Politik

Selbstmordattentäter geschändet US-Soldaten posieren mit Leichen

US-Soldaten urinieren auf die Leichen getöteter Aufständischer, Soldaten verbrennen Korane auf einem US-Stützpunkt, ein Marineinfanterist tötet bei einem Massaker 17 Afghanen: Die Beziehung der USA zur afghanischen Regierung gilt auch durch diese Vorfälle als stark belastet. Jetzt tauchen Fotos auf, die die US-Armee eigentlich vertuschen wollte.

US-Soldaten sollen im Jahr 2010 mehrfach Fotos gemacht haben, auf denen sie mit den Überresten von mutmaßlichen Selbstmordattentätern in Afghanistan zu sehen sind. Wie die "Los Angeles Times" berichtete, leitete die US-Armee wegen der Vorfälle eine Untersuchung ein, nachdem sie von der Zeitung mit den Bildern konfrontiert wurde. Die Fotos stammten demnach von einem Soldaten der betroffenen Einheit.

Der erste Vorfall habe sich im Februar 2010 ereignet, als Fallschirmspringer der 82. Luftlande-Division zu einem Stützpunkt der afghanischen Polizei in der Provinz Sabol entsandt worden seien. Dort sollten sie die Überreste eines angeblichen Selbstmordattentäters untersuchen, um seine Identifizierung zu ermöglichen. Stattdessen hätten sie Fotos gemacht, auf denen sie die Überreste des Attentäters hochgehalten hätten oder sich neben sie hinhockten.

Leichen sollten untersucht werden

Einige Monate später habe dieselbe Einheit den Auftrag bekommen, die Leichen von drei Aufständischen zu untersuchen, die sich laut afghanischer Polizei versehentlich selbst in die Luft gesprengt hatten. Zwei US-Soldaten hätten sich dabei für Fotos in Szene gesetzt, bei denen sie die Hände der Toten mit ausgestrecktem Mittelfinger hochhielten. Ein weiterer US-Armeeangehöriger habe eine inoffizielle Plakette der Einheit neben die anderen Leichen gelegt, auf "Zombie Hunter" ("Zombie-Jäger") zu lesen ist, und ein Foto gemacht.

"L.A. Times" sollte nicht berichten

Laut "Los Angeles Times" bat die US-Armee die Zeitung nach Bekanntwerden der Vorfälle, die Fotos nicht zu veröffentlichen, weil sie Empörung und Gewalt bei Muslimen erzeugen könnten. Herausgeber Davan Maharaj erklärte, die Zeitung habe sich aber "nach sorgfältiger Prüfung" entschlossen, "eine kleine, aber repräsentative Auswahl" zu publizieren. Denn die "L.A. Times" sehe sich gegenüber ihren Lesern in der Pflicht, "unparteiisch über alle Aspekte des amerikanischen Einsatzes in Afghanistan zu berichten". Am Mittwoch waren die Fotos aber zunächst nicht auf der Website der Zeitung zu sehen.

Der Bericht kommt in einer Zeit, in der die Beziehungen der USA zur afghanischen Regierung wegen einer Reihe von Vorfällen stark belastet sind. Im Januar hatte ein Video für Empörung gesorgt, auf dem US-Marineinfanteristen zu sehen sind, wie sie auf die Leichen getöteter Aufständischer urinieren. Mitte Februar hatte die Verbrennung von Koran-Exemplaren auf einem US-Stützpunkt heftige Proteste gegen die Vereinigten Staaten ausgelöst. Im März soll ein US-Soldat bei einem Massaker 17 Menschen in Afghanistan getötet haben, darunter vornehmlich Frauen und Kinder.

Rasmussen will aufklären

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen äußerte: "Ich verurteile diese Fotos und natürlich diese Taten sehr." Die Aufnahmen spiegelten jedoch keinesfalls die "Prinzipien und Werte" des NATO-Einsatzes in Afghanistan wider.

"Ich betrachte dies als einen Einzelfall", fügte Rasmussen hinzu. Der NATO-Generalsekretär kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Es würden die "notwendigen und angemessenen" Schritte folgen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zur ziehen.

Quelle: ntv.de, AFP