Politik

Berliner Ärzte ohne Zweifel Timoschenko simuliert nicht

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(Foto: REUTERS)

Der Gesundheitszustand der in der Ukraine inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko verschlechtert sich weiter. Bereits seit Monaten leidet sie an einem Bandscheibenvorfall - daran haben Ärzte der Charité keinen Zweifel. Die Mediziner drängen darauf, die Ex-Präsidentin in Berlin behandeln zu können.

Ärzte der Berliner Charité haben sich besorgt über den Gesundheitszustand der inhaftierten Politikerin geäußert. Die Ukrainerin habe starke Schmerzen, ihr Zustand habe sich in den vergangenen Wochen und Monaten weiter verschlechtert. Die Ärzte waren am 17. April in der Ukraine um die ehemalige Regierungschefin zu untersuchen. Dabei konnten sie zweifelsfrei einen Bandscheibenvorfall feststellen, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Charité, Karl Max Einhäupl. Der Orthopäde schloss aus, dass Timoschenko ihre Schmerzen, über die sie seit Oktober vergangenen Jahres klagt, nur vortäuscht. "Frau Timoschenko müsste eine Hellseherin sein, wenn sie etwas vorgemacht hätte", so Einhäupl. Denn sie habe bereits ganz deutlich typische Schmerzen für die Art ihres Bandscheibenvorfalls beschrieben, bevor dieser diagnostiziert war.

Der Zustand der Politikerin habe sich seit der letzten Untersuchung im Februar deutlich verschlechtert. Das sei bei einem nicht behandelten Bandscheibenvorfall normal. Die notwendige Rehabilitation würde auch mit der Zeit immer schwieriger. Das größte Problem ist nun Einhäupl zufolge Timoschenkos mangelndes Vertrauen in die ukrainischen Ärzte. Den Berliner Ärzten habe sie von ihren Sorgen berichtet: Ihr Innenminister sei im Gefängnis mit Hepatitis infiziert worden.

Die medizinische Ausstattung in dem Krankenhaus, in das Timoschenko gegen ihren Willen verlegt wurde, sei nicht zu bemängeln, sagte der Neurologe Norbert Haas, der ebenfalls in die Ukraine gereist war. Wie gut die Therapeuten ausgebildet seien, habe man aber wegen sprachlicher Schwierigkeiten in der Kürze der Zeit nicht feststellen können.

Charité-Arzt fordert Ausreiseerlaubnis

Timoschenko berichtete allerdings auch von Drangsalierungen: Demnach durfte sie keinen Rollator benutzen, mit dem sie sich unter geringeren Schmerzen hätte bewegen können. Außerdem habe sie nur sehr unregelmäßig Schmerzmittel bekommen.

Julia Timoschenko befindet sich seit einer Woche im Hungerstreik, womit sie gegen ihre Haftbedingungen protestiert. Die Berliner Ärzte vermuten, dass sie durch ihre Erkrankung und die eingenommen Medikamente vorgeschädigt ist und sich die Folgen des Hungerstreiks früher und heftiger zeigen werden. Innerhalb der nächsten sieben Tage will man eine weitere Untersuchung durchführen.

Charité-Chef Einhäupl rief den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch auf, Timoschenko ausreisen zu lassen, damit diese in der Charité oder einem anderen Krankenhaus in Europa behandelt werden könne. Dass eine Behandlung vor Ort von Charité-Ärzten ausreichend möglich sei, bezweifelte Einhäupl. Ukrainische Diplomaten hätten aber angedeutet, wenn der Wille da sei, könne man schnell Gesetze schaffen, auf deren Basis Timoschenko ausreisen könne. Zu einer Behandlung in Berlin halte man sich bereit.

Unterdessen versuchen deutsche Politiker weiter, entsprechend auszuüben. "Es kann hier kein Spiel auf Zeit geben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Quelle: ntv.de, che

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