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US-Justizminister Jeff Sessions sprach von einer "ernsten Bedrohung" für die Gesellschaft der USA.
US-Justizminister Jeff Sessions sprach von einer "ernsten Bedrohung" für die Gesellschaft der USA.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 04. Oktober 2018

Cyberattacke gegen Doping-Jäger: USA klagen sieben russische Agenten an

Die USA klagen sieben Agenten des russischen Geheimdienstes GRU an - sie sollen für Cyberattacken auf die Doping-Wächter von der Wada verantwortlich sein. Die Reaktion Russlands fällt kühl aus.

Neben Großbritannien und den Niederlanden werfen auch die USA Russland schwerwiegende Cyberattacken vor. Das US-Justizministerium verkündete in Washington eine Anklage gegen sieben Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, sie hätten Informationen internationaler Anti-Doping-Behörden gehackt, vertrauliche Daten gestohlen und diese als Teil einer Desinformationskampagne veröffentlicht - um das Vorgehen der Behörden gegen russische Athleten wegen Doping-Vorwürfen zu unterlaufen. US-Justizminister Jeff Sessions erklärte, staatlich gesteuerte Hacker-Aktionen und Desinformationskampagnen seien eine ernste Bedrohung für die US-Gesellschaft und die Sicherheit des Landes. Dagegen gehe man entschieden vor.

Zuvor hatten Briten und Niederländer schwere Anschuldigungen gegen Russland erhoben. Der Westen wirft Russland in bisher schärfstem Ton vor, hinter vielen großen Hackerangriffen der vergangenen Jahre zu stecken. Dazu gehören auch die Cyberattacken auf den Deutschen Bundestag und das Datennetzwerk des Bundes. Agenten des russischen Militärgeheimdienst GRU seien zudem im April in den Niederlanden bei dem Versuch erwischt worden, sich ins Computernetz der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu hacken.

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Die Enthüllungen aus London, Den Haag und Washington sind die bisher schärfsten Anschuldigungen im Zusammenhang mit mutmaßlich russischen Hackerangriffen. Besonders ausführlich und gut dokumentiert waren die Vorwürfe der Niederländer. Sie veröffentlichten unter anderem Bilder von der Spionageausrüstung sowie Daten von beschlagnahmten Geräten. Nach Angaben der Ermittler wollten die GRU-Agenten im April ins WLAN-Netz der OPCW eindringen. Die Organisation untersuchte damals Chemiewaffen-Angriffe in Syrien sowie die Nervengift-Attacke auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien.

Auch Vorwürfe aus Großbritannien

Aus den Gerätedaten gehe hervor, dass auch Hacker-Attacken in der Schweiz und auf die strafrechtliche Untersuchung zum Abschuss des Passagierfluges MH17 geplant gewesen seien, hieß es. Mit den Angriffen auf die Wada und den Leichtathletikverband IAAF wollten die russischen Hacker nach Darstellung der US-Ermittler von den Vorwürfen eines staatlich Betriebenen Dopings gegen Russland ablenken. Sie hätten aber auch versucht, sich in den US-Atomkonzern Westinghouse zu hacken. Details dazu - etwa, ob die Attacke Erfolg hatte - gab es nicht.

Bereits am Morgen veröffentlichte die britische Cyberabwehr eine Liste von Hackergruppen, hinter denen "so gut wie sicher" der GRU stehe. Darunter ist auch "APT 28", die hinter den Angriffen in Deutschland vermutet wird. Experten gingen bereits davon aus, die offizielle Anschuldigung aus London untermauert nun den Verdacht. Bei dem Angriff auf den Bundestag im Jahr 2015 hatten sich Angreifer so weitreichenden Zugang verschafft, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden musste.

Bei dem im Februar bekannt gewordenen Angriff auf das Datennetzwerk des Bundes hatten Cyberspione unter anderem das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium attackiert. Dabei sollen sie auch Daten erbeutet haben. Das britische National Cyber Security Center fand nach eigenen Angaben heraus, dass der GRU auch für Attacken auf die Demokratische Partei vor den US-Präsidentschaftswahlen 2016, einen Flughafen in der Ukraine sowie eine TV-Station in Großbritannien verantwortlich ist.

Genaue Struktur des GRU unbekannt

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums sprach dagegen von einem "teuflischen Cocktail an Anschuldigungen". Sie stammten von Menschen mit einer "blühenden Fantasie". Eine andere nicht genannte Person des Ministeriums nannte die Vorwürfe "absurd" und erklärte: "Es gab keine Attacke."

Der GRU, der offiziell "Hauptverwaltung der Aufklärung" genannte Geheimdienst, wurde 1918 nach der Revolution von der Sowjetführung ins Leben gerufen. Lange Zeit galt der GRU als Rivale des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Doch seit der Auflösung des KGB ist der GRU die Nummer eins unter den Moskauer Geheimdiensten.

An der Spitze steht seit zwei Jahren Igor Korobow, der auf ein breites Netzwerk an Agenten im Ausland sowie auf eine militärische Eliteeinheit namens Speznas zurückgreifen kann. Korobow und dessen Stellvertreter Sergej Gisunow wurden im September von den USA wegen "bösartiger Aktivitäten" mit Sanktionen belegt. Die genauen Strukturen, Mitarbeiterzahlen und die finanzielle Ausstattung sind streng geheim. Aussagekräftig ist jedoch das Wappen der Spione: eine schwarze Fledermaus, die über einer Weltkugel kreist.

Quelle: n-tv.de