Politik

Urteile in Ägypten Über 500 Muslimbrüder zum Tode verurteilt

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Anhänger der Muslimbrüder demonstrierten bereits beim Prozessbeginn.

(Foto: REUTERS)

Ihr Verbrechen ist, dass sie Anhänger der Muslimbruderschaft sind und sich an gewaltsamen Protesten beteiligt haben - dafür sollen nun Hunderte Ägypter hingerichtet werden.

Ein ägyptisches Gericht hat 529 Mitglieder der Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt. Das teilte ein Anwalt der Angeklagten mit. Die Anhänger des vom Militär abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi waren unter anderem wegen Mordes angeklagt. 16 seien freigesprochen worden, hieß es. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden. Den Angaben zufolge sind 153 der Verurteilten in Haft, die anderen auf der Flucht.

Von den Angeklagten waren lediglich 123 im Gericht anwesend, der Rest war entweder aus dem Gefängnis entlassen, gegen Kaution auf freiem Fuß oder auf der Flucht. Der Prozess hatte erst am Samstag begonnen. Anwälte warfen schon kurz nach Prozessbeginn dem Gericht vor, Rechte der Verteidigung missachtet zu haben.

Die meisten der Angeklagten waren bei Zusammenstößen in der Provinz Minja im Süden des Landes verhaftet worden, die nach der Zwangsräumung von Protestlagern in der ägyptischen Hauptstadt Kairo am 14. August ausgebrochen waren. Ihnen wurde unter anderem Anstiftung zu Mord, Gewalt, die Erstürmung einer Polizeiwache sowie die Zerstörung von öffentlichem und privatem Eigentum vorgeworfen. Bereits am Dienstag soll das nächste Massenprozess beginnen, bei dem sich unter anderem der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, wegen Anstiftung zum Mord verantworten muss.

Der Prozess ist der größte Prozess gegen Anhänger des im Juli gestürzten Ex-Präsidenten Mursi. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete, war das Verfahren vor einem Gericht in Minja südlich von Kairo zunächst gegen rund 500 Unterstützer des islamistischen Ex-Staatschefs eröffnet worden.

Führungsmitglieder unter Verurteilten

Unter den Verurteilten sind zahlreiche Führungsmitglieder der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft. Sie werden für ihre Teilnahme an gewaltsamen Protesten im Sommer verantwortlich gemacht, unter anderem für den Tod von zwei Polizisten in der Provinz Minja Mitte August sowie für die Zerstörung von Staatseigentum.

Kurz zuvor hatten damals am selben Tag Soldaten und Polizisten gewaltsam zwei Protestlager der Islamisten in Kairo aufgelöst und ein Blutbad angerichtet. Hunderte Menschen starben in den Tagen Mitte August. Mursi war Anfang Juli vom Militär entmachtet worden, seine Anhänger demonstrierten daraufhin energisch für seine Wiedereinsetzung. Mursi steht derzeit selbst vor Gericht.

Quelle: n-tv.de, vpe/rts/AFP

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