Politik

Nach Test von Langstreckenrakete USA und Südkorea proben Angriff auf Norden

Mit einer Militärübung proben Südkorea und die USA einen Angriff auf die "Kommandozentrale des Feindes". Nordkorea spricht derweil davon, das Kräftemessen mit den USA habe seine "Endphase" erreicht.

Als Warnung an die Führung in Pjöngjang haben die USA und Südkorea nach dem jüngsten Raketentest Nordkoreas eine gemeinsamen Militärübung abgehalten. Dabei wurde ein Angriff auf Nordkorea simuliert, wie die Armeeführungen beider Länder mitteilen. Pjöngjang hatte am Dienstag erstmals eine ballistische Interkontinentalrakete getestet. US-Außenminister Rex Tillerson bestätigte die Angaben und sprach von einer "neuen Eskalation der Bedrohung". Die südkoreanische Armeeführung sprach von einer "starken Botschaft der Warnung". Die Übung zeige die "Fähigkeit eines Präzisionsangriffs auf die Kommandozentrale des Feindes".

Mit dem erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete hat Nordkorea nach eigenen Angaben eine entscheidende Stufe im Konflikt mit den USA erreicht: Die am Dienstag abgefeuerte Interkontinentalrakete (ICBM) könne einen "großen und schweren Atomsprengkopf" befördern, hieß es aus Pjöngjang. Das "langwierige Kräftemessen mit den US-Imperialisten hat seine Endphase erreicht", zitierten Staatsmedien den Machthaber Kim Jong Un.

"Geschenk" für die Vereinigten Staaten

Nordkorea habe mit dem Test die Kapazitäten der strategischen Waffen des Landes vervollständigt. Dazu gehörten auch herkömmliche Atombomben und Wasserstoffbomben. Nordkorea werde niemals auf seine Atomwaffen verzichten, sagte Kim. Den USA unterstellte er erneut eine feindselige Politik. Der Test sei als "Geschenk" für die Vereinigten Staaten an deren Unabhängigkeitstag erfolgt.

Südkoreas Verteidigungsminister Han Min Koo sagte laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap vor dem Parlament, dass es sich bei der ICBM wahrscheinlich um eine zweistufige Rakete gehandelt habe. Sie habe vermutlich bei einer normalen Flugbahn eine Reichweite von 7000 bis 8000 Kilometern. Anchorage in Alaska ist 6000 Kilometer von Pjöngjang entfernt, Berlin knapp 8000 Kilometer. Han verurteilte den Test als einen "klaren Verstoß" gegen UN-Resolutionen, die Nordkorea Tests von ballistischen Raketen untersagen. Als Interkontinentalraketen gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 Kilometern. Sie können mit Atomsprengköpfen bewaffnet werden und folgen nach Verlassen der Erdatmosphäre einer ballistischen Flugbahn.

"Neue Eskalation der Bedrohung"

Der Streit um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm gilt als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit. Die USA verurteilten den Raketentest Nordkoreas scharf. Er stelle "eine neue Eskalation der Bedrohung" dar für die Vereinigten Staaten, deren Verbündete und Partner, sowie für die Region und die ganze Welt, teilte das US-Außenministerium mit. Chefdiplomat Rex Tillerson bestätigte in der Mitteilung, dass Nordkorea tatsächlich - wie behauptet - eine ICBM getestet habe.

Die USA würden "härtere Maßnahmen" ergreifen, "um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen", so Tillerson weiter. Auch UN-Generalsekretär António Guterres prangerte den Test als eine weitere "dreiste Verletzung" von UN-Sanktionen und als "gefährliche Eskalation" an.

Quelle: ntv.de, bad/rts/dpa