Politik

Streit um Identitätspolitik Thierse: Gebt dem "gemeinen Volk" Zeit

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"Ich wünsche mir aufmerksame Lernbereitschaft bei Mehrheiten und unaggressive Erklärbereitschaft bei Minderheiten", sagt Thierse.

(Foto: picture alliance / Flashpic)

Mit einem Beitrag über Identitätspolitik löst SPD-Politiker Thierse eine hitzige Debatte aus. Nun nimmt der Ex-Bundestagspräsident noch einmal Stellung zu seinen Ansichten und schlägt dabei versöhnliche Töne an.

Im Streit um Identitätspolitik ist Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse einen Schritt auf seine Kritiker zugegangen. Im Interview mit dem "Tagesspiegel" sagte der SPD-Politiker zum Thema Gendern: "Ich wünsche mir, dass man dem 'gemeinen Volk' ein bisschen Zeit lässt."

Viele Befürchtungen diskriminierter Gruppen in Deutschland seien zutreffend. "Ich habe nicht gesagt, dass die Gesellschaft schon friedlich wäre", sagte Thierse der Zeitung. Aber: "Wer in einer Demokratie etwas für Minderheiten erreichen will, muss dafür Mehrheiten gewinnen." Das gehe laut Thierse nur unter einer Voraussetzung: "Ich wünsche mir aufmerksame Lernbereitschaft bei Mehrheiten und unaggressive Erklärbereitschaft bei Minderheiten."

Auslöser der Debatte war ein Essay Thierses in der "FAZ" unter dem Titel "Wie viel Identität verträgt die Gesellschaft". In seiner Streitschrift kritisierte er den Anspruch von Minderheiten, aufgrund ihrer Identität selbst zu definieren, was für sie richtig und falsch sei, anstatt darüber offen zu diskutieren.

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Daraufhin war eine hitzige Debatte entbrannt. SPD-Chefin Saskia Esken und Vize Kevin Kühnert distanzierten sich von Thierse. In einer internen E-Mail zeigten sich beide "beschämt" über nicht namentlich genannte SPD-Vertreter, die ein "rückwärtsgewandtes Bild der SPD" zeichneten. Daraufhin brachte Thierse seinen möglichen Parteiaustritt ins Gespräch. Später nahm er davon wieder Abstand.

Unterstützung erhielt Thierse in der Debatte unter anderem von Historiker Peter Brandt. In einem Gastbeitrag in der "FAZ" schrieb der Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, Thierse habe sich um den Zusammenhalt des Gemeinwesens gesorgt und deshalb ein Angebot für einen Minimalkonsens innerhalb der Sozialdemokratie entwickelt. Dass Esken und Kühnert so scharf reagierten, zeige, dass die Parteiführung nicht in der Lage sei, einen Debatten-Konflikt politisch zu managen, so Brandt.

Quelle: ntv.de, jpe

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