Politik
Ist seine Arbeit ein Plagiat? Steinmeier nannte die Vorwürfe im September absurd.
Ist seine Arbeit ein Plagiat? Steinmeier nannte die Vorwürfe im September absurd.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 17. Oktober 2013

15,7 Prozent der Arbeit betroffen: VroniPlag belastet Steinmeier

Von Volker Petersen

Hat auch Frank-Walter Steinmeier bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben? Vorwürfe im September schienen sich zunächst als haltlos zu erweisen. Doch nun finden die Plagiatsjäger  von VroniPlag viele Zitate, die sie als Plagiate einstufen.

Es ist eine Frage, die nach der Bundestagswahl fast in Vergessenheit geriet: Hat auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben? Ein Professor aus NRW hatte die Diskussion im September ins Rollen gebracht. Von einer "Gesamtplagiatswahrscheinlichkeit" von 63 Prozent sprach Uwe Kamenz von der Dortmunder Fachhochschule laut "Focus". Der Professor hatte mit Hilfe eines Computerprogramms Steinmeiers Dissertation unter die Lupe genommen.

Daraufhin wurden die Plagiatsjäger von VroniPlag auf die Arbeit aufmerksam. Jetzt haben sie erste Ergebnisse vorgestellt. Und: Sie sind tatsächlich fündig geworden. Auf 62 Seiten der Dissertation des einstigen Bundesaußenministers sind nach ihrer Auffassung Plagiate zu finden. Das entspreche 15,7 Prozent der Arbeit, heißt es auf der Homepage. Das bedeutet, dass auf diesen Seiten die Übernahme fremder Texte nicht kenntlich gemacht wurde – in unterschiedlichem Umfang.

Dutzende Plagiate wurden demnach zweifelsfrei festgestellt. Dabei handelt es sich um wörtliche Übernahmen, die Steinmeier nicht ausreichend kenntlich gemacht haben soll. So verweist er in einer Fußnote auf die Quelle, aus der er zitiert, setzt das Zitat danach aber fort. "Die Quelle ist zwar angegeben (wenn auch mit falscher Seitenangabe)", heißt es auf VroniPlag, aber der Leser müsse annehmen, dass sich der Verweis nur auf den letzten Satz beziehe.

"Wenn ein Plagiat in der Arbeit ist, ist sie ein Plagiat", sagte die Berliner Informatikprofessorin Debora Weber-Wulff, die auf VroniPlag aktiv ist, gegenüber n-tv.de. Ob Steinmeier deswegen der Doktortitel aberkannt werden sollte, müsse aber die Universität Gießen entscheiden. Steinmeier selbst hatte die Uni beauftragt, die Doktorarbeit zu überprüfen. Bislang hat die Hochschule keine Ergebnisse vorgelegt – noch ist unklar, wann es soweit ist.

Plagiatsvorwürfe äußerst umstritten

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe im September waren schnell kritische Stimmen aufgetaucht, die die Anschuldigungen als nicht ausreichend belegt oder aufgebauscht einstuften. Steinmeier erhielt vielfach Rückendeckung. So kritisierte beispielsweise die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die Methode des Dortmunder Professors. Viele der von Kamenz identifizierten verdächtigen Stellen seien kaum als Plagiat haltbar. Demnach wertete das Computerprogramm von Professor Kamenz auch Zitate aus Gesetzestexten als Plagiat – was nicht zulässig ist. Dies sei in 50 von 163 Fällen so gewesen, hieß es in der FAZ.

Auch bei anderen vermeintlichen Funden handele es mitnichten um Plagiate. So habe die Software des Professors die Formulierung "um mit Ernst Bloch zu sprechen" als unerlaubte Übernahme aus einer Regierungserklärung Helmut Kohls aufgeführt. Die Software erkannte die Deckungsgleichheit der Worte – aber nicht, dass es sich dabei um eine ganz normale Redewendung handelt. Auch die Plagiatsjäger von VroniPlag distanzierten sich gegenüber n-tv.de von dem Kamenz-Bericht.

"Plagiate sind keine"

Steinmeier zur Seite sprang damals auch der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke. "Die angeblichen Plagiate sind gar keine", schrieb Funke nach Durchsicht von Steinmeiers Doktorarbeit. Die von Kamenz eingesetzte Software zum Aufspüren von Plagiaten sei nutzlos, urteilte er. Funke warf Kamenz vor, angeblich nicht oder falsch zitierte Quellen in Steinmeiers Dissertation selber falsch zuzuordnen oder falsch zu zitieren. "Herr Kamenz wird seinen Bericht alsbald zurückziehen müssen, wenn er sich nicht den Vorwurf eines Rufmordes einhandeln will", erklärte der Berliner Politologe. Der Prüfbericht sei ohne Sorgfalt und unwissenschaftlich erstellt.

Der Berliner Jura-Professor Gerhard Dannemann wertete dem "Focus" zufolge die Steinmeier zur Last gelegten Vorwürfe überwiegend als "lässliche Sünden" oder als unproblematisch. Er sei aber auch auf drei kritische Passagen gestoßen.

Mit Steinmeier sieht sich erstmals ein führender SPD-Politiker mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Der 57-Jährige wurde 1991 mit seiner Arbeit zum Thema "Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit" promoviert. Zu den neuen Funden von VroniPlag äußerte sich Steinmeier bislang nicht.

Quelle: n-tv.de

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