Politik

Wahlanalyse in Infografiken Wie die "politische Mitte" in Hamburg wählt

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Stimmauszählung in Hamburg: Starke Gewinne gibt es im Vergleich zur Bürgerschaftswahl 2015 neben den Linken vor allem bei den Grünen.

(Foto: dpa)

Welche Trends lassen sich am Tag nach der Hamburger Bürgerschaftswahl erkennen? Ein Blick in die vorliegenden Daten zeigt, welche Themen die Masse der Wähler an der Elbe bewegten - und welche nicht. Forsa-Chef Güllner analysiert die Bewegungen hinter den Zahlen.

Der Anschlag in Hanau, das Wahldebakel in Thüringen, der Niedergang der Volksparteien: Die großen Themen der Bundespolitik haben bei der ersten und bislang einzigen großen Wahlentscheidung des Jahres in Deutschland auffallend schwachen Eindruck hinterlassen. "Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg war für die Wähler vor allem die Politik in der Hansestadt selbst ausschlaggebend", fasst Forsa-Chef Manfred Güllner die Entwicklungen zusammen.

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"Das Ergebnis zeigt ein weiteres Mal, dass regionale oder lokale Wahlen keinesfalls - wie häufig von Medien, aber auch Politikwissenschaftlern und Kulturkritikern unterstellt - ein bloßer Reflex der politischen Großwetterlage sind."

Gemessen an der Anzahl der erzielten Gesamtstimmen auf der sogenannten Landesliste zeigen sich die vorläufigen Ergebnisse bemerkenswert robust: Bei der AfD zum Beispiel führte die Debatte um die Ursachen und Hintergründe rechtsextremer oder offen rassistischer Gewalttaten zu vergleichsweise geringen Abweichungen zum Ergebnis aus der zurückliegenden Wahl von vor fünf Jahren.

In absoluten Zahlen betrachtet kamen die Rechtspopulisten in der vereinfachten Schnellauszählung auf der Hamburger Landesliste auf 211.327 abgegebene Stimmen. Das sind rund 3500 weniger als bei der Bürgerschaftswahl 2015. Unterm Strich hat die Partei damit offenbar nur wenig Rückhalt unter ihren Anhängern in der Hansestadt eingebüßt.

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(Hinweis: Die Zahlen beruhen auf den Daten aus der vereinfachten Schnellauszählung der Landeslistestimmen. Die vertauschten Angaben für FDP und AfD wurden korrigiert.)

Die Liberalen wiederum, die bis zur Vorlage des vorläufigen amtlichen Endergebnisses noch um ihren Wiedereinzug ins Landesparlament bangen müssen, kamen nach derzeitigem Stand auf etwas mehr als 199.000 abgegebene Stimmen. Das sind fast 63.000 Stimmen weniger als bei der zurückliegenden Bürgerschaftswahl.

"Die Ereignisse in Thüringen und die Morde in Hanau dürften bei der Entscheidung für beziehungsweise gegen die eine oder andere Partei (vor allem bei der FDP und der AfD) einen gewissen Einfluss gehabt haben", heißt es dazu in der Forsa-Analyse. "Doch alles in allem war die Wahl am Sonntag ein Urteil über den Zustand der Hamburger Parteien."

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Die SPD dagegen, die sich in Hamburg trotz Stimmverlusten unerwartet deutlich als stärkste Kraft durchsetzen konnte, verlor im gleichen Zeitraum etwas mehr als 56.000 Stimmen. Mit Spitzenkandidat Peter Tschentscher sei es den Sozialdemokraten in Hamburg jedoch gelungen, so Forsa-Chef Güllner, mehr Wähler als bei der vorangegangenen Bundestagswahl zu mobilisieren. Das Vertrauen der Wähler konnte die SPD demnach mit einem "pragmatischen und nicht wirtschaftsfeindlichen Mitte-Kurs" gewinnen, der sich "deutlich vom 'Linksschwenk' der Bundes-SPD unterscheidet".

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Bei der CDU wiederum, die in Hamburg das zweitschwächste Ergebnis auf Landesebene in ihrer Geschichte verkraften muss, belaufen sich die rechnerischen Verluste auf fast 116.000 Stimmen. "Die Hamburger CDU konnte nach ihrem Zwischenhoch mit Ole von Beust schon bei den letzten Bürgerschaftswahlen 2011 und 2015 nur einen Bruchteil der Wähler, die sie bei der jeweils vorangegangenen Bundestagswahl gewählt hatten, wieder zur Stimmabgabe für die CDU bewegen", beschreibt Güllner das Debakel.

"Anders als manche CDU-Vertreter immer noch hoffen, konnte die Hamburger CDU keine früheren AfD-Wähler zur Stimmabgabe für die CDU bewegen, obwohl die AfD deutlich weniger Stimmen erhielt als bei der Bundestagswahl 2017."

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Die übrigen großen Parteien - und auch die zusammengefasste Gruppe der abgeschlagenen Kleinparteien - erzielte dagegen deutliche Zuwächse. Am deutlichsten fällt der relative Wahlgewinn bei den Grünen aus. In absoluten Zahlen kann der bisher an der Seite der SPD mitregierende Koalitionspartner volle 531.000 Stimmen hinzugewinnen.

"Die Grünen feiern ihr Wahlergebnis als großen Triumph", meinte Güllner dazu. "Mit einem Anteil von 14,9 Prozent von allen Wahlberechtigten haben sie im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 in der Tat einen Stimmenzuwachs von 42 Prozent zu verzeichnen." Allerdings, so schränkt Güllner ein, hätten die Grünen im Vergleich zur Europawahl 2019 deutlich Wähler verloren.

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Die stärkste Kraft in Hamburg bleibt der Forsa-Analyse zufolge nicht irgendeine Partei, sondern die Gruppe der Nichtwähler, wie Forsa-Chef Güllner hervorhob. "Mit 38,4 Prozent war die Zahl der Nichtwähler (einschließlich der ungültigen Stimmen) ähnlich hoch wie die Zahl der Wähler der beiden Wahlgewinner SPD und Grüne (zusammen 38,9 Prozent aller Wahlberechtigten) und 12 mal größer als die Zahl der AfD-Wähler."

Quelle: ntv.de