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Größtes Werk in Europa Ukraine warnt vor Raketenabschuss nahe AKW

Das Atomkraftwerk Saporischschja.

Das Atomkraftwerk Saporischschja.

(Foto: Uncredited/AP/dpa)

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Seit Wochen sollen russische Truppen das Kernkraftwerk Saporischschja besetzt halten. Nun schlägt das ukrainische Atomenergieunternehmen Energoatom Alarm: Weil Russland in unmittelbarer Nähe des AKW Raketen abschieße, drohe schlimmstenfalls eine Nuklearkatastrophe.

Das staatliche ukrainische Atomenergieunternehmen Energoatom hat vor einer nuklearen Katastrophe durch die russische Invasion gewarnt. Russische Marschflugkörper hätten in niedriger Höhe Europas größtes Atomkraftwerk Saporischschja in der Südukraine überflogen, teilte das Unternehmen mit. Bei dem russischen Luftangriff sind nach Angaben der örtlichen Behörden ein Geschäftsgebäude in der Stadt Saporischschja getroffen und mindestens eine Person getötet worden.

"Raketen, die in geringer Höhe direkt über dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja abgeworfen werden, wo sich sieben kerntechnische Anlagen mit einer großen Menge an Kernmaterial befinden, stellen ein großes Risiko dar", sagte Petro Kotin, der amtierende Chef von Energoatom. "Schließlich könnten Raketen eine oder mehrere Nuklearanlagen treffen, wodurch eine Strahlungskatastrophe auf der ganzen Welt droht", wird er in einer Erklärung zitiert, die Energoatom über Telegram veröffentlichte.

Energoatom teilte mit, dass die russischen Truppen, die die Anlage seit dem 4. März besetzt halten, schweres Gerät und Munition auf dem Gelände stationiert hätten. Im März war es dort im Zuge der Kampfhandlungen zu einem Brand gekommen. Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke hatte sich zuletzt besorgt über die Sicherheit der ukrainischen Atomkraftwerke gezeigt. Russland habe in Kauf genommen, das Risiko eines AKW-Unfalls "durch militärische Aggression zu erhöhen", sagte die Grünen-Politikerin mit Blick auf die Sicherheit des Atomkraftwerks Saporischschja.

IAEA-Chef in Tschernobyl

Derweil besucht der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, am heutigen Dienstag die Atomruine Tschernobyl in der Ukraine. Grossi wird nach Angaben der UN-Organisation von einem Expertenteam begleitet, das dort unter anderem Strahlungsmessungen vornehmen und Fernüberwachungssysteme reparieren will, die Daten an die IAEA-Zentrale in Wien senden. Grossi war angesichts der durch den russischen Angriffskrieg ausgelösten Sorgen um die Sicherheit der ukrainischen Reaktoren bereits Ende März in die Ukraine gereist.

Im Atomkraftwerk Tschernobyl hatte sich 1986 das schlimmste Atomunglück der Geschichte ereignet. Das Kraftwerk ist seither stillgelegt, ein riesiger Schutzmantel soll den Austritt von Radioaktivität verhindern. Die russischen Streitkräfte hatten am 24. Februar, dem ersten Tag ihres Angriffs auf die Ukraine, die Kontrolle über die Atomruine übernommen. Ende März zogen sie sich von dem Gelände wieder zurück.

Quelle: ntv.de, mbe/dpa/AFP

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