Politik

Beate Zschäpe will aussagen V-Mann hieß "Kleiner Adolf"

31ch3540.jpg9211077900201635803.jpg

Matthias D. lebte in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge.

(Foto: dpa)

Während die Bundesanwaltschaft intensiv im Umfeld des Neonazi-Trios aus Zwickau nach weiteren Helfern ermittelt, will die bereits festgenommene Beate Zschäpe aussagen. Der V-Mann des hessischen Verfassungsschutzes ist offenbar ein bekannter Nazi. Einwohner in seinem Heimatdorf sollen ihn "Kleiner Adolf" nennen.

Das mutmaßliche Mitglied der Zwickauer Terrorzelle, Beate Zschäpe, will Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" zufolge an diesem Mittwoch eine umfassende Aussage machen. "Sie will auspacken und berät sich deshalb mit ihrem Anwalt", zitierte das Blatt einen Beamten aus Ermittlerkreisen.

Die für eine Mordserie verantwortlich gemachte Neonazi-Terrorzelle hatte offenbar auch in Sachsen einen Unterstützer. Die ARD berichtet, dass der in Johanngeorgenstadt lebende Neonazi Matthias D. die Wohnung in Zwickau angemietet habe, in der die Verdächtige Beate Z. von Frühjahr 2001 bis Sommer 2008 unter falschem Namen lebte.

28153944.jpg

Die Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße 26 soll D. gemietet haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zudem sei der 34-Jährige nach Angaben des Vermieters auch alleiniger Mieter jener Wohnung gewesen, in der Z. mit ihren Komplizen Uwe B. und Uwe M. zuletzt Unterschlupf fand. Nach Recherchen der ARD ging die Miete von einem Konto ab, das auf den Namen von Matthias D. geführt wurde. Ein ehemaliger Schulkamerad habe berichtet, dass Matthias D. schon seit Jahren ein überzeugter Neonazi sei.

Der Mitarbeiter des Hessischen Verfassungsschutzes, der bei mehreren Morden in der Nähe des jeweiligen Tatortes gewesen sein soll, war Informationen der "Bild"-Zeitung zufolge wohl eng mit der Neonazi-Szene verknüpft - in seinem hessischen Heimatdorf soll er demnach unter dem Spitznamen "Kleiner Adolf" bekannt gewesen sein.

Haftbefehl gegen Holger G.

Ermittler prüfen alte Fälle . Es gebe den dringenden Verdacht gegen den in der Nähe von Hannover festgenommenen Holger G., seit 2007 die terroristische Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) unterstützt zu haben, erklärte die Generalbundesanwaltschaft. Der 37-Jährige stehe seit Ende der 90er Jahre mit den übrigen Mitgliedern in Kontakt und soll ihnen Führerschein und Reisepass überlassen haben, damit sie verborgen agieren konnten. Nach Darstellung seines Anwalts betrachtet sich Holger G. als Aussteiger aus der rechtsextremen Szene. Die Taten habe er zu keinem Zeitpunkt unterstützt oder von ihnen Kenntnis gehabt, sagte Stefan Hachmeister.

Die NSU soll mindestens zehn Morde an Deutsch-Türken, einem Griechen und einer Heilbronner Polizistin begangen haben. Der offenbar rechtsextremistische Hintergrund der Mordserie zwischen 2000 und 2007 war den Ermittlern nicht aufgefallen und kam erst ans Licht, als Anfang November Bankräuber hatten Polizeiwaffen und später in ihrer Zwickauer Wohnung die Tatwaffen entdeckt wurden. Gegen eine mutmaßliche Komplizin hatte der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof am Sonntag ebenfalls Haftbefehl erlassen.

Richtige Fährte übersehen

31br4824.jpg169114600827617734.jpg

Holger G. (M) wird dem Haftrichter vorgeführt.

(Foto: dpa)

Nach dem Anschlag mit 22 Verletzten auf Türken in Köln 2004 waren die Ermittler - ohne es zu wissen - bereits auf der richtigen Spur. Es sei damals ein Team nach Nürnberg gereist, um zu prüfen, ob es Zusammenhänge zu den Morden an türkisch-stämmigen Ladenbesitzern gibt, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Josef Rainer Wolf. Die Ermittler hätten damals aber keinerlei Zusammenhang feststellen können. So sei die Spur - wie mehrere hundert andere - erfolglos geblieben.

Wolf räumte ein, dass die Fahndungsbilder von den Verdächtigen in Köln vermutlich nicht mit bundesweiten Bilddateien von Rechtsextremisten verglichen worden seien. Schuld sei ein falsches Täterprofil gewesen: "Die Experten haben damals den Täter im regionalen Umfeld vermutet", sagte Wolf. Aufgrund der Tatumstände - etwa der Nutzung von Fahrrädern - seien nur Rechtsextremisten aus dem Kölner Raum ins Visier genommen worden.

Aber auch die bundesweite Ausstrahlung des Falls in der TV-Sendung "XY... ungelöst" habe keine Hinweise auf die untergetauchten Thüringer Neonazis erbracht, die vermutlich auf den Bildern zu sehen sind. Es seien allerdings auch keine Hinweise der Thüringer Sicherheitsbehörden erfolgt, dass untergetauchte Neonazis dort bereits mit Bomben vergleichbarer Bauart hantiert hatten. "Das hätte uns natürlich weitere Anhaltspunkte geliefert", sagte Wolf.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP/rts

Mehr zum Thema