor sogenannte Fassbomben über Aleppo abgeworfen, wobei Hunderte Zivilisten grausam zu Tode gekommen waren.

Ringen um die Vorherrschaft

Damit sind die Isis-Kämpfer vorläufig geschwächt im Gerangel verschiedener islamistischer Gruppen, die in Syrien um die Vorherrschaft in den so genannten befreiten Gebiete kämpfen. Befreit ist allerdings ein relativer Begriff. Gemeint ist, dass die Truppen des Noch-Machthabers Baschar al-Assad sich von dort zurückgezogen haben oder in Kämpfen verdrängt worden sind. Das gilt hauptsächlich für die Region im Norden in Richtung der türkischen Grenze sowie die dünn besiedelten Gebiete im Osten.

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Syrien ist völlig kaputt - hier eine Straße in Homs.

(Foto: REUTERS)

Ein starker Gegner der Isis in Syrien ist die " Islamische Front". Sie wird von Saudi-Arabien unterstützt und ist die größte Gruppe von rund 200 islamistischen Formationen, die nicht mit Al-Kaida verlinkt sind. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass rund 100.000 Männer aus Syrien und anderen Staaten für diese Gruppen kämpfen. Isis und die Nusra-Front dagegen unterhalten Verbindungen mit Al-Kaida, sind sich gegenseitig aber nicht grün. Isis ist für absolut rücksichtslose Brutalität berüchtigt und hatte in den vergangenen Wochen Geländegewinne erzielt – auch im Westen des Irak.

Für diesen Freitag hat die moderate syrische Opposition über soziale Netzwerke zu einem "Tag des Zorns gegen Al-Kaida und Baschar al-Assad" aufgerufen. Sie fordert westliche Hilfe im Kampf gegen die Hardcore-Islamisten.

Deutsche Firma entsorgt Reste der Chemiewaffen

Unklar ist weiterhin, ob die moderate syrische Opposition, deren Dachverband und Sprachrohr die "Syrische Nationale Koalition" ist, an der für Ende Januar geplanten Friedenskonferenz in der Schweiz teilnimmt. Die Entscheidung darüber vertagten Vertreter der Koalition auf die kommende Woche. Die größte Gruppe innerhalb der Koalition, der Syrische Nationalrat, hatte bereits vor einigen Tagen die Teilnahme abgesagt.

Streit gibt es auch darüber, ob Vertreter des Iran zu der internationalen Konferenz eingeladen werden sollen. Die USA lehnen dies ab. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte dagegen, man solle versuchen, die Nachbarn zu beteiligen. Iran unterstützt im syrischen Krieg das Regime von Assad.

Steinmeier gab auch bekannt, dass Deutschland sich stärker als bisher an der Vernichtung der syrischen Chemiewaffen beteiligen wird. Die Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten (Geka) in Niedersachsen wird demnach chemische Abfallprodukte weiterverarbeiten, die bei der Chemiewaffenzerstörung anfallen. Dabei handele es sich um mehrere Tonnen der Chemikalie Hydrolysat. Der Stoff entsteht bei der Zersetzung von Senfgas. Die eigentliche Vernichtung der syrischen C-Waffen wird auf Spezialschiffen im Mittelmeer erledigt.

Quelle: n-tv.de

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