Politik

Heftige Kämpfe im Libanon Türkei plant "Sicherheitsmauer" zu Syrien

An einem kleinen Teil der Grenze zwischen der Türkei und Syrien plant Ankara eine "Sicherheitsmauer". Diese soll Übergriffe auf die Türkei verhindern. Doch auch der Libanon ist zunehmend vom syrischen Bürgerkrieg betroffen. Vor allem das Eingreifen der Hisbollah bereitet dem Westen Sorgen.

Die Türkei will auf einem kleinen Abschnitt ihrer langen Grenze mit Syrien eine "Sicherheitsmauer" errichten. Wie der Minister für Handel und Zoll, Hayati Yazici, mitteilte, soll die zweieinhalb Kilometer lange Mauer nahe dem Grenzposten Cilvegözü in der südlichen Provinz Hatay entstehen. Dieser liegt dem syrischen Grenzdorf Bab al-Hawa gegenüber. Die Mauer, Überwachungskameras und Stacheldraht sollten Versuche verhindern, von Syrien aus in die Türkei einzudringen, sagte Yazici im türkischen Fernsehsender NTV.

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In diesem palästinensischen Flüchtlingslager im Süden von Damaskus lieferten sich Rebellen und Assad-Truppen Kämpfe.

(Foto: AP)

Im Februar hatte es bei einem von Ankara der syrischen Regierung zugeschriebenen Sprengstoffattentat in Cilvegözü 17 Tote und 30 Verletzte gegeben. Am 11. Mai wurden in der grenznahen Kleinstadt Reyhanli bei einem Doppelanschlag mit Autobomben 51 Menschen getötet. Zwölf Türken wurden festgenommen. Nach Überzeugung der Behörden standen sie in Verbindung mit dem syrischen Geheimdienst. Damaskus bestreitet dies.

Ankara unterstützt die bewaffneten Rebellen in ihrem Kampf gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Etwa 400.000 Menschen flohen mittlerweile vor dem Bürgerkrieg in Syrien in die benachbarte Türkei. Rund die Hälfte von ihnen lebt in Flüchtlingslagern entlang der Grenze.

Das Europaparlament rief derweil die internationale Gemeinschaft auf, die Nachbarländer Syriens bei der Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen "großzügig" zu unterstützen. Jordanien, der Libanon, Irak und die Türkei seien angesichts der mittlerweile 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge an einem "gefährlichen Punkt der Sättigung" angekommen, warnte das Straßburger Parlament in einer Entschließung. Diese Situation könne zu einer "beispiellosen Destabilisierung" der gesamten Region führen. Die EU müsse sich für die Einrichtung von Sicherheitszonen an der türkisch-syrischen Grenze und soweit möglich auch innerhalb Syriens einsetzen, forderte das Parlament weiter.

Heftige Kämpfe im Libanon

Der syrische Bürgerkrieg reißt jedoch auch das Nachbarland Libanon immer tiefer in eine Spirale der Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen. In Tripoli lieferten sich sunnitische Gegner und schiitisch-stämmige Anhänger Assads erneut heftige Kämpfe - teils mit schweren Waffen wie Granatwerfern. Fünf Menschen wurden Ärzten zufolge getötet und mehr als 50 verletzt.

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In Tripoli liefern sich Gegner und Anhänger Assads heftige Kämpfe.

(Foto: AP)

Seit Sonntag starben damit mindestens 18 Menschen, mehr als 170 wurden verletzt. Bewohner der Hafenstadt sprachen von den schwersten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Seiten seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011. Die Gewalt flammte bereits am Wochenende auf - nahezu parallel zum Eingreifen der libanesischen Hisbollah-Miliz an der Seite der Assad-Truppen in Syrien.

Auch die internationale Gemeinschaft gerät durch den Einsatz der vom Iran unterstützten, israelfeindlichen Hisbollah zunehmend unter Zugzwang, fürchtet sie doch einen Flächenbrand mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Region. Die "Freunde Syriens", der mehrere westliche und arabische Staaten angehören, forderten denn auch nach ihrem Treffen in Amman den sofortigen Rückzug der Miliz. Ihre Präsenz in Syrien bedrohe die regionale Stabilität. Man werde zudem "alle anderen notwendigen Schritte" unternehmen, bis eine Übergangsregierung stehe, drohte die Kontaktgruppe, ohne jedoch ins Detail zu gehen.

Frankreich und Großbritannien bekräftigten bei dem Treffen in Amman zudem, dass sie auf eine Lockerung des EU-Waffenembargos hinarbeiteten, um die bewaffnete Opposition gegen Assad zu stärken. Deutschland äußerte dagegen "große Skepsis", ob Waffenlieferungen an Rebellen das Blutvergießen stoppen. Wichtig sei, dass Syriens enger Partner Russland Druck auf Damaskus ausübe, um die humanitäre Katastrophe zu beenden, sagte Christian Schmidt, Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, bei einer Sicherheitskonferenz in Moskau. Er begrüßte die von Russland und den USA geplante Syrien-Konferenz, an der Assad beteiligt sein müsse.

Kampf zwischen Sunniten und Schiiten

Russland, Verbündeter und Waffenlieferant Assads, warnte den Westen erneut vor einer möglichen Bewaffnung der Rebellen. Das Unterstützen "radikaler Kräfte" werde die Region destabilisieren und könne zum Zerfall Syriens führen, sagte der Chef des Militärgeheimdienstes GRU, Igor Sergun.

Die Hisbollah unterstützt die Assad-Truppen beim Versuch, die strategisch wichtige Stadt Kusair zurückzuerobern. Derzeit wird sie von Rebellen kontrolliert, die damit die Versorgungsroute zwischen dem Libanon und der syrischen Hauptstadt Damaskus unterbrochen haben. Die radikale Schiiten-Miliz sieht Assad als wichtigen Verbündeten und Teil einer "Achse des Widerstands", mit der sie ihre anti-israelische Allianz mit der syrischen und der iranischen Regierung beschreibt.

Die Rebellen ihrerseits sehen die Schlacht um Kusair vor allem als potenziell entscheidende Wegmarke im Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten. Während es sich bei den Rebellen vor allem um Sunniten handelt, sind die Hisbollah-Mitglieder Schiiten. Assad wiederum gehört zur Volksgruppe der Alawiten, die aus den Schiiten hervorgegangen sind. "Kusair wird den Kampf in der Provinz Homs vollkommen verändern, und zwar von einer Revolution in einen großen Sturmangriff auf Alawiten und Schiiten, wo auch immer sie sind", sagte ein Rebellen-Kämpfer in einem Gespräch mit Reuters. "Das ist es, was auf dem Spiel steht. Und alle Seiten in diesem Konflikt wissen das."

Quelle: ntv.de, AFP/rts/dpa