US-Wahl

Vorletzter Akt in Tampa Romneys Vize wirft Obama Versagen vor

Attacken gegen Präsident Obama, das Hohelied des schmalen Staates und ein Aufruf zur Geschlossenheit: Mit einer kämpferischen Rede nimmt Paul Ryan die Nominierung zum Vize-Kandidaten der Republikaner an. Die Delegierten klatschen begeistert - sogar Newt Gingrich applaudiert.

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(Foto: REUTERS)

Mit einer Rede voller Angriffe gegen US-Präsident Barack Obama hat der republikanische Vizekandidat für die Präsidentschaftswahl, Paul Ryan, seine Nominierung akzeptiert. "Ich nehme den Ruf meiner Generation an, unseren Kindern jenes Amerika zu geben, das uns gegeben wurde", sagte der 42-Jährige vor dem Delegierten des Republikaner-Parteitags in Tampa im Bundesstaat Florida.

Zusammen mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney werde er die wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen. Romney war am Dienstag von den Delegierten per Akklamation zum Kandidaten bestimmt worden. Seine Aufgabe ist es, konservative Wähler zu binden.

"Romney ist der Mann für den Job"

"Amerika braucht eine Kehrtwende, und der Mann für den Job ist Gouverneur Romney", sagte Ryan, den Romney erst vor 18 Tagen als seinen Vize vorgestellt hatte. "Sein ganzes Leben hat ihn auf diesen Moment vorbereitet - sich schweren Herausforderungen in ernster Weise zu stellen, ohne Ausreden und leere Worte." Als Team hätten sie einen "Plan für eine stärkere Mittelschicht". Das Ziel sei die Schaffung von "zwölf Millionen neuen Jobs in den kommenden vier Jahren".

Zunächst sprach Ryan über Romney, erst dann über sich und seine kleinstädtische Herkunft. Einem Redner vom Vorabend, dem Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, war vorgeworfen worden, zu viel über sich und zu wenig über Romney gesprochen zu haben.

"Obamacare bedroht Medicare"

Zentrales Thema der Rede war allerdings nicht Romney, sondern Obama, den Ryan immer wieder namentlich erwähnte, insgesamt 30 Mal. Vor allem warf er ihm Verschwendung und Verantwortungslosigkeit vor. "In den vergangenen vier Jahren hatten wir keinen Mangel an Worten im Weißen Haus. Was fehlt, ist Führung im Weißen Haus", sagte er.

Obamas Konjunkturpaket und die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung - "Obamacare" im Politsprech der Republikaner - seien eine gigantische Geldverschwendung gewesen. Eine Regierung von Romney und Ryan werde die Neuverschuldung der bundesstaatlichen Ausgaben auf 20 Prozent des BIP deckeln.

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(Foto: REUTERS)

Die Politik des Präsidenten bedrohe zudem "Medicare", die staatliche Krankenversicherung, die allerdings nur behinderten und Über-65-Jährigen zur Verfügung steht. "Die größte Bedrohung von Medicare ist Obamacare, und das werden wir beenden", sagte Ryan.

Obama sei ein dahintreibender Präsident, sagte Ryan. Er sei wie ein Schiff, das versuche, "mit dem Wind von gestern zu segeln". Indirekt warf er Obama vor, die Freiheit der US-Amerikaner einzuschränken - ein Lieblingsthema der radikalen Tea Party, der Ryan sehr viel näher steht als Romney. Ohne den Präsidenten namentlich zu erwähnen, sagte Ryan, er wolle kein Land, in dem die Regierung das Leben der Menschen bestimme, er wolle ein Land, in dem die Menschen frei seien, den "American dream" zu verfolgen.

Sogar Gingrich klatscht

Ryan schloss mit dem in den USA üblichen überparteilichen Aufruf zur Geschlossenheit. "Was immer Ihre politische Partei ist, lassen Sie uns für das Wohl unseres Landes zusammenkommen. Unterstützen Sie Mitt Romney und mich. Lassen Sie uns das erledigen."

Zumindest für die republikanischen Delegierten in Tampa war es eine mitreißende Rede. Die Kameras zeigten schließlich sogar Newt Gingrich, wie er seine Hände gemächlich gegeneinander schlug. Im Vorwahlkampf hatte er seinen Konkurrenten noch als Lügner bezeichnet. In Tampa applaudierte er, als Ryan sein Loblied auf Romney sang.

Romney war am Mittwoch zu einem Wahlkampfauftritt in den Bundesstaat Indiana gereist. Dabei lobte er seinen "running mate" Ryan, der im Repräsentantenhaus den Haushaltsausschuss leitet. "Gemeinsam werden wir dieses Land auf den richtigen Weg zurückführen. Wir werden den Aufschwung schaffen, auf den wir warten. Wir werden dafür sorgen, dass Amerika stark, sicher und die Hoffnung der Erde bleibt."

Romney spricht am Donnerstag

Am Dienstag war Romney offiziell von den Delegierten des republikanischen Parteitags zum Kandidaten gekürt worden. Nach einer Rede seiner Frau Ann war er auf der Bühne erschienen, allerdings ohne das Wort zu ergreifen.

Die Tradition verlangt, dass Romney erst zum Höhepunkt der Krönungsmesse spricht, um die Nominierung anzunehmen. "Morgen habe ich das Privileg, mich dem amerikanischen Volk zu erklären", sagte der frühere Gouverneur und Finanzinvestor in Indiana.

Die Demokraten von Präsident Barack Obama halten in der kommenden Woche in Charlotte im Bundesstaat North Carolina ihren Parteitag ab. Die Präsidentschaftswahl findet am 6. November statt.

Quelle: ntv.de, mit AFP