Politik

Anti-Islam-Kundgebung verboten US-Pastor Terry Jones verhaftet

Die von ihm initiierte Verbrennung eines Koran entfachte in Afghanistan heftige Proteste mit mehreren Toten. Nun wird US-Pastor Terry Jones in Michigan verhaftet. Eine von ihm geplante Protestkundgebung gegen das örtliche Islam-Zentrum wird verboten. Erst als Jones eine "Friedens-Kaution" von einem Dollar zahlte, wurde er wieder freigelassen.

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Terry Jones vor Gericht in Dearborn.

(Foto: REUTERS)

Der umstrittene US-Pastor Terry Jones ist am Freitag im US-Bundesstaat Michigan kurzzeitig inhaftiert worden. Ein Gericht in Dearborn bei Detroit hatte zuvor eine geplante Protestkundgebung des Predigers, der mit einer Koranverbrennung tödliche Proteste in Afghanistan ausgelöst hatte, vor einer Moschee in dem Ort verboten. Jones kündigte jedoch an, kommende Woche erneut einen Protest organisieren zu wollen.

Der Richter und die Geschworenen folgten der Argumentation der Polizei, wonach die Aktion von Jones und seinem Assistenten Wayne Sapp in dem stark muslimisch geprägten Ort gewalttätige Reaktionen hervorgerufen hätte. Der Polizei lagen nach eigenen Angaben Informationen über ernstzunehmende Drohungen von Einwohnern Dearborns gegen Jones vor.

Vor Gericht erklärte Jones, dass der Koran "terroristische Aktivitäten auf der ganzen Welt fördert" und pochte auf sein Recht auf Meinungsfreiheit laut dem ersten Zusatzartikel der US-Verfassung. Die Staatsanwaltschaft erklärte daraufhin, der geplante Protest habe nichts mit dem Artikel der Verfassung zu tun, vielmehr würde die Aktion die Sicherheit und Ruhe im Ort gefährden.

Neue Aktion angekündigt

Der Aufforderung des Richters, eine symbolische "Friedens-Kaution" von je einem Dollar zu zahlen, kamen Jones und sein Assistent zunächst nicht nach. Daraufhin wurden sie ins Gefängnis gebracht, wo sie nach Berichten der örtlichen Medien nach einer Stunde ihre Meinung änderten und jeweils ihren Dollar entrichteten. Anschließend kamen die beiden Pfarrer wieder auf freien Fuß.

Laut richterlichem Beschluss ist es den beiden für die nächsten drei Jahre verboten, die Moschee aufzusuchen. Der Zeitung "Detroit Free Press" zufolge kündigte Jones jedoch an, bereits in der kommenden Woche zurückkehren zu wollen, um dort erneut eine Protestaktion zu organisieren.

In Dearborn befindet sich die größte muslimische Gemeinde der USA. Einer Erhebung aus dem Jahr 2000 zufolge sind 30 Prozent der Bevölkerung arabischer Herkunft. Hunderte Einwohner kamen am Freitagabend vor der örtlichen Bibliothek zusammen und erklärten, nicht gegen freie Meinungsäußerung zu sein. Zugleich riefen sie die Bewohner zur Zurückhaltung auf.

"Prozess" gegen den Koran

Jones, Prediger aus der Kleinstadt Gainesville in Florida, hatte erstmals im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als er zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 zu einer öffentlichen Koran-Verbrennung aufgerufen hatte. Erst durch Druck von oben ließ er sich von seinem Plan abbringen. Am 20. März nahmen er und Sapp schließlich in seiner Kirche an einem inszenierten "Prozess" teil, in dem der Koran der Anstiftung zum Terror für "schuldig" befunden und verbrannt wurde.

Die Schändung der Heiligen Schrift des Islam führte mit mehreren Tagen Verspätung zu gewaltsamen Protesten in Afghanistan, bei denen mehr als 20 Menschen ums Leben kamen. Bei einem Angriff auf ein UN-Gebäude in Masar-i-Scharif wurden am 1. April sieben UN-Mitarbeiter getötet.

Quelle: n-tv.de, AFP

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