Politik
Brunson darf in die USA ausreisen.
Brunson darf in die USA ausreisen.(Foto: AP)
Freitag, 12. Oktober 2018

Dreijährige Haftstrafe: Türkei setzte US-Pastor auf freien Fuß

Der Fall hat die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei schwer belastet. Nun verurteilte ein Gericht den evangelikalen US-Pfarrers und lässt ihn anschließend frei. Ein US-Medium hatte zuvor von einer Abmachung zwischen beiden Staaten berichtet.

Der in der Türkei seit zwei Jahren festgesetzte US-Geistliche Andrew Brunson kommt frei. Ein Gericht ordnet die Aufhebung des Hausarrestes des evangelikalen Pfarrers sowie der Ausreisesperre an. Allerdings verhängte das Gericht in Aliaga bei Izmir auch eine Haftstrafe von drei Jahren und eineinhalb Monaten für die Unterstützung einer Terrororganisation. Wegen der abgeleisteten Untersuchungshaft und seines guten Verhaltens während des Verfahrens wurde Brunson jedoch freigelassen. Brunsons Anwalt sagte, dass er erwarte, dass sein Anwalt noch im Laufe des Freitagabends ausreisen dürfe. Der Fall hatte die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei schwer belastet.

Damit blieb das Gericht deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde hatte zwar auch die Freilassung und Aufhebung der Ausreisesperre verlangt. Zugleich aber auch eine zehnjährige Haftstrafe wegen Unterstützung von Terrorgruppen sowie Spionage gefordert, wie die Nachrichtenagentur DHA und CNN Türk meldeten.

Zuvor waren während des international mit Spannung verfolgten Gerichtstermins zentrale Zeugenaussagen in sich zusammengefallen. Wie die Zeitung "Hürriyet" berichtete, zogen insgesamt drei Zeugen Aussagen zurück. Ein Zeuge zum Beispiel zog die Behauptung zurück, dass ein syrisches Mitglied von Brunsons Kirchengemeinde Bomben für Terrorangriffe gebaut habe.

Deal zwischen Washington und Ankara?

Die USA hatten wegen des Streits um Brunson Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verhängt. Die türkische Lira brach daraufhin auf historische Tiefstände ein, die Währungskrise dauert auch Wochen später noch an. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf den USA daraufhin vor, einen Wirtschaftskrieg gegen sein Land zu führen. Er drohte mit einer wirtschaftlichen und politischen Abkehr vom Westen und kündigt eine stärkere Hinwendung zu Russland und China an. Auf die Entscheidung des Gerichts reagierte die Lira sofort mit einem Ausschlag nach oben.

Am Vortag hatte der US-Sender NBC unter Berufung auf hochrangige Regierungsvertreter von einer "geheimen Vereinbarung" berichtet, die den Weg für die Rückkehr Brunsons in die USA ebne. So sollen bei der Gerichtsverhandlung bestimmte Vorwürfe gegen den Geistlichen fallengelassen werden. Insider sagten zudem, der Deal dass beinhalte zudem eine Zusage der USA, wirtschaftlichen Druck von der Türkei zu nehmen. Die Türkei befindet sich derzeit in einer schweren Wirtschaftskrise.

Der 50-Jährige Brunson lebt seit mehr als 20 Jahren in der Türkei. Er war Pastor an einer evangelikalen Kirche in der Küstenmetropole Izmir, als er wenige Monate nach dem Putschversuch vom Juli 2016 in der Türkei festgenommen und dann im Dezember des selben Jahres in Untersuchungshaft genommen wurde. Ende Juli wurde er wegen Gesundheitsproblemen in den Hausarrest entlassen. Konkret wurde dem US-Pastor Unterstützung der PKK und der Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen, den die türkische Führung für den Putschversuch verantwortlich macht. Die Staatsanwaltschaft warf Brunson zudem Spionage vor und hatte zunächst bis zu 35 Jahre Haft für ihn gefordert.

Quelle: n-tv.de