US-Wahl 2020

Ende der Handelskriege? Ein Biden macht noch keinen Sommer

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Unter deutschen Ökonomen und Wirtschaftsführern sind die Hoffnungen und Erwartungen an Joe Biden riesig.

(Foto: imago images/Westend61)

Die Erwartungen an den künftigen US-Präsidenten Joe Biden sind riesig - auch bei deutschen Wirtschaftsführern. Der Ton wird freundlicher werden. Aber schnelle Änderungen gibt es wohl erst einmal nicht. 

Donald Trump ist als US-Präsident Geschichte. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden zieht ins Weiße Haus ein. Auch unter deutschen Ökonomen und Wirtschaftsführern sind die Hoffnungen und Erwartungen an den 46. Präsidenten der USA riesig. Kein Wunder: Mit einem bislang nie gekannten Protektionismus, Handelskriegen und immer neuen Drohungen, Strafzölle auch auf europäische und deutsche Produkte zu verhängen, hatte Trump auch hierzulande Wirtschaftsentscheider immer wieder in eine Schockstarre versetzt.

Kommt jetzt die Entwarnung? Kaum. Auch wenn der Ton unter Biden versöhnlicher werden dürfte - so schnell ändern werden sich die Grundmuster der amerikanischen Politik auch in wirtschaftlichen Belangen wohl vorerst nicht. Auch Biden wird sich bemühen, mehr Arbeitsplätze in den USA zu halten oder dorthin zurückzuholen. Künftig wird weiter mit harten Bandagen gekämpft werden. Die unausgeglichenen Handelsbilanzen Amerikas und Europas sind nach wie vor Fakt. Genauso wie die Tatsache, dass US-Autos in Europa höher besteuert werden als umgekehrt. Die Folge: Einfach wird das Zusammenspiel mit den USA auch in Zukunft nicht.

Der unter Trump immer weiter verschärfte Handelskrieg zwischen den USA und China lässt sich wohl ebenfalls nicht so schnell lösen. Warum auch? Dass mit China ein großer Systemgegner den Wohlstand Amerikas bedroht - dazu herrscht in den USA seit langem überparteilicher Konsens. Gut möglich, dass sich die Globalisierungsbewegung auf zwei Pole aufteilt - USA und China. Bidens Administration wird erwarten, dass sich Deutschland wie Europa auf die Seite der Amerikaner schlagen. Wenn das so kommt, wird es schwierig werden, sich neutral in der Mitte zu platzieren.

Trumps Bilanz nicht ohne Erfolge

Ganz so erfolglos, wie es den Anschein macht, war Trumps Wirtschafts- und Arbeitsbilanz ohnehin nicht. Er senkte die Steuerlast von Unternehmen und Familien und schob so die Konjunktur an. Und selbst Trumps Handelskonflikte richteten weniger Schaden an als zunächst befürchtet. Dann kam Corona. Das schwächte auch die amerikanische Wirtschaft. In der Folge brachen reihenweise auch Deutschlands Exporte in Richtung Nordamerika weg.

Bidens Wahlversprechen, den staatlichen Mindestlohn anzuheben und einen schnellen Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien einzuleiten, wird die Erholung der US-Wirtschaft nach einer überstandenen Pandemie verzögern, vielleicht sogar verhindern. Biden wird versuchen, die US-Wirtschaft zu retten. Dass die Weltwirtschaft, und damit auch die deutsche Wirtschaft, unter ihm schnell besser fährt als mit seinem im Ton aggressiven Vorgänger, ist nicht ausgemacht.

Quelle: ntv.de