US-Wahl

Kritik von allen Seiten vor Fernsehdebatte Romney muss letzte Chance nutzen

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War's das jetzt? Romney wird selbst von konservativer Seite angegriffen.

(Foto: REUTERS)

Seine Äußerungen seien "dumm und arrogant", seine Kampagne eine "rollende Katastrophe": Sogar von konservativer Seite muss der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Romney Prügel einstecken. Nun bleiben ihm noch die Fernsehduelle. Selbst Parteifreunde fordern einen großen und mutigen Auftritt.

Fünf Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl steht der republikanische Kandidat Mitt Romney unter Druck. In Umfragen ist er hinter Präsident Barack Obama zurückgefallen, der Unmut der Konservativen über die wenig fulminante Wahlkampagne des früheren Gouverneurs und Finanzinvestors wächst. Am Mittwochabend treten Romney und Obama in Denver bei der ersten von drei TV-Debatten gegeneinander an. Für den Republikaner ist das von Millionen Wählern verfolgte verbale Kräftemessen wohl die letzte Chance, das Rennen um das Weiße Haus noch zu seinen Gunsten zu wenden.

"Ich denke, was wir brauchen, ist ein großer und mutiger Auftritt", erklärte New Jerseys populärer Gouverneur Chris Christie, der einst selbst als möglicher Republikaner-Kandidat gehandelt worden war, im TV-Sender ABC. In einem Interview mit dem Sender CBS ging er noch weiter und sagte einen "Gassenhauer" voraus. "Am Donnerstagmorgen wird das ganze Rennen auf den Kopf gestellt worden sein", mutmaßte Christie.

In den US-Medien hat sich aber zunehmend die Meinung durchgesetzt, dass Obama trotz der historisch hohen Arbeitslosigkeit auf eine zweite Amtszeit zusteuert. Der Präsident liegt der Webseite realclearpolitics.com zufolge in landesweiten Umfragen im Schnitt vier Prozentpunkte vorne. Ihm werden auch die besseren Chancen eingeräumt, beim Urnengang am 6. November die nötigen 270 Wahlmännerstimmen zu ergattern: In entscheidenden Bundesstaaten wie Ohio und Florida sehen Meinungsforscher den Amtsinhaber in Führung.

"Dumm und arrogant"

Romneys Problemliste ist lang: Die Nominierung des fiskalpolitischen Falken Paul Ryan zum Vize-Kandidaten im Sommer verpuffte, auch der maue Wahlparteitag Ende August erzeugte keine Wechselstimmung. Dazu leistete sich der Kandidat immer wieder Patzer. Vor allem ein heimlich aufgenommenes Video von einem Spendendinner, bei dem Romney fast die Hälfte der Wählerschaft in die Nähe von Sozialschmarotzern rückte, kratzte an seinem Image.

Konservative Kommentatoren gingen mit Romney hart ins Gericht. Der "Weekly Standard" nannte die Äußerungen des Kandidaten "dumm und arrogant", das "Wall Street Journal" beschrieb Romneys Kampagne als "rollende Katastrophe". Das Magazin "National Review" berichtete, Vizekandidat Ryan habe in der vergangenen Woche mit mehreren konservativen Meinungsmachern telefoniert, um dem Eindruck einer scheiternden Kampagne entgegenzuwirken. In einer Talksendung des Nachrichtensenders "Fox News" räumte Ryan ein, dass es einige "Fehltritte" gegeben habe.

Obama konnte dagegen bislang erfolgreich verhindern, dass die Wahl als Referendum über die mäßige wirtschaftliche Bilanz seiner Amtszeit wahrgenommen wird. Möglicherweise droht Obama aber ein politisches Nachspiel wegen der tödlichen Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi am 11. September. Die Republikaner werfen dem Präsidenten vor, zunächst bewusst verschwiegen zu haben, dass es sich dabei um einen Terroranschlag gehandelt habe.

Kandidaten haben Sparringspartner

Obamas Regierung hatte die Attacke, bei der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter getötet wurden, zunächst mit den antiamerikanischen Protesten in muslimischen Ländern gegen das in den USA produzierte Mohammed-Schmähvideo in Verbindung gebracht. Später änderte das Weiße Haus seine Version und sprach von einem terroristischen Hintergrund. Der Präsident habe verschleiern wollen, dass Al-Kaida ausgerechnet am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2011 ein Angriff gegen die USA gelungen sei, schallt es nun aus Romneys Lager.

Bei der Debatte am Mittwoch geht es allerdings nur um innenpolitische Themen, die Außenpolitik steht erst Ende Oktober auf dem Programm. Auf ihr erstes Rededuell an der Universität Denver in Colorado haben sich Obama und Romney minutiös vorbereitet: Der Präsident trainierte mit dem Senator und früheren demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry für die Debatten. Romney hat sich als Sparringspartner Senator Rob Portman aus Ohio ausgewählt, der auch mit dem Kandidaten nach Colorado reisen sollte.

Quelle: n-tv.de, AFP

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