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Wo der IS verwundbar ist US-Militär greift Tanklaster an

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(Foto: DoD / Senior Airman Sierra Dopfel)

Im Kampf gegen den "Islamischen Staat" leitet die US-Luftwaffe eine neue Phase ein: Erstmals nehmen niedrig fliegende Kampfflugzeuge die Ölindustrie der Dschihadisten ins Visier. Die Risiken für Piloten und Anwohner treten in den Hintergrund.

Die Vereinigten Staaten haben die Luftangriffe auf Stellungen des "Islamischen Staates" (IS) zu Wochenbeginn ausgeweitet. Kurz nach den Angriffen französischer Jagdbomber auf Ziele in der Islamisten-Hochburg Rakka seien US-Maschinen von der Türkei aus in den syrischen Luftraum vorgedrungen, berichtete die "New York Times".

Zwar sei die Planung dieser Angriffe bereits lange vor den Anschlägen von Paris ausgearbeitet worden, heißt es aus dem Pentagon. Dennoch eröffneten sie im Kampf gegen den IS eine neue Dimension. Um den Druck auf die Finanzierungsquellen der Terrororganisation zu erhöhen, hätten die US-Flugzeuge erstmals gezielt Transportkapazitäten des IS angegriffen.

Fliegende Kanonen

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Flugzeug mit schweren Bordgeschützen: Eine AC-130 der US-Luftwaffe.

Sechs Spezialmaschinen hätten Ziele bei Deir ez-Zur attackiert, teilte das US-Militär mit. Die Stadt liegt rund 120 Kilometer südöstlich von Rakka am Euphrat und zählt zu den wichtigen Rückzugsorten der Dschihadistenmiliz. An dem Angriff waren den Angaben zufolge vier Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 und zwei AC-130 "Gunships" beteiligt. Gemeinsam sollen sie mehr als 100 Tanklaster zerstört haben.

Der Angriff zielt auf eine jener Stellen, an der westliche Geheimdienstexperten den IS für verwundbar halten: Der Öl-Verkauf gilt als wichtigste Einnahmequelle der Islamisten. US-Erkenntnissen zufolge konnte die Terrororganisation damit zuletzt noch etwa 40 Millionen Dollar pro Monat erwirtschaften. Das Geld aus diesen Quellen fließt nicht nur in den Ankauf neuer Waffen. Die Führungsspitze finanziert damit auch Geld- und Sachleistungen, um sich den Rückhalt ihrer Anhänger zu sichern. Insgesamt soll der IS über mehr als 1000 Tankwagen verfügen.

Näher ran an den Boden

Mit dem jüngsten Luftangriff tritt der Kampf gegen den IS in zweierlei Hinsicht in eine neue Phase ein: Erstens zielten die Luftschläge auf eine der Machtgrundlagen des im Entstehen begriffenen Terrorstaats. Und zweitens wagen sich die US-Militärs damit in die Reichweite der bodengebundenen Abwehrwaffen der Islamisten vor.

Bislang stützte sich die Strategie der von den USA geführten Militärallianz in erster Linie auf Luftschläge aus der Distanz: Schnellfliegende Kampfjets wie etwa die F/A-18 "Super Hornet" warfen aus großer Höhe Präzisionsbomben ab, die sogenannte 'harte Ziele' wie etwa Brücken oder Kommandozentralen zerstören sollten. Ferngesteuerte Kampfdrohnen übernahmen Präzisionsangriffe gegen schwerer zu treffende Ziele wie etwa ein einzelnes Fahrzeuge im Fall der IS-Symbolfigur Mohammed Emwazi alias "Jihadi John".

Piloten in Reichweite

Auf diese Weise konnten die US-Militärs das Risiko minimieren, eigene Piloten über vom IS kontrollierten Gebiet zu verlieren. Sollte in einem solchen Fall eine Rettungsaktion notwendig werden, könnten sich die USA schnell in Gefechte am Boden verwickelt sehen.

Die neue Strategie birgt für die Einsatzkräfte größere Gefahren: Die unförmigen Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 sind zwar vergleichsweise stark gegen Beschuss vom Boden gepanzert. Doch um ihre Hauptwaffe, eine Revolverkanone mit panzerbrechenden Geschossen, zur Geltung zu bringen, müssen die Piloten im unteren Luftraum manövrieren.

Bei den "Gunships" wiederum handelt es sich um langsam fliegende viermotorige Kampfplattformen auf Basis des Militärtransporters C-130 "Hercules", die über dem Operationsgebiet kreisen. Mit ihren seitlich aus dem Rumpf ragenden Kanonen können sie jede Bewegung am Boden gezielt unter Feuer nehmen. Die Abläufe bei solchen solchen Angriffe sind für die Besatzungen Routine. Das US-Militär verfügt über reichlich Erfahrungen aus vergleichbaren Einsätzen in Afghanistan.

Bisher, so heißt es bei der "New York Times", hätten die US-Militärs die Flotte an Tanklastern des IS bewusst von ihren Luftangriffen ausgeklammert, um die Zivilbevölkerung nicht zu gefährden. Im Ergebnis sei das Vertriebssystem der Islamisten bislang weitgehend intakt geblieben. Mit der neuen Strategie namens "Tidal Wave II" werfen die US-Strategen ihre Bedenken offenbar über Bord.

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Quelle: n-tv.de, mmo

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