Politik

Terrorgefahr in Deutschland Warnung unterschiedlich bewertet

Haben Terrorkommandos den Berliner Fernsehturm oder den Hauptbahnhof im Visier? Ein US-Fernsehbericht legt das nahe. In Deutschland sieht man aber keinen Anlass, die Sicherheitslage neu zu bewerten.

Germany_Terror_Threat_SOB104.jpg3226031215861489216.jpg

In Berlin sollen der Hauptbahnhof, der Fernsehturm und das Hotel Adlon am Brandenburger Tor zu den Terrorzielen der Al-Kaida gehören.

(Foto: AP)

Vor etwa einem Jahr nahm die Propaganda-Abteilung des Terrornetzes Al-Kaida verstärkt Deutschland ins Visier. Vor der Bundestagswahl verging kaum ein Monat, ohne dass neue Drohungen auftauchten. Ein Anschlag blieb zwar bislang aus - die Gefahr wurde aber nicht kleiner. Sie ist "abstrakt", betont Thomas de Maizière (CDU) seit seinem Amtsantritt als Innenminister im Herbst. An dieser Einschätzung ändert auch ein Bericht des US-Fernsehsenders Fox News nichts, wonach Islamisten den Berliner Fernsehturm, den Hauptbahnhof und das Hotel "Adlon" am Brandenburger Tor als Ziele ausgemacht haben sollen.

Diese Ziele seien bereits vor einem Jahr genannt worden, sagt der Innenminister am Montag und fügt nüchtern hinzu: "Dazu gibt es keinen neuen Sachstand." Konkrete Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge in Deutschland gebe es nach wie vor nicht. "Für Alarmismus besteht jedenfalls zur Zeit kein Anlass", betont er.

Ausgangssperre für US-Soldaten in Deutschland

Polizei_Flughafen Schönefeld.jpg

Auch wenn die Bundregierung keine erhöhte Terrorgefahr sieht: Die Sicherheitsmaßnahmen in der Hauptstadt sind aufgestockt .

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bekannt ist den deutschen Sicherheitsbehörden, dass eine Reihe von Islamisten aus Deutschland in Richtung Pakistan gereist ist - wohl, um sich dort ausbilden zu lassen. Dazu gehört auch ein Deutsch-Afghane, der derzeit im US-Militärgefängnis Bagram nördlich von Kabul festgehalten wird. Von ihm soll ein Teil der Informationen zu den angeblichen Terrorzielen stammen. Allerdings weiß niemand genau, ob man seinen Angaben glauben kann. Aus deutschen Sicherheitskreisen hieß es am Montag, seine Aussage müsse noch abgeglichen werden - auch mit den Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden, die lange keinen Zugang zu dem Mann hatten.

Tatsächlich versuchen die US-Sicherheitsbehörden einen delikaten Balanceakt: Einerseits warnen sie ihre Bürger vor möglichen Terrorgefahren in Europa. Anderseits wollen sie Panik vermeiden. "Wir raten nicht, ich wiederhole, wir raten den Amerikanern nicht davon ab, nach Europa zu reisen", meint Unterstaatssekretär Patrick Kennedy in Washington. "Wir sagen nicht, besucht keine Touristenattraktionen oder historische Plätze oder Monumente." Zugleich raten sie Europa-Reisenden zu Vorsicht und Wachsamkeit: Bei Bahnfahrten und in der U-Bahn sollten sie etwa auf herrenlose Gepäckstücke achten. Ein TV-Reporter gab gar den guten Rat, im Hotel nicht gleich jedem die Zimmertür zu öffnen. Außerdem heißt es, für US-Soldaten in Deutschland gebe es seit Freitag eine nächtliche Ausgangssperre.

Stimmungsmache mit Terrorismus?

Unklarheit herrscht auch darüber, was die Terroristen tatsächlich vorhaben. Zwar berichtet der TV-Sender unter Berufung auf Geheimdienstquellen über prominente mögliche Ziele wie auch den Eiffelturm in Paris. Zugleich lassen Beamte in Washington aber auch durchsickern, in Wirklichkeit tappe man im Dunklen. Zwar gebe es Gründe, besorgt zu sein. Doch im gleichen Atemzug meint der Beamte: "Das genaue Datum und das Ziel möglicher Terroristenoperationen sind nicht bekannt." Und mehr als vage heißt es, die Warnung beziehe sich auf einen "relativ kurzen Zeitraum".

Auf einen interessanten Gesichtspunkt weist die "Washington Post" am Montag hin - wenn auch in aller Vorsicht. Demokraten hätten Ex-Präsident George W. Bush vorgeworfen, vor Wahlen mehrfach die Terrorwarnungen verstärkt zu haben. Offensichtlich unterstellten die Demokraten, Bush habe sich durch ein verschärftes "Klima der Angst" Vorteile bei der Abstimmung erhofft. Zwar spricht das Blatt es nicht ausdrücklich an, doch jeder amerikanische Zeitungsleser weiß: Am 2. November stehen in den USA Kongresswahlen an, bei denen Barack Obama Gefahr läuft, seine Mehrheit im Kongress zu verlieren.

Quelle: ntv.de, Peer Meinert und Bettina Grachtrup, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen