Politik

Rückbau der Corona-Maßnahmen Viele Staaten gehen es jetzt lockerer an

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Zwei Frauen im spanischen Tarragona trinken ein Bier in der Sonne.

(Foto: AP)

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Staaten Europas gelten ab heute deutlich lockerere Regeln zur Corona-Eindämmung. In Frankreich und Spanien dürfen die meisten Menschen erstmals seit Wochen ohne Einschränkungen ihr Zuhause verlassen. Einzelne Metropolen bleiben aber verriegelt.

Viele Staaten in und außerhalb Europas haben ab dem heutigen Tag Einschränkungen teils deutlich gelockert, die Bürger wegen der Pandemie hinnehmen mussten. Ein Überblick:

In Frankreich durften die Bürger am Montag erstmals seit acht Wochen ihre Häuser ohne Auflagen verlassen. Auch Geschäfte und viele Schulen öffneten wieder. Eine Einreise in Frankreich ist derzeit nur aus triftigen Gründen wie für die Arbeit oder den Schulbesuch möglich.

Sorgen hatte den Verantwortlichen zuvor besonders der Nahverkehr in der Hauptstadt Paris bereitet. Rund eine Million Sticker wurden aufgeklebt - sie zeigen etwa an, welche Sitze frei bleiben sollen. Zu Stoßzeiten sollen künftig vorrangig Fahrgäste mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers die Züge benutzen dürfen. Es fahren nur 75 Prozent der Metros, 60 Stationen sind geschlossen.

Enges Gedränge in Pariser Metro

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Viel los am Pariser Bahnhof St. Lazare

(Foto: imago images/Starface)

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kam es dann am Montag zu dichtem Gedränge. Der Fernsehsender BFMTV zeigte Szenen eines voll besetzten Wagens auf einer Metrolinie, nachdem der erste Zug des Tages wegen einer technischen Panne Verspätung hatte. Auch in den Vorstadtzügen standen die Menschen teils dicht an dicht, wie Fotos zeigten.

Auch hat die Deutsche Bahn den grenzüberschreitenden Zugverkehr nach Frankreich wieder aufgenommen. Auf der Fernverkehrsstrecke von Frankfurt über Saarbrücken nach Paris verkehre nun wieder täglich ein ICE-Zugpaar nach und von Frankreich, teilte ein Sprecher der Bahn mit.

Auch Spanien hat wegen der langsamer steigenden Infektions- und Todeszahlen seine Schutzmaßnahmen gelockert und wagt damit einen ersten Schritt in Richtung Normalität. Die Hälfte der 47 Millionen Einwohner dürfen in der ersten Phase der Lockerungen wieder auf die Straße - sie müssen allerdings konsequent Abstand halten.

Madrid und Barcelona bleiben runtergefahren

Im Freundes- und Familienkreis dürfen sich seit Montag wieder bis zu zehn Menschen treffen. Restaurants und Bars können wieder für einen eingeschränkten Betrieb im Freien öffnen. Und auch kleine Geschäfte, Kirchen und Museen dürfen wieder Besucher empfangen. In den besonders betroffenen Großstädten Madrid und Barcelona bleiben die Ausgangssperren allerdings vorerst in Kraft.

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Auch die Fußgängerzone von Brüssel war heute gut besucht.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Auch in Belgien haben Geschäfte wieder geöffnet. Restaurants, Bars und Cafés bleiben jedoch weiterhin geschlossen. Belgien hat bei rund 53.000 registrierten Corona-Fällen etwa 8700 Todesopfer zu beklagen. In keinem anderen Flächenstaat hat die Pandemie - statistisch gesehen - so viele Todesopfer gefordert.

In Tschechien dürfen die Menschen nach fast zwei Monaten erstmals wieder einen professionellen Haarschnitt im Salon bekommen. Die Friseurinnen und Friseure müssen dabei neben einem Mundschutz auch ein Schutzvisier tragen. Vielerorts zeichneten sich längere Wartezeiten auf einen Termin ab. Auch Einkaufszentren und große Geschäfte wie Möbelhäuser durften öffnen. Trotz des regnerischen Wetters stellten Restaurants und Cafés Tische und Stühle auf die Gehwege. Essen und Trinken im Freien ist nun erlaubt, während die Innenräume der Gaststätten noch geschlossen bleiben müssen. Kulturinstitutionen wie das Nationalmuseum in Prag begrüßten nach langer Pause erste Besucher - sie dürfen gleichzeitig maximal hundert Personen einlassen.

Dänemarks Grenze bleibt weiter dicht

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In der Schweiz wird das Fondue zunächst noch mit Gesichtsschutz serviert.

(Foto: dpa)

In der Schweiz haben seit Montag alle Geschäfte sowie Restaurants wieder geöffnet. In den Lokalen dürfen nur vier Gäste an einem Tisch sitzen. Ausnahmen gelten für Familien mit Kindern. Die Gäste können auf freiwilliger Basis ihre Personalien angeben, um im Fall eines positiven Coronatests mögliche Kontaktpersonen leichter finden zu können.

Im zweiten Schritt des Lockerungs-Fahrplans in der Corona-Krise begann auch für viele Schüler der Unterricht wieder. Außerdem wurden Museen, Bibliotheken und Fitnesscenter wieder geöffnet. Überall gelten Schutzmaßnahmen wie Mindestabstand. Auch der öffentliche Verkehr fuhr am Montag wieder weitgehend nach Normalfahrplan. Viele Züge waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Keystone-SDA aber nur mäßig ausgelastet. Die Abstandsregeln konnten dadurch problemlos eingehalten werden.

In Dänemark haben heute die Einzelhändler und Einkaufszentren wieder geöffnet. An vielen der in der Corona-Krise wochenlang geschlossenen Geschäfte in der Innenstadt von Kopenhagen hingen Warnhinweise, wonach Kunden mit Krankheitssymptomen wie Husten, Fieber und Atemwegsbeschwerden den Läden fernbleiben sollten. Andere hatten Schilder mit einer maximalen Kundenanzahl aufgehängt und Wachpersonal aufgestellt, das unter anderem auf ausreichenden Abstand unter den Kunden aufpassen sollte.

Mit der Wiedereröffnung des gesamten Einzelhandels beginnt für die Dänen offiziell Phase zwei der Lockerungen der im März ergriffenen Corona-Maßnahmen. Bereits Mitte April waren die Tageseinrichtungen für Kinder sowie Schulen bis zur fünften Klasse geöffnet worden. Phase drei und vier starten dann am 8. Juni und im August. Wann Dänemark seine Grenzen für Reisende aus dem Ausland wieder öffnet, ist noch unklar.

In Großbritannien hat die Regierung ihren Fahrplan zur Lockerung der wegen des neuartigen Coronavirus verhängten Schutzmaßnahmen verkündet - Wales und Schottland wollen jedoch lieber vorsichtiger vorgehen und halten an einer strikten Ausgangssperre fest. Nordirland will laut Presseberichten am Dienstag eigene Empfehlungen veröffentlichen. Damit gelten die Regierungsempfehlungen praktisch nur für England.

Zu den ersten Lockerungen in dem 50-seitigen Regierungspapier gehört, dass ab Mittwoch wieder uneingeschränkt Sport im Freien erlaubt ist. Die Menschen dürfen zudem wieder jeweils eine Person von außerhalb ihres eigenen Haushalts treffen und Ausflüge an den Strand oder in die Natur unternehmen. Arbeitnehmer in der Baubranche und in Fabriken werden aufgefordert, wieder an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. Wer kann, soll jedoch weiter im Homeoffice arbeiten. Neu ist zudem die Regierungsempfehlung, in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln Schutzmasken zu tragen.

In einer zweiten Phase könnten Kitas und Grundschulen sowie nicht essenzielle Geschäfte ab dem 1. Juni wieder öffnen, falls sich die Infektionszahlen weiter positiv entwickeln. Auch Sportwettkämpfe ohne Publikum könnten dann wieder stattfinden. Ab Juli könnten auch Pubs, Gotteshäuser, Friseure und Kinos wieder öffnen. Großbritannien ist von der Coronavirus-Pandemie besonders schwer getroffen, nur in den USA gibt es mehr Todesopfer.

Quelle: ntv.de, bdk/dpa/AFP