Politik

Deeskalation im Korea-Konflikt USA verschieben Raketentest

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Der Vandenberg-Luftwaffenstützpunkt liegt zwischen Los Angeles und San Francisco.

(Foto: REUTERS)

Seit Wochen heizt das kommunistische Regime in Pjöngjang mit immer neuen Kriegsdrohungen die Krise auf der koreanischen Halbinsel an. Um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden, sagen die USA nun sogar einen geplanten Raketentest ab.

Angesichts der Spannungen mit Nordkorea haben die USA einen in Kalifornien geplanten Raketentest verschoben. Der eigentlich für die kommende Woche angesetzte Test einer Interkontinentalrakete werde auf kommenden Monat verschoben, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums. Dadurch solle verhindert werden, dass der Test in der derzeitigen angespannten Lage von Nordkorea "missverstanden" werde.

Die Verschiebung des Raketentests sei von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel angeordnet worden, sagte der Ministeriumsvertreter, der anonym bleiben wollte. Eigentlich habe die ballistische Interkontinentalrakete vom Typ Minuteman 3 in der kommenden Woche auf dem Vandenberg-Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Kalifornien getestet werden sollen. Nun werde der Test erst im kommenden Monat stattfinden, einen genauen Termin gebe es noch nicht.

Grund für die Entscheidung Hagels seien Befürchtungen, dass der Test "als Zeichen missverstanden werden könnte, dass wir die gegenwärtige Krise mit Nordkorea verschärfen wollen", sagte der Vertreter des Verteidigungsministeriums. "Wir wollen Fehlinterpretationen oder Manipulationen verhindern."

Lage extrem angespannt

Nordkoreas Militär hatte nach südkoreanischen Angaben am Freitag eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes verlegt. Die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen. Nach japanischen Berichten erwägt das US-Militär angesichts der angespannten Lage die Stationierung einer Aufklärungsdrohne in der Krisenregion. Der unbemannte Flugkörper vom Typ "Global Hawk", der in großer Höhe operieren kann, solle auf einem US-Stützpunkt in Japan stationiert werden, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Schon vor rund drei Wochen ordnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un eine Steigerung der Produktion von Artilleriegeschützen und Granaten an. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap geht dies aus einer am Samstag vom nordkoreanischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentation hervor, die den Diktator Mitte März bei einem Treffen mit Arbeitern der Rüstungsindustrie zeige. "Wenn erst der Krieg ausbricht, müssen wir die Schlüsselpositionen des feindlichen Militärs und die Regierungseinrichtungen mit einem schnellen und überraschenden Schlag zerstören", sagte Kim demnach.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel gilt seit dem dritten Atomtest in Nordkorea im Februar als extrem gespannt. Pjöngjang hatte als Reaktion auf die Ausweitung von UN-Sanktionen und südkoreanisch- amerikanische Militärmanöver den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt und den "Kriegszustand" im Verhältnis zu Südkorea ausgerufen. Seit den 1950er Jahren befinden sich die Nachbarn formell weiter im Krieg. Trotz der Warnungen Nordkoreas vor möglichen Gefahren für ausländische Botschaften bleiben die Diplomaten und ihre Mitarbeiter vorerst in Pjöngjang. Bislang habe kein Land Botschaftspersonal aus dem kommunistischen Land abgezogen, berichtete Yonhap am Samstag. Auch Deutschland belässt seine Diplomaten zunächst in Nordkorea.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa