Politik

Terrormiliz zahlt gut Tausende Syrer schließen sich IS an

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Anhänger des radikalislamischen IS feiern Ende Juni in der syrischen Provinz Rakka auf erbeuteten Fahrzeugen die Ausrufung eines "Kalifats".

(Foto: REUTERS)

Die Terrormiliz Islamischer Staat feiert Beobachtern zufolge nicht nur militärische Erfolge. In Syrien sollen sich allein seit Juli Tausende Kämpfer den sunnitischen Extremisten angeschlossen haben. Der Grund dafür ist jedoch nicht unbedingt ein religiöser.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verbucht laut Einschätzungen von Aktivisten im Bürgerkriegsland Syrien enormen Zulauf. So sollen sich in den Provinzen Aleppo und Rakka allein seit Juli rund 6300 Kämpfer der extrem gewalttätig vorgehenden sunnitischen Miliz angeschlossen haben, wie Menschenrechtsbeobachter in Syrien sagten. Dabei handele es sich meist um Syrer, erläuterten die Aktivisten.

Neben den militärischen Erfolgen der Dschihadisten im Nachbarland Irak könnte vor allem auch die Bezahlung durch den IS ein ausschlaggebender Grund sein. Laut den Beobachtern bekommt beispielsweise ein syrischer Kämpfer umgerechnet knapp 300 Euro pro Monat, nebst Zuschlägen für die nach muslimischer Vorgabe bis zu vier erlaubten Ehefrauen und die gemeinsamen Kinder.

Ferner bekomme der Kämpfer ein Haus, Benzin und Heizöl zur Verfügung gestellt. Der Syrien-Konflikt hat Schätzungen zufolge seit März 2011 mehr als 170.000 Menschen das Leben gekostet und Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht.

Ex-Minister Fischer für Waffenlieferungen

Angesichts des bisherigen enormen militärischen Erfolgs des IS mehren sich die Stimmen, die sich für eine Bewaffnung von dem IS Einhalt gebietenden Kräften in der Region aussprechen, allen voran der Kurden. Der ehemalige Bundesaußenminister Fischer sagte: "Eine Terrororganisation wie ISIS, die Menschen grausam ermordet und Frauen unterdrückt, kann man weder mit Gebetskreisen noch mit Spruchbändern stoppen. Wir sollten den Kurden vielmehr Waffen liefern, denn wir sind zur Hilfe verpflichtet."

Fischer wies zudem darauf hin, dass ein islamistischer IS-Staat auch die Sicherheit in Deutschland gefährden würde. Die Frage, in welchen Händen solche gelieferten Waffen künftig einmal landen, sei im Moment "zweitrangig", sagte Fischer. Es drohe "vor aller Augen ein Völkermord". Das sei ein "politischer Ausnahmezustand, der manche Regeln außer Kraft setzt". Auch die Bundesregierung schließt Waffenlieferungen, wie sie die USA und andere EU-Staaten bereits durchführen oder planen, seit einigen Tagen nicht mehr aus.

Quelle: ntv.de, bwe/dpa/AFP