Politik

Promo für den Mitbewerber Was Söder über Laschets Machtinstinkt weiß

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Markus Söder mit den Autoren der Laschet-Biografie Tobias Blasius (li.) und Moritz Küpper (re.).

(Foto: picture alliance/dpa)

Armin Laschet - ein Politiker, der Menschlichkeit seinem Machtinstinkt vorzieht? Eine Biografie über den CDU-Politiker erweckt diesen Eindruck. Vorgestellt wird sie ausgerechnet von Markus Söder. Und der hat bei dieser Darstellung Einwände.

Journalisten schreiben Biografien über Spitzenpolitiker. Daran ist nichts ungewöhnlich. Für die Vorstellung des fertigen Buches - auch das kommt vor - gewinnen die Verlage mitunter ungewöhnliche Gastredner. Das soll die Angelegenheit wohl spannender machen. Wer hätte etwa gedacht, dass ausgerechnet der Linken-Politiker Dietmar Bartsch vor rund zwei Jahren die Biografie über CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn präsentieren würde? Dass im laufenden Rennen um die nächste Kanzlerschaft einer, der Angela Merkels Nachfolge gern antreten würde, das Buch eines anderen vorstellt, der das ebenfalls möchte, ist aber wirklich die Ausnahme. Und so stellt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder das Werk über NRW-Landeschef Armin Laschet vor.

Da mag man sich schon fragen: Was ist das für ein Buch? Ein Enthüllungswerk über die dunklen Machenschaften in der Düsseldorfer Staatskanzlei etwa, das dem bayerischen Landesvater Vorteile bringen könnte? Im Gegenteil. "Der Machtmenschliche", so heißt die Laschet-Biografie der beiden Journalisten Tobias Blasius und Moritz Küpper, ist ein nicht unkritisches, aber insgesamt eher freundliches Werk über Laschet. Was wäre das auch für ein seltsamer Auftritt, wenn sich Söder, der seine offensichtlichen Ambitionen auf das Kanzleramt ja noch immer nicht offiziell gemacht hat, über eine Abrechnung mit seinem Amtskollegen aus Düsseldorf profilieren würde?

"Nein, ich unterschätze niemanden, der eine Wahl in NRW gewinnt"

Mit-Autor Blasius, der als Korrespondent für mehrere Zeitungen aus NRW berichtet, sagt, das Buch sei das Ergebnis "eines jahrelangen Versuchs, aus Laschet klug zu werden." Oft sei in der CDU über ihn gesagt worden, er werde in der Union nie etwas erreichen, er sei zu weich, zu rheinisch. "Er ist kein typischer Machtmensch", sagt der Journalist. Sein Kollege Küpper, der für den Deutschlandfunk aus NRW berichtet, antwortet auf die Frage, ob Laschet das Zeug zum Kanzler habe: "Unser Ziel war es, die Person zu ergründen. Nur dazu können wir Fragen beantworten". Der rote Faden des Buches ist Beschreibung des Verhältnisses von Laschet zur Macht. Er sei nicht besessen von ihr, eher abwartend, menschlicher als andere Akteure in diesem Geschäft, vielleicht unterschätzt, könnte man als eine Kernaussage verstehen.

Das allerdings sieht Laschets Amtskollege aus München anders. Auch Söder kommt in dem Buch mehrfach vor und wird als ein Politiker beschrieben, der jede Handlung einem höheren Ziel unterordnet. Nichts überlasse er dem Zufall. Laschet hingegen gönne sich Momente gewisser Planlosigkeit, heißt es. Darauf angesprochen widerspricht Söder. "Inszenieren tut auch er sich", sagt er. "Ich kenne aber auch keinen, der das nicht tut." Jeder Spitzenpolitiker überlege sich in der Regel sehr gut, was er wann und wo sage, "auch Armin". Auf die These der Autoren angesprochen, ob auch Söder dazu neige, Laschet zu unterschätzen, entgegnet er: "Nein, ich unterschätze niemanden, der eine Wahl in NRW gewinnt". Das sei im bevölkerungsreichsten Bundesland nämlich noch schwieriger als in Bayern, glaubt er.

"Reicht das, Herr Söder?"

Im Buch werde "ein ganz feiner Mensch" beschrieben, der aber zum Teil einen "schwerfälligen Umgang" mit der Macht habe, sagt Söder. "Das sehe ich anders. Ich glaube, er kann beides." Die menschlichen Eigenschaften, die in der Biographie beschrieben sind, seien zum Teil eine Art Grundvoraussetzung für den Job. "Man muss vielleicht Philanthrop (Menschenfreund, Anm. d. Red.) sein, weil einen gewisse Geflechte in Parteien und der Politik auch schnell zum Misanthropen (Menschenfeind, Anm. d. Red.) machen können."

Die Autoren der Laschet-Biografie zeichnen das Bild eines Politikers, der bereit sei, einen zusätzlichen Machtgewinn auch gegen ein Stück natürliche Menschlichkeit einzutauschen. Söder ist bei der Buchpräsentation sichtlich bemüht, dieses Bild zu korrigieren. Laschet hat es seinen Worten zufolge nicht trotz seines Machtinstinkts geschafft, sondern genau deswegen. Damit wertet er den NRW-Ministerpräsidenten in seiner Eignung als möglicher Kanzler auf. Auch wenn er auf Nachfragen unkonkret reagiert: "Laschet will nach oben, er muss es aber nicht. Reicht das, Herr Söder?", will der Moderator wissen. "Den CDU-Vorsitz will er und Kanzler traut er sich zu. Jetzt warten wir mal ab, wie es weitergeht", antwortet Söder.

Laschet, der während der Buchpräsentation im Flugzeug nach Rom sitzt, um dort den Papst zu treffen, bekommt an diesem Tag viele anerkennende Worte von Söder. Der rückt sich damit aber auch selbst geschickt in vorteilhaftes Licht. In einigen Wochen dann folgt die Revanche und Laschet, der in dem aktuellen Buch als der "Machtmenschliche" beschrieben wird, präsentiert eine Söder-Biografie. Deren Titel steht schon fest und es wird spannend, was Laschet daraus machen wird. Das Buch über den bayerischen Ministerpräsidenten heißt: "Der Schattenkanzler".

Quelle: ntv.de