Politik

Totalausfall als mögliche US-Rache Wer schoss Nordkorea aus dem Netz?

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Datensperre für Nordkorea und Kim Jong Un: Für Stunden ging nichts mehr im Netz.

(Foto: dpa)

US-Präsident Obama kündigt eine "Reaktion" auf den Sony-Hack an - dann beginnen die Angriffe auf Nordkoreas Infrastruktur. Fast zehn Stunden lang ist das kommunistische Land offline. Offiziell halten die USA sich bedeckt. Ein Behördenmitarbeiter gibt sich zynisch.

Nur die Oberschicht hat in Nordkorea Zugang zum Internet - eigentlich. In der Nacht von Montag auf Dienstag sind nach und nach alle Verbindungen zum kommunistischen Land zusammengebrochen, bis es komplett vom weltweiten Netz abgeschnitten war. Die spärlichen 1024 offiziellen IP-Adressen waren lahmgelegt. Fast zehn Stunden lang gab es keinen Datenverkehr. Angriff oder Absicht?

Die Internet-Sicherheitsfirma Arbor Networks, die Unternehmen gegen Hackerangriffe schützt, verzeichnete ab Samstag eine ganze Reihe von "Denial of Service"-Angriffen auf die nordkoreanische Infrastruktur. Dabei wurde Hardware mit einer Vielzahl von Anfragen überschwemmt, schreibt der "Guardian". Es ist von außen schwer abzuschätzen, ob diese Angriffe allein der Grund für den Totalausfall waren.

Es mag ein Zufall sein, aber die Anfragen begannen nur wenige Stunden, nachdem US-Präsident Barack Obama angekündigt hatte, auf den Hackerangriff gegen Sony "angemessen" zu reagieren. Nach Darstellung des FBI ist der kommunistische Staat für die Cyber-Attacke und die Anschlagsdrohungen im Zusammenhang mit dem Film "The Interview" verantwortlich. Nordkorea bestreitet das und reagierte mit Säbelrasseln.

Das Weiße Haus wollte sich zu den Vorgängen offiziell nicht äußern. Aus zwei unterschiedlichen US-Behörden hieß es, die Regierung habe nichts mit dem Vorfall zu tun, so "NBC News". Eine andere Schlussfolgerung lassen indes Berichte der "New York Times" zu: Demnach verhandelten die US-Behörden über das Wochenende mit China, in Zukunft dabei zu helfen, dass Nordkorea keinen schädlichen Code mehr um die Welt schicken kann. Das große Nachbarland ist der logische Ansprechpartner für die Vereinigten Staaten, denn fast alle Daten aus Nordkorea fließen durch dessen staatliches Unternehmen China Unicom.

Ebenfalls am Wochenende telefonierte zudem US-Außenminister John Kerry mit dem chinesischen Außenamtschef Wang Yi. Danach sagte der chinesische Politiker, China verurteile jegliche Form von Internet-Attacken und Internet-Terrorismus. Nordkorea erwähnte er nicht.

US-Behördenmitarbeiter wollten sich gegenüber der "New York Times" zum Hergang des Internet-Ausfalls nicht äußern, doch einer sagte schlicht: "Unfälle können passieren." Dieses Zitat klingt wie aus einem Hollywoodfilm herausgegriffen, in dem der Bösewicht zynisch den Unschuldigen spielt. Und eben ein solcher Film hat die Verstimmung zwischen den USA und Nordkorea ausgelöst - denn der kommunistische Machthaber Kim Jong Un soll in Sonys Streifen von US-Journalisten getötet werden.

Wie genau der Netz-Blackout herbeigeführt wurde, ist unklar: Es könnte komplett überlastet, anderweitig angegriffen oder gar gekappt worden sein. US-Außenministeriumssprecherin Marie Harf sagte, "wir werden öffentlich keine Details diskutieren (…) manche unserer Reaktionen werden sichtbar sein, manche möglicherweise nicht".

Mehr als eine Machtdemonstration wäre ein Cyber-Angriff der USA auf das isolierte Nordkorea ohnehin nicht, denn die Verantwortlichen für den Sony-Hack sollen vor allem in China sitzen. Sie benutzten für ihre Attacken unter anderem Server in Bolivien, Singapur und Thailand. Ebenfalls vorstellbar ist, dass Nordkorea seine Verbindung zur Außenwelt selbst abschaltete - aus Angst vor den Maßnahmen der USA.

Quelle: ntv.de