Politik

Blutige Racheakte gegen Christen Über hundert Häuser brennen

2013-03-09T191545Z_01_MKZ110_RTRMDNP_3_PAKISTAN.JPG8249384743869469089.jpg

Die Christen in Pakistan leben in ständiger Angst und Bedrohung: Blasphemie kann im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe geahndet werden.

(Foto: REUTERS)

Ein aufgebrachter Mob wütet in der pakistanischen Großstadt Lahore: Über hundert Häuser von Christen werden von der Meute angezündet. Ein Christ soll den Propheten Mohammed beleidigt haben.

In der Großstadt Lahore im Osten Pakistans haben tausende aufgebrachte Muslime mehr als hundert Häuser von Christen in Brand gesetzt. Rund 3000 Muslime beteiligten sich laut Polizeiangaben an den Verwüstungen im christlichen Viertel Joseph Colony. Hintergrund der Ausschreitungen vom Samstag war demnach ein Streit zwischen zwei betrunkenen Freunden, bei dem einer der beiden den Propheten Mohammed beleidigt haben soll.

Der Christ Sawan Masih war am Freitag festgenommen worden, nachdem sein muslimischer Freund Shahid Imran sich über blasphemische Äußerungen Masihs beklagt hatte. Demnach machte der 28-jährige Masih am Mittwoch abfällige Bemerkungen über den Propheten. Viele Christen flohen schon am Freitag vorsorglich, weil sie Racheakte befürchteten.

Mit Schlagstöcken gegen Randalierer

3af04535.jpg7296991755802508505.jpg

Augebrachte Muslime verbrennen Eigentum christlicher Einwohner.

(Foto: dpa)

Die randalierende Menge setzte Möbel, Rikschas, Fahrräder und Motorräder in Brand.  Ein Reporter berichtete von dichten Rauchwolken über dem Wohngebiet mit vorwiegend bescheidenen Zwei-Zimmer-Häusern. Die Polizei vertrieb die Randalierer mit Schlagstöcken. Bei den Auseinandersetzungen wurden 20 Polizisten leicht verletzt, Todesopfer gab es keine.

Mehr als 60 Verdächtige wurden laut Polizei festgenommen. Ein Sprecher der Provinzregierung von Punjab sagte dem Fernsehsender Geo, die Täter würden vor Anti-Terror-Gerichte gestellt. Eine Sprecherin der Polizei von Punjab erklärte, nach den Ausschreitungen seien vier ranghohe Beamte wegen Nachlässigkeit und der Unfähigkeit, den Mob in Schach zu halten, ihrer Ämter enthoben worden.

1500 Euro Entschädigung

Zahlreiche Menschen, die wegen der Brandstiftungen ihre Häuser verloren, verbrachten die Nacht in notdürftig errichteten Zelten. Am Sonntag protestierten sie vor den Ruinen ihrer Häuser. Nach Angaben der Provinzregierung von Punjab erhält jede betroffene Familie umgerechnet rund 1500 Euro Entschädigung, zudem sagten die Behörden zu, für die Reparaturarbeiten der Häuser aufzukommen.

Berichte über Beleidigungen des Propheten führen in Pakistan immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen - unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Menschenrechtsaktivisten beklagen, dass die strikten Blasphemie-Gesetze oft dazu missbraucht würden, persönliche Streitigkeiten auszutragen. Auf Beleidigungen des Propheten Mohammed steht in Pakistan die Todesstrafe.

Für Aufsehen hatte im vergangenen Jahr der Fall der jungen Christin Rimsha gesorgt. Die 14-Jährige war unter dem Vorwurf festgenommen worden, Seiten aus dem Koran verbrannt zu haben. Darauf steht nach dem umstrittenen Blasphemiegesetz bis zu lebenslange Haft. Die Anklage wurde später fallengelassen. Ermittelt wurde dagegen gegen einen Imam wegen des Verdachts, Beweise gegen Rimsha gefälscht zu haben. Seit ihrer Freilassung wohnt Rimsha mit ihrer Familie an einem geheimen Ort unter Polizeischutz.

Quelle: n-tv.de, AFP

Mehr zum Thema