Politik

Wahlkampffinale mit Promis und Familie Um Mitternacht geht Clinton in Führung

Eine Vorentscheidung ist es noch nicht, wenn die acht Wahlberechtigten in Dixville Notch zu nachtschlafener Zeit ihre Stimmen auszählen. Die letzten Umfragen zeichnen ein anderes Bild.

Die erste Entscheidung der US-Präsidentenwahl ist gefallen: Die Demokratin Hillary Clinton hat die Abstimmung in Dixville Notch mit vier zu zwei Stimmen gegen ihren republikanischen Herausforderer Donald Trump gewonnen. In dem Örtchen im Bundesstaat New Hampshire öffnet seit 1960 das Wahllokal bereits um Mitternacht am Wahltag.

In dem Skiort nahe der kanadischen Grenze gibt es nur acht Wahlberechtigte, so dass gleich nach der Stimmabgabe ausgezählt wird. Neben den vier Stimmen für Clinton und zwei für Trump erhielt auch der Kandidat der libertären Partei, Gary Johnson, eine, wie in der Nacht auf einer handgeschriebenen Tafel zu sehen war. Die übrige Stimme ging an den republikanischen Herausforderer von 2012, Mitt Romney, der diesmal gar nicht kandidiert hatte.

Der volle Start in den Wahltag wird ab 06.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr Mitteleuropäische Zeit) folgen, wenn in mehreren Staaten im Ostteil der USA flächendeckend die Wahllokale öffnen.

Clintons Finale mit Lady Gaga

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Zuvor hatten die beiden Kandidaten bis in den Abend auf Großveranstaltungen für sich geworben. Die letzten Auftritte ließen die Unterschiede in Stil und Substanz von Clinton und Trump klar hervortreten. Clinton lud zum Wahlkampffinale mit Prominenz aus Politik und Showgeschäft nach Philadelphia. Dort sprach sie von Versöhnung und vom Willen zur Zusammenarbeit nach dem brutal ausgetragenen Wahlkampf. Trump schlug in seinen Auftritten einen aggressiven Ton an und zeichnete ein düsteres Bild der USA, deren Politik er als durchweg korrupt charakterisierte.

Zu Clintons Finale kamen nach Angaben der Veranstalter rund 40.000 Menschen, es war ihre bislang größte Wahlkampfveranstaltung. Bei der Abstimmung gehe es um eine "klare Wahl", sagte Clinton. "Es geht um die Wahl zwischen Spaltung und Einheit". Vor Clinton hatte sich der scheidende US-Präsident Barack Obama an die Teilnehmer der Kundgebung gewandt. Die Wähler müssten "die Furcht zurückweisen und für die Hoffnung stimmen", sagte Obama.

Umfragen zu knapp für Vorhersagen

Unterstützung bekam Clinton in Philadelphia auch von ihrem Mann, Ex-Präsident Bill Clinton, und Rockstars wie Jon Bon Jovi und Bruce Springsteen. Am späten Abend wollte sie zu einer allerletzten nächtlichen Wahlkampfveranstaltung nach North Carolina fliegen, wo Pop-Superstar Lady Gaga für sie werben wollte.

Der rechtspopulistische Immobilienmilliardär Trump, der noch nie ein politisches Amt innehatte, zeigte sich auch bei seinen letzten Wahlkampfauftritten nicht bereit zur Versöhnung mit seinen Gegnern. In einer Marathon-Tour durch die als wahlentscheidend geltenden Staaten bemühte er sich, den Unmut seiner Anhänger über Missstände in der Politik aufzupeitschen. Mit seiner Wahl kämen "die Jahre des Betrugs" zum Ende, sagte Trump am Montagabend in New Hampshire. "Es ist nun an der Zeit, den Medien und der politischen Elite, die unser Land ausgeblutet haben, eine Abfuhr zu erteilen."

Im Schnitt der jüngsten Erhebungen lag Clinton nach Berechnung der Website "realclearpolitics" landesweit 3,3 Prozentpunkte vor Trump. Damit hatte sich der Vorsprung der Ex-Außenministerin zuletzt wieder ein wenig vergrößert, lag jedoch weiterhin im Bereich der statistischen Fehlermarge, der eine verlässliche Vorhersage nicht ermöglicht.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/AFP