"Höflichkeit, mehr nicht"Wadephul und Pistorius rechtfertigen Beifall für Rubio

Die deutschen Minister Wadephul und Pistorius reagieren auf die Rede des US-Außenministers Rubio bei der Sicherheitskonferenz in München kritisch. Dennoch springen sie nach dem Auftritt auf und klatschen. Diesen Widerspruch müssen sie nun aufklären.
Sowohl Außenminister Johann Wadephul als auch Verteidigungsminister Boris Pistorius haben die stehenden Ovationen für US-Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz verteidigt. "Das war Höflichkeit, mehr nicht", sagte der CDU-Politiker Wadephul im Deutschlandfunk auf die Frage, warum er, Pistorius und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Samstag als Erste aufgestanden waren. Rubio habe ein Angebot zur Partnerschaft gemacht. "Wir haben da ja nicht gejubelt", sagte Wadephul. Rubios Mahnungen, dass man sich um Wettbewerbsfähigkeit bemühen und gegen illegale Migration kämpfen müsse, seien zudem auch deutsche Regierungspolitik. "Also da gibt es viele Bereiche, die er ehrlicherweise richtig angesprochen hat." Die Differenzen habe zuvor Kanzler Friedrich Merz klar benannt.
Nach der Rede Rubios hatten Wadephul und Pistorius sich kritisch geäußert. Wadephul beurteilt die Rede seines US-Kollegen zwar als "guten Auftakt" für künftige konstruktive Gespräche, verwahrte sich aber gegen weitere Forderungen und Ratschläge. Pistorius hatte zudem die USA vor Alleingängen gewarnt. Um Krisen und Konflikte zu lösen, könne die Antwort nicht sein, dass eine Großmacht alleine handele, so der deutsche Verteidigungsminister.
"Der Applaus für die Rede heißt selbstverständlich nicht, dass Minister Pistorius der Rede von US-Außenminister Rubio insgesamt oder gar in allen Punkten zustimmt", sagte auch der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Pistorius sei vor allem wegen des völlig anderen Tons im Vergleich zur Rede von US-Vizepräsident JD Vance im Jahr 2025 aufgestanden. Seine eigenen Positionen gegen US-Drohungen gegen Grönland und US-Alleingänge habe der Verteidigungsminister aber auf der Sicherheitskonferenz klar beschrieben. Trotzdem sei es sowohl für die USA als auch für Deutschland und die anderen Verbündeten von zentraler Bedeutung, eine gute Gesprächsbasis und einen respektvollen Ton zu haben.
Die kurzen stehenden Ovationen eines Teils des Publikums nach der Rubio-Rede hatten in Europa und den USA Kritik ausgelöst. "Rubios Standing Ovation in München, nachdem er das Ende der 'regelbasierten Ordnung' verkündet hatte, zeigt, wie schwach viele europäische 'Führungskräfte' geworden sind", schrieb etwa der demokratische US-Senator Chris Van Hollen auf X.
Rubio hatte den Europäern in seiner Rede mehrfach versichert, dass die US-Regierung sie als Partner wolle. Zugleich hatte er aber angekündigt, dass die USA notfalls auch alleine agieren würden und man keine Partner wolle, die an "Schuld und Scham" gefesselt seien. Er wandte sich gegen "Massenmigration", "Klimakult" und Freihandel. Rubio reiste danach zu den moskaunahen Regierungen der EU-Staaten Slowakei und Ungarn und versicherte diesen die US-Unterstützung.