Politik

CDU-Politiker ermordet? Walter Lübcke tot aufgefunden

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke kommt unter rätselhaften Umständen ums Leben. Der CDU-Politiker soll im eigenen Garten eine Schusswunde am Kopf erlitten haben. Von der Tatwaffe fehlt jede Spur.

Ein mysteriöser Todesfall in Hessen schreckt das politische Leben in Deutschland auf: Der Mann, den Ministerpräsident Volker Bouffier als "Brückenbauer" bezeichnet, kommt unter vollkommen ungeklärten Umständen zu Tode.

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Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke sei in der Nacht zu Sonntag im Alter von 65 Jahren unerwartet gestorben, teilte ein Sprecher der hessischen CDU unter Berufung auf Lübckes Familie mit. Da die Todesumstände ein mögliches Verbrechen nahelegen, übernahm das hessische Landeskriminalamt in Wiesbaden die Ermittlungen.

Lübcke sei keines natürlichen Todes gestorben, heißt es übereinstimmend in mehreren Medienberichten. Der CDU-Politiker - der als Behördenleiter dem nordhessischen Regierungsbezirk Kassel vorstand - wurde demnach am frühen Sonntagmorgen mit einer Schusswunde am Kopf im Garten seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha aufgefunden. Eine Tatwaffe wurde vor Ort nicht gefunden. Damit erscheint ausgeschlossen, dass sich Lübcke die tödliche Verletzung - etwa aus Versehen - selbst beigebracht haben könnte.

Staatsanwaltschaft Kassel übernimmt

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Behördenchef in Nordhessen: Walter Lübcke (1953-2019).

(Foto: imago images / Eibner)

Ein Sprecher des Wiesbadener Landeskriminalamts wollte die Berichte vorerst nicht kommentieren. Für weitere Auskünfte verwies er stattdessen auf die Staatsanwaltschaft Kassel. Von dort seien zu Wochenbeginn weitere Informationen zu erwarten. Die Kasseler Staatsanwaltschaft erklärte am Sonntagnachmittag lediglich, die Todesumstände seien "unklar". Weitere Informationen sollen demnach im Lauf des Montags veröffentlicht werden.

Nach Informationen der in der Region erscheinenden "Hersfelder Zeitung" waren Polizei und Vertreter der Staatsanwaltschaft am Sonntag vor Ort, um die Ergebnisse der Spurensicherung abzuwarten. Fast den ganzen Tag kreiste demnach auch ein Polizeihubschrauber über der Gemeinde. Kasseler Kripobeamte befragten Anwohner nach Hinweisen und Beobachtungen. Das Gebiet um das Wohnhaus des Politikers in Istha wurde weiträumig abgesperrt.

Hessens Ministerpräsident Bouffier erklärte, er trauere um einen langjährigen Weggefährten. Finanzminister Schäfer sprach von einem "irren Verlust für die Region". Auch die Grünen als Koalitionspartner der CDU in Hessen reagierten schockiert. In der CDU-Erklärung hieß es, als Regierungspräsident habe Lübcke "nie das klare Wort" gescheut.

"Fassungslosigkeit und Erschütterung"

"Er war ein Brückenbauer, wie er besser nicht sein könnte." In diesen schweren Stunden seien die Gedanken und Gebete vor allem bei Lübckes Frau, den beiden Söhnen und dem im vergangenen Jahr geborenen Enkelsohn, erklärte der hessische Regierungschef Bouffier.

In einer Mitteilung des Regierungspräsidiums hieß es, in der Behörde herrschten "Fassungslosigkeit und Erschütterung über den Tod des beliebten und außerordentlich nahbaren" Chefs. Lübcke wurde im nordhessischen Bad Wildungen geboren. Vor seiner Amtszeit als Regierungspräsident saß Lübcke von 1999 bis 2009 für die CDU im hessischen Landtag.

Erst vor wenigen Tagen hatte Lübcke sein zehnjähriges Dienstjubiläum als Regierungspräsident begangen. Regulär wäre er eigentlich Ende März aus dem Amt ausgeschieden. Auf ausdrücklichen Wunsch von Bouffier soll der Christdemokrat aber eingewilligt haben, länger im Dienst zu bleiben.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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