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Abschied von der Netzneutralität USA planen Überholspur im Internet

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Die Grafik zeigt die Vernetzung der Domains net, ca, us (blau), com, org (grün), mil, gov, edu (rot) jp, cn, tw, au (gelb), de, uk, it, pl, fr (rosa) br, kr, nl (türkis) unbekannt (weiß) im Internet.

(Foto: dpa)

Gegen einen Aufpreis können US-Konzerne künftig bestimmte Inhalte schneller durch das Internet jagen. Die Regeländerung bedeutet das Ende der Netzneutralität - auch wenn die USA das anders sehen.

Die USA wollen die Regeln zur sogenannten Netzneutralität ändern und den Weg für bezahlte Überholspuren im Netz freimachen. Nach den Überlegungen der Kommunikationsbehörde FCC sollen Inhalteanbieter die Möglichkeit bekommen, ihre Dienste mit "garantierter Qualität" zum Kunden zu bringen. Das berichten unter anderem das "Wall Street Journal" und die "New York Times".

Künftig können Unternehmen Netzprovider dafür bezahlen, dass sie deren Inhalte wie Videos auf schnelleren Leitungen auf dem Weg zum Kunden übertragen. Die Rede ist von einer Überholspur. Allerdings, so betonte FCC-Chef Tom Wheeler, müsse das Abkommen "kommerziell vernünftig und nachvollziehbar" sein. Auch bedeute die Neuregelung keine grundsätzliche Abkehr von der Netzneutralität, nach der alle Datenpakete im Netz gleich behandelt werden müssen. Wheeler sagte, es werde weiterhin keine Diskriminierung einzelner Inhalte geben.

Für die USA ist der Vorschlag von großer Bedeutung, weil sich dort zahlreiche Anbieter den Markt teilen, um beispielsweise Film- und Fernsehangebote in bester Qualität zum Endverbraucher zu bringen. Die FCC will Mitte Mai über den Vorschlag abstimmen. Bis dahin kann das Vorhaben aber noch geändert werden.  

Kritiker sind empört

Kritiker lehnen es ab, dass sich Anbieter für Internetdienste für Geld einen Vorteil verschaffen können. Sie befürchten, dass kleinere Unternehmen auf der Strecke bleiben. Andere sprechen von einem Eintrittspreis für Innovation im Netz, der eher zu einem Hindernis werden könnte. Der Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates, Gene Sperling, argumentierte, dass sich das Internet ohne Netzneutralität in eine "teure, mautpflichtige Straße" verwandeln könnte. Für Visionäre und innovative Unternehmen wäre dieses Straße dann unzugänglich. Ökonomen argumentieren indes, dass erst ein Preis für die Nutzung von Überholspuren dafür sorgt, dass diese Überholspuren überhaupt gebaut werden.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/rts

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