Politik
Sonntag, 12. September 2010

Auch Wilders am Ground Zero: USA streitet über Islam-Zentrum

Am 9. Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York demonstrieren Tausende Menschen für und gegen das neue Islam-Zentrum nahe des Ground Zero. US-Präsident Obama predigt Toleranz, doch Demonstranten und Prediger schänden den Koran. Und der holländische Rechtspopulist Wilders hetzt.

"Amerika unterstützt alle Glaubensrichtungen": Diskussionen am Ground Zero.
"Amerika unterstützt alle Glaubensrichtungen": Diskussionen am Ground Zero.(Foto: dpa)

Nach dem Ende der Trauerfeiern zu den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 versammelten sich in New York rund 1500 Befürworter des Baus des muslimischen Gemeindezentrums mit Moschee. Später kamen in unmittelbarer Nähe rund 2000 Demonstranten zusammen, um gegen den Bau zu protestieren. An der Demonstration der Moschee-Gegner beteiligte sich auch der niederländische Rechtspopulist und Islamgegner Geert Wilders. "Wir dürfen denen, die uns unterwerfen wollen, nie die Gelegenheit dazu geben", sagte er in einer Ansprache. New York dürfe nicht ein "neues Mekka" werden. Ein massives Polizeiaufgebot sorgte dafür, dass sich beide Gruppen nicht zu nahe kamen.

Verbrannte Koranseiten

Insgesamt verliefen die Kundgebungen friedlich. Allerdings gab es zwei Fälle, bei denen Gegner des geplanten islamischen Kulturzentrums den Koran schändeten: Ein Mann riss Seiten aus einem Koran-Buch und verbrannte sie, ein anderer Mann machte vulgäre Gesten mit herausgetrennten Koran-Seiten. Der Streit schwelt schon seit Wochen. Die Befürworter sehen in dem Islam-Zentrum eine Möglichkeit dafür, dass die Religionsgemeinschaften in der Stadt näher zusammenrücken. Die Gegner meinen, dass mit der Nähe zu Ground Zero das Gedenken an die Anschlagsopfer beschädigt wird.

"Kein neues Mekka": Der holländische Rechtspopulist Geert Wilders in New York.
"Kein neues Mekka": Der holländische Rechtspopulist Geert Wilders in New York.(Foto: REUTERS)

Die ursprünglich vom fundamentalistischen Pastor Terry Jones angekündigte Koran-Verbrennung fand nicht statt. Dem Fernsehsender NBC sagt Jones, die Verbrennung werde auch "niemals" stattfinden. Mit der Aktion wollte die Christengruppe Dove World Outreach Center mit etwa 30 Mitgliedern den Islam als eine "gewaltsame und repressive Religion" entlarven. Die Pläne hatten weltweit für Empörung gesorgt und Befürchtungen vor Racheaktionen gegen US-Soldaten im Ausland geschürt. Am Sitz der evangelikalen Gruppe in Gainesville in Florida versammelten sich zahlreiche Anhänger und Gegner der Aktion. Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz, kontrollierten jedes Fahrzeug, das sich näherte, und hinderten einen Aktivisten daran, einen Koran mit einem Feuerzeug zu entzünden.

"Nicht im Krieg mit dem Islam"

In Washington zerriss indes eine kleine Gruppe von Christen Koran-Seiten vor dem Weißen Haus. Die sechs Christen wollten mit ihrer Aktion nach eigenen Angaben "Unwahrheiten über den Islam" anprangern. So sei es eine Lüge, dass der Islam eine friedliche Religion sei, sagte einer von ihnen. In Nashville im Bundesstaat Tennessee verbrannten evangelikale Prediger zwei Koran-Bücher.

Zuvor wurde in Feierstunden in Washington, New York und Pennsylvania den rund 3000 Todesopfern der Flugzeug-Anschläge gedacht. US-Präsident Barack Obama rief zu Toleranz auf. Er sagte in Washington, die Angreifer von damals hätten versucht, die Amerikaner ihrer Ideale zu berauben: "Sie mögen versuchen, einen Konflikt zwischen den verschiedenen Religionen auszulösen, aber als Amerikaner befinden wir uns nicht im Krieg mit dem Islam und werden es niemals sein."

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Quelle: n-tv.de