Politik

Schwaben protestieren in Berlin Viel Sympathie für S21-Gegner

Rund 600 Gegner des umstrittenen Bahnprojekts "Stuttgart 21" demonstrieren in Berlin, um den Neubau des Bahnhofs in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu stoppen - mit dem friedlichen Protest stoßen sie dort auf Zustimmung. Ministerpräsident Mappus lehnt unterdessen eine Volksabstimmung weiter kategorisch ab.

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Ein Sonderzug brachte die Demonstranten vom Ländle in die Hauptstadt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit Aktionen im Berliner Regierungsviertel haben rund 600 Gegner des Bahnprojekts "Stuttgart 21" um Unterstützung für ihr Anliegen geworben, den Bau eines unterirdischen Durchgangsbahnhofs in der baden-württembergischen Landeshauptstadt zu stoppen. So pflanzten die Projektkritiker eine Kastanie zwischen Kanzleramt und Reichstag und präsentierten Steine des abgerissenen Bahnhofsteils vor dem Brandenburger Tor.

Am frühen Morgen waren die Gegner des Bauprojekts in einem Sonderzug aus Stuttgart am Berliner Hauptbahnhof angekommen. Mehrere Sympathisanten sowie Vertreter der Linkspartei und Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac empfingen die Schwaben mit Croissants und Kaffee.

Von einer Big Band angeführt zogen sie zunächst auf den Bahnhofsvorplatz. "Wir wollen unseren Zorn loswerden", sagte eine 67-jährige Demonstrantin aus Stuttgart, die ihren Namen nicht nennen wollte. Sie kam mit zwei Topfdeckeln und einem Pappschild nach Berlin.  "Wir sind nach Berlin gekommen, um den Protest in die Hauptstadt zu tragen", sagte der Sprecher der Stuttgarter Parkschützer, Matthias von Herrmann.

Passanten zeigen Verständnis

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"Bootle fahren" gegen Stuttgart 21: Während einer Rundfahrt auf der Spree durch Berlin demonstrierten die Schwaben weiter.

(Foto: dpa)

Später pflanzten einzelne Stuttgarter Projektgegner eine "Widerstandskastanie" auf der Rasenfläche vor dem Kanzleramt. Auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor präsentierte die Gruppe sogenannte Trümmersteine vom Nordflügel des Bahnhofs, wo erste Abrissarbeiten bereits begonnen haben. Am Brandenburger Tor trafen sie auch mit Vertretern der Grünen zusammen. Das zumeist touristische Publikum zeigte Verständnis für das Anliegen der Stuttgarter.

"Wir haben viel Aufmerksamkeit geerntet", sagte Valentin Funk, einer der Organisatoren der Aktion. Sogar Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ließ es sich nicht nehmen, den Stuttgartern eine Minute seiner Zeit zu schenken, als er zufällig eine Gruppe in der Akademie der Künste am Pariser Platz traf. "Ich sehe immer nur Stuttgart, nie Hannover in den Abendnachrichten", sagte er mit einem Lachen.

Am Abend ist eine Kundgebung am Potsdamer Platz geplant, bei der laut den Veranstaltern vor allem Künstler zu Wort kommen sollten. Um 21.00 Uhr sollte der Sonderzug die Demonstranten wieder nach Stuttgart zurückbringen.

Gegen "Stuttgart 21" gehen seit Wochen immer wieder tausende Demonstranten auf die Straße. Das Projekt sieht vor, den bisherigen Stuttgarter Kopfbahnhof als Durchgangsbahnhof in den Untergrund zu verlegen. Die Kritiker warnen vor hohen Kosten, negativen ökologischen Folgen und Sicherheitsgefahren. Derzeit laufen Vermittlungsgespräche unter Leitung des Schlichters Heiner Geißler. Sie sollen am kommenden Freitag fortgesetzt werden.

Mappus: Keine Volksabstimmung

Unterdessen bekräftigte Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus seine Position. Er will die Bevölkerung keinesfalls über Stuttgart 21 abstimmen lassen. "Die Wahrscheinlichkeit geht gegen Grenzwert null", sagte der CDU-Politiker in Stuttgart. Die schwarz-gelbe Landesregierung könne nicht zunächst eine Volksabstimmung aus verfassungsrechtlichen Bedenken ablehnen und einige Monate später dann doch ein Bürgervotum einholen.

Die oppositionelle SPD will am Donnerstag im Landtag einen Gesetzentwurf über eine Volksabstimmung zu dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 einbringen. Zwei von der SPD beauftragte Rechtsexperten halten eine Volksabstimmung im Gegensatz zu einem von der Landesregierung in Auftrag gegebenen Gutachten durchaus für mit der Verfassung vereinbar.

Quelle: ntv.de, AFP/rts/dpa