Politik

"Verbrenner-Aus bis 2030" Umweltverbände unterbieten Scheuer um fünf Jahre

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Im Februar wurden gut 18.000 Elektroautos in Deutschland zugelassen, ein Anstieg um 124 Prozent. Ihr Anteil an den Pkw in Deutschland liegt bei 9,4 Prozent.

(Foto: picture alliance / Robert Schlesinger)

Mehrere Umweltverbände fordern ein Aus für Verbrennungsmotoren bis 2030. Verkehrsminister Scheuer hatte kürzlich 2035 ins Spiel gebracht. An synthetischen Kraftstoffen will er festhalten. Umweltverbände und Grüne halten das für Verschwendung.

In einem gemeinsamen Brief an die deutschen Autohersteller Volkswagen, Daimler und BMW fordern mehrere Umweltverbände ein Ende von Autos mit Verbrennungsmotor bis 2030. "Die deutsche Automobilindustrie droht den Anschluss zu verlieren, was sowohl ökologisch als auch ökonomisch dramatische Folgen hätte", schreiben die Verbände.

Es sei "an der Zeit, den Bürgerinnen und Bürgern Europas zu zeigen, dass Sie bereit sind, ein verlässlicher Partner in einer zukunftsfähigen Mobilität zu sein", heißt es weiter in dem Brief (pdf), der unter anderem von Greenpeace, dem NABU, dem BUND, der Deutschen Umwelthilfe und Germanwatch unterzeichnet wurde. "Daher fordern wir Sie auf, in Europa spätestens 2030 keine neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor (einschließlich Hybridfahrzeuge) mehr zu verkaufen." Insbesondere die angekündigten SUV-Modelle seien "ein klimapolitischer Irrweg". Auch synthetischen Kraftstoffen sowie Sprit aus Biomasse sollten die Hersteller eine Absage erteilen.

Die Verbände verweisen darauf, dass 2020 das zweitwärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Temperaturaufzeichnung gewesen sei. Der Verkehrssektor sei für rund 28 Prozent der Treibhausgasemissionen in Europa verantwortlich. Eine Verpflichtung zum Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor würde "ein deutliches Signal an Ihre Zulieferer, Auftragnehmer, den Energiesektor, Finanzinstitutionen und Regierungen" senden. Dies sei für künftige Entscheidungen wichtig.

Scheuer: 2035

Erst am vergangenen Wochenende hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ein Ende des Verbrennungsmotors bis 2035 gefordert, dabei allerdings eine Ausnahme für Modelle gemacht, die mit synthetischen Kraftstoffen fahren. Der klassische Verbrenner solle innerhalb der nächsten 15 Jahre auslaufen, sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag".

"Um die in Deutschland hoch entwickelte Technologie des Verbrenners in die Zukunft zu führen, müssen die synthetischen Kraftstoffe raus aus dem Reagenzglas und rein in die Massenproduktion", sagte Scheuer. Um sie konkurrenzfähig zu machen, braucht es dem Minister zufolge den Druck durch den Gesetzgeber. "Wir müssen technologieoffen bleiben und gleichzeitig weiter strenge Klimaschutz-Vorgaben machen, damit die Anreize da sind, die nächsten 15 Jahre zu nutzen, um konkurrenzfähige, saubere Kraftstoffe für Verbrenner zu entwickeln."

Grüne und Greenpeace: Strombasierter Sprit ist Energieverschwendung

Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan bezeichnete Scheuers Idee "von einer sauberen Zukunft des Verbrennungsmotors" als "brandgefährlich", sowohl für den Klimaschutz als auch für die Autoindustrie. "Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe benötigt Strom. Mit der gleichen Menge Strom fährt ein E-Auto mit Batterie mindestens fünfmal so weit wie ein Verbrenner mit strombasiertem Kraftstoff. Eine solche hanebüchene Verschwendung macht strombasierte Kraftstoffe dauerhaft viel zu teuer für den Betrieb von Autos." Der Verbrennungsmotor habe keine Zukunft, ganz gleich, womit man ihn betreibe.

Die Grünen fordern in ihrem Entwurf für ihr Bundestagswahlprogramm, dass ab 2030 "nur noch emissionsfreie Autos" neu zugelassen werden. Weiter heißt es darin: "Die Vorstellung, alte fossile Technologien wie Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen zu betreiben, ist bestenfalls eine Illusion, schlimmstenfalls eine Verzögerungstaktik." Die Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen sei energieintensiv und teuer, es sei effizienter, Strom direkt für Batterien oder Wärmepumpen zu verwenden. "Es gilt daher Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe dort zum Einsatz zu bringen, wo sie wirklich gebraucht werden: etwa in der Industrie oder beim Flugverkehr."

In Großbritannien sollen fossile Verbrenner ab 2030 verboten werden. Das bis 2035 geplante Aus von Benzin- und Dieselmotoren bei Neuwagen hatte der britische Premier Boris Johnson im November 2020 um fünf Jahre vorgezogen.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa

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