US-Wahl

"Ich hoffe, ihr glaubt noch an mich" Obama ruft Spender um Hilfe

Obama telefoniert an seinem Schreibtisch im Weißen Haus.

Obama telefoniert an seinem Schreibtisch im Weißen Haus.

(Foto: REUTERS)

Die finanzielle Situation seiner Wahlkampfkampagne macht Obama offenbar mehr Sorgen als bisher gedacht. In einem Anruf an Großspender bittet er nachdrücklich um Hilfe und warnt vor einer drohenden Niederlage gegen die republikanische Spendenmaschine. Sogar Selbstkritik schwingt mit.

Dass US-Präsident Barack Obama seinem Herausforderer Mitt Romney finanziell unterlegen sein könnte, hat er bereits eingeräumt. Doch wie besorgt er darüber wirklich ist, hat er nicht durchblicken lassen - bis jetzt.

Wie das Nachrichtenportal "Daily Beast" berichtet, warnte Obama kürzlich einige seiner wichtigsten Großspender vor einer möglichen Niederlage im November. In einem Anruf, der "Daily Beast" nach eigenen Angaben vorliegt, wird Obama ungewöhnlich deutlich. "Ich bitte euch darum, das, was ihr mir 2008 gespendet habt, zu wiederholen oder noch zu erhöhen." Die Kampagne hat den Anruf inzwischen bestätigt.

Angst vor rechter Geldlawine

Was sind Super-Pacs?

Die Abkürzung Pac steht für "Political ActionComittee". Hauptzweck dieser Organisationsform ist es, die Beschränkungfür Wahlkampfspenden zu umgehen. Die Super-Pacs dienen allerdings auch dazu, Verantwortlichkeitenfür schmutzige Wahlkämpfe zu verschleiern: So können die Kandidaten dubiose Spotsgegen die Konkurrenz schalten und dabei selbst die Hände in Unschuld waschen.

Formal dürfen diese Komitees sich nicht mit den Kandidaten,die sie unterstützen, absprechen. Tatsächlich aber sind sie deren mächtigeSchattenkämpfer im Wahlkampf. Ihr Geld kommt von Konzernen und wohlhabendenSpendern.

Grund für die Geldsorgen ist ausgerechnet der Oberste Gerichtshof, der Obama kürzlich erst einen großen Sieg im Kampf um seine Gesundheitsreform bescherte. 2010 stellte das Gericht die bisherigen Spendenregeln auf den Kopf: Seither dürfen Konzerne und Organisationen unbegrenzt Geld in den Wahlkampf stecken. Sogenannte "Super Pacs" nehmen das Geld meist anonymer Großspender und betreiben damit eigene Kampagnen.

Davon profitieren nun vor allem Republikaner, allen voran Mitt Romney, dank bester Verbindungen in die Wirtschaft. "Diese Super Pacs werden mehr und mehr Geld für negative Werbung ausgeben als je zuvor", so Obama. So sei es zuvor bereits bei der Gouverneurswahl in Wisconsin gelaufen. Die konservativen Milliardärs-Brüder David und Charles Koch allein hätten "mehr ausgegeben als die gesamte Kampagne auf der anderen Seite - unsere Seite." Ein solches Szenario sei nun auch auf nationaler Ebene möglich, glaubt Obama, zumal die beiden Kochs bereits angekündigt haben, 400 Millionen US-Dollar gegen Obama mobilisieren zu wollen. "

Der schöne Lack ist ab

In dem 18-minütigen Telefonat, das Obama auf einer für den Wahlkampf genehmigten Leitung aus dem Präsidentenflugzeug Air Force One führte, klangen auch selbstkritische Töne durch. Der Zauber von 2008 sei verflogen, so Obama. "Ich bin der Amtsinhaber. Ich bin grau geworden." Viele seiner Anhänger habe er enttäuschen müssen. "Wie sich herausstellt, ist Wandel schwer", erklärt Obama und fügt hinzu: "Ich hoffe, ihr glaubt noch an mich."

Obama war im Mai erstmals von Romney und den Republikanern im Spenden-Rennen geschlagen worden. Für den Juni droht dem Präsidenten ebenfalls eine Niederlage: "Wir sind von Monat zu Monat zurückgefallen", urteilt er über die Entwicklung seiner eigenen Einnahmen.

Romney profitiert von Obamacare

Zumal das Gerichtsurteil über Obamas Gesundheitsreform bei vielen Konservativen gerade die Kassen noch einmal weiter geöffnet hat: In 24 Stunden verdiente Romney über 4 Millionen Dollar.

Obama und die Demokraten verfügen nach Angaben der US-Wahlbehörde über rund 110 Millionen US-Dollar. Romney und die Republikaner kommen zusammen auf rund 39 Millionen. Insgesamt hat Obama über 250 Millionen Dollar an Spenden gesammelt. Romney kommt auf knapp 120 Millionen.

Quelle: n-tv.de

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