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Erdogan triumphiert Was wir über den Putschversuch wissen

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(Foto: REUTERS)

In der Nacht zum Samstag starten Teile des Militärs einen Putschversuch gegen die Regierung in Ankara. Viele Menschen sterben, die Revolte scheitert, Präsident Erdogan triumphiert. Was geschah in diesen dramatischen Stunden, wer hat den Putsch angezettelt und wie ist die aktuelle Lage?

Was geschah genau?

Nach der Putscherklärung im Fernsehen wurde eine Zeitlang erbittert um die Macht gekämpft. Die Auseinandersetzungen wurden unter anderem mit Kampfflugzeugen und Panzern ausgetragen, außerdem gab es in Istanbul und Ankara Feuergefechte. In Ankara warf ein Flugzeug eine Bombe nahe dem Präsidentenpalast ab, anschließend griffen F-16-Kampfjets dort nach Angaben der Präsidentschaft Panzer an, die die Rebellen aufgefahren hatten. Ein Kampflugzeug schoss demnach einen von den Rebellen gekaperten Kampfjet ab. Auch das Parlament in Ankara wurde Medienberichten zufolge aus der Luft angegriffen.

Dutzende Putschsoldaten, die eine Brücke über den Bosporus blockiert hatten, ergaben sich und wurden festgenommen. Der offenbar von Rebellen gefangen genommene Generalstabschef Hulusi Akar wurde laut dem Sender CNN-Türk auf einem Luftwaffenstützpunkt bei Ankara aus der Gewalt der Putschisten befreit. Zuvor war Ümit Dündar als vorübergehender Armeechef eingesetzt worden.

Mehr als 200 Putschsoldaten, die sich im Hauptquartier der Armee in Ankara verschanzt hatten, ergaben sich laut der Nachrichtenagentur Anadolu. Einem Regierungsvertreter zufolge begannen Spezialkräfte mit der Sicherung des Geländes.

Die Behörden in Istanbul versuchten am Morgen, zur Normalität zurückzukehren, und öffneten die Bosporusbrücken wieder für den Verkehr. Der während des Putschs geschlossene Flughafen von Istanbul nahm schrittweise wieder seinen Betrieb auf. Erdogan rief die Bürger aber zugleich auf, auf den Straßen zu bleiben, da ein Wiederaufflammen der Gewalt möglich sei. Bereits in der Nacht waren zehntausende Türken gegen die Putschisten auf die Straße gegangen.

Bei einem Putschversuch durch Teile des türkischen Militärs sind in der Nacht zum Samstag mehr als 260 Menschen getötet worden. Nach heftigen Gefechten erklärte die Regierung den Putsch für beendet.

Wer kontrolliert das Land jetzt?

Nach Angaben von Übergangs-Armeechef Ümit Dündar wurde der Putschversuch vereitelt. Die Behörden übernahmen wieder die Kontrolle über das Parlament, das am Samstagmorgen zu einer Sondersitzung zusammenkam. Die Situation sei "vollständig unter Kontrolle", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim. Es seien 2839 Armeeangehörige - mutmaßliche Putschisten - festgenommen worden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan brach seinen Urlaub am Mittelmeer ab und landete am Samstagmorgen auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul. Seinen Angaben zufolge wurde sein Hotel im Urlaubsort Marmaris nach seiner Abfahrt bombardiert.

Wer steckt hinter dem Putschversuch?

Eine Gruppe namens "Rat für den Frieden im Land" verkündete in einer im staatlichen Fernsehsender TRT verlesenen Erklärung am Freitagabend, die Armee habe die Macht im Land übernommen. Damit sollten "die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie, die Menschenrechte und die Freiheiten" im Land gewährleistet und wiederhergestellt werden. Namentlich bekannte sich kein Soldat zu dem Putschversuch.

Erdogan beschuldigt die Bewegung des im Exil in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, dahinter zu stecken. Die Gruppe sowie Gülen selbst wiesen das vehement von sich. Die Bewegung verfügt in der Türkei über ein großes Netz aus Schulen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen sowie über einen großen Einfluss in Medien, Polizei und Justiz.

Erdogan und Gülen hatten sich überworfen, als Ende 2013 ein Korruptionsskandal im Umfeld des damaligen Regierungschefs und jetzigen Präsidenten ans Licht kam. Erdogan warf Gülen vor, systematisch einen Umsturz gegen ihn geplant zu haben.

Wie viele Tote und Verletzte gibt es?

In der Hauptstadt Ankara und in Istanbul ereigneten sich in der Nacht zum Samstag Szenen der Gewalt, wie sie die Türkei seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Neben Luftangriffen gab es Gefechte zwischen regierungstreuen Soldaten und Putschisten. In Istanbul schossen Putschisten auf Zivilisten, die gegen den Umsturzversuch demonstrierten.

Nach Angaben der Armee wurden 104 Putschisten getötet. Laut Regierungschef Yildirim wurden zudem 161 weitere Menschen getötet - neben Sicherheitskräften auch dutzende Zivilisten. Mindestens 1440 Menschen wurden verletzt.

Quelle: n-tv.de, kwe/AFP

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